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Mittwoch, November 19, 2008

Tagesthemen

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Dienstag, November 04, 2008

Peinliche, indiskutable Verräter in Hessen

Sonst bin ich ja nicht so, aber ich konnte nicht anders -- der Titel dieses Posts drückt nur milde aus, was ich empfinde. Es geht um die Vorfälle in Hessen. Das ist alles schon schwierig genug, Andera Ypsilanti von der SPD versucht gegen eine Wand aus Rassismus und Kommunistenhetze von Mitte-Rechts irgendwie eine regierungsfähige Koalition aufzubauen. Lange wurde quälend verhandelt -- endlich gab es irgendwann letzte Woche einen Lichtblick: es sah so aus, als ob die Ära Koch, des brutalst-möglichen Aufklärers und Rechtsaussen der CDU, endlich ein Ende haben könnte. Eine Minderheitenregierung SPD-Grüne mit Tolerierung der Linken.
Eine Abgeordnete der SPD kündigte direkt an, sich enthalten zu wollen. Ok, kein Problem, knapp aber es würde gehen.
Nun aber, in letzter Sekunde, drängten sich ein paar popelige Hinterbänkler vor die Kameras und verkündeten, sie könnten doch nicht zustimmen. Ganz so, als ob sie all die Wochen der Verhandlungen und Debatten nicht da gewesen wären, im Urlaub oder so. Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch. Die Presse redet von "Rebellen". Pff, aber ich seh da nichts rebellisches. Ich seh da von Rechts gekaufte Verräter, rückrat- und anstandslose Arschlöcher. Ich finde es gibt keinen besseren Weg sich ins politische Abseits zu katapultieren, als sich ganz öffentlich als Lügner und Verräter hinzustellen. Stattdessen ist davon die Rede, dass Ypsilanti am Ende sei -- da sieht man nur mal wieder, ich bemühe absichtlich ein Klischee aus den Siebzigern, die Propaganda der Springer-Presse! Was für ein hirnloses politisches System, in dem Menschen die versuchen etwas aufzubauen, etwas zu verändern, als gescheitert dargestellt werden. Und feige Verräter, die sich nur ins Rampenlicht drängeln wollen und für ein paar Blitzlichter in der schmierigen Fresse über Leichen gehen würden, werden als wackere Rebellen dargestellt. Immer noch der ungezügelte Kommunistenhass im postfaschistischen Westdeutschland. Vielleicht sollte man über Hessen mal Flugblätter abwerfen -- Hitler-Diktatur und kalter Krieg sind vorbei! Hallo! Aufwachen, wir sind im 21. Jahrhundert!!!
Ich schäme mich nicht es noch mal zu sagen: Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch -- lächerliche, peinliche, indiskutable Verräter!
Mit dieser menschlichen Einstellungen würde nicht einmal die NPD die noch als Abgeordnete aufnehmen. Allenfalls die FDP, die nehmen ja jeden bei sich auf, der weiß, wie man eine Krawatte binden kann.
Aber, da gibt es ja noch ein Leckerchen hinterher, hab ich heute morgen auf WDR5 gehört: der gute Jürgen Walter ist ja nicht irgendein unwichtiger Politikhansel! Nein nein, er ist ein gekränkter, beleidigter, unwichtiger Politikhansel, der es "allen mal so richtig zeigen will". War er nicht nur erfolglos in seiner Kandidatur als SPD Spitzenkandidat, scheiterte er doch auch mit seinen Ambitionen Wirtschaftminister zu werden. Ich wette, wenn er diesen Ministerposten (und nicht bloß ein popliges Verkehrsministerium, das unter seiner Würde zu sein scheint) bekommen hätte, dann hätte er sich wunderbar in die Regierung gefügt, ja er hätte den pseudokommunistischen Linken mit Kußhand die Tolerierung abgenommen. So sieht es aus, wenn charakterlose Schweine Politik machen. Herrlich. Und an dieses System soll man glauben. Und dann wundert ihr euch, wenn ich Lust bekomme Steine und Molotows zu werfen!

Donnerstag, September 04, 2008

I'll be back!

Kaum ist eine Plage, in Form des Titan-Kahn, von der Bildfläche verschwunden und es geht ein Aufatmen durchs Land, kommt es knüppeldick: Müntefering will zurückkommen*. Der Sauerländer Rumpelpolitiker, der als Kind in den Kessel mit dem Zauberveltins gefallen ist, der Erfinder der Heuschreckendebatte und einziger Ganztagesmorgenmuffel der Politik. Die Rechtslinken (also, die die sich an die sogenannte Mitte ankuscheln) vom Seeheimer Kreis freuen sich, die SPD bekommt wieder mehr Profil. Als wenn Onkel Bräsig Beck nicht genug Profil hätte, für eine Partei. Beck hat doch eigentlich genug Profil für einen Matsch-und-Schnee-Reifen. Vielleicht haben sie die Profiltiefe gemessen. Abnutzung. Polizeikontrolle und so. Naja, offenbar sind die brutal niedrigen Umfragewerte der alten Dame SPD so schauderlich, dass nun untote Politwidergänge herbeigerufen werden müssen. Weil an diese Charaktermasken erinnert sich das Wahlvolk noch. Mit kernigen Kloppern wie "Nur wer arbeitet, soll auch essen" oder "Links ist das, was Arbeit schafft." wird der Schraubzwingenrethoriker sicher wieder für Erheiterung sorgen in der Tagespresse. Zum zweiten Zitat allein liegen mir so viele böse Reposten auf der Zunge... aber naja, nun von Bauprojekten der Nazis anzufangen (schufen viele Arbeitsplätze in der Betonindustrie) wäre echt fies. Kann jedenfalls an Arbeitsbeschaffung nichts linkes erkennen. Was solls, wenn Müntefering raunt "Ich kann nur kurze Sätze" weiß man woran man ist: ehrliche Stammtischpolitik aus dem schönen Sauerland, rotbraun wie die Scheiße einer Kuh mit Cholera. Na dann, voran Genossen!
Und da Politik funktioniert wie ein Sammelkartenspiel ("Bundestag, The Gathering") wird die CDU bald ihre Konterkarte ziehen und Friedrich Merz reanimieren. Endlich wieder Pöbelpolitik pur.
Ich freu mich. Mehr Stoff zum drüber aufregen. Das ist gesund und hält das Herz jung... ;-)

*: ja, das ist eine nicht mehr ganz taufrische Info, ich weiß, aber mir war das bis heute morgen nicht so bewusst.

Mittwoch, Juni 25, 2008

Lebbe geht weiter...

Jaja, der gute alte Stepi-Spruch hilft den ausgeschiedenen Niederländern sicher ein wenig weiter. Aber während die EM alle in ihrem Bann hält, geht das Leben natürlich weiter. Traditionell benutzen Regime (angefangen mit den Römern und ihrer Panem et Circensis Geschichte) solche Zeiten immer, um klammheimlich irgendwelche Veränderungen durchzudrücken. Dazu muss es aber ein funktionsfähiges Regime geben, und keine handlungsunfähige große Koalition. Von daher sind wir also vor "Übergriffen" durch die Regierung sicher. Dennoch hab ich ein paar Anmerkungen.
Zum Beispiel hab ich ein neues Lieblingslied, dass ich nur empfehlen kann: Tom Petty, Saving Grace (hier reinhören, wenn man einen RealPlayer hat). Das Lied ist sooooo cool. Aber dass ich Tom Petty plötzlich gut finde, macht mir Angst. Nun zeigt sich ganz deutlich, dass ich die 30 überschritten hab... :-)
Naja, wenn das alles wäre, dann könnte man nicht wirklich Ereignissen neben der EM sprechen.

Die Bahn vs. VRR
Jaaaaa, sehr unterhaltsam. Der VRR (Verkehrsverbund Rhein Ruhr) hat der DB AG den sehr lukrativen Nahverkehrsvertrag gekündigt. Weil die DB AG sich nicht an ihre Pflichten hält -- nämlich für Sicherheit, Sauberkeit und Pünktlichkeit (S-S-P) zu Sorgen. Quasi Primärtugenden auf eiserner Schiene. Quasi die drei Grundvokabeln eisenbahnerischen Deutschtums. Die Züge sind verschmutzt (das kann ich bestätigen), unpünktlich oder fallen gleich ganz aus (jaja!). Oder fahren, aber sind größtenteils defekt... Klos die nicht funktionieren, Türen die einen gefangen halten. Und es gibt nicht die versprochenen Aufpasser in nächtlichen S-Bahnen. Vermutlich weil die nicht irgendwo arbeiten wollen, wo man noch nicht mal kurz Pipi machen kann ohne sich eine Infektion zu holen. Das hat der VRR nun registriert (hätten sie mich schon vor Jahren nach fragen können) und zieht Konsequenzen. Damit setzt der VRR die Bahn ordentlich unter Druck. Denn all diese Dinge (S-S-P) vertragen sich gar nicht mit dem Börsengang der Bahn -- hier stört der Fahrgast nur, denn im Vergleich zu teuren Exportgütern etc (welche die Bahn viel lieber und imt höherer Priorität auf ihren Güterzügen herumkutschiert) ist das menschliche Transportgut blöd zu transportieren, nörgelt rum und so. Hat nur den Vorteil, dass es sich ganz selbst verlädt.
Tja, Hr Mehdorn. Das ist es eben -- wer die Einnahmen aus dem Nahverkehr nicht will (und dieses Signal sendet ihr Unternehmen) der kriegt sie auch nicht. Geschenkt gibt es nix, denn das hier ist der Kapitalismus, den sie so sehr lieben. Wär das nicht ein guter Zeitpunkt für den Staat (vielleicht die Länder?) den regionalen Nahverkehr wieder zu "verstaatlichen" (uuuuuuuuh! bei dem Wort gibt es eine spürbare Erschütterung der Macht, Luke!)?? Dann könnte man vielleicht die blöde Bahnaktien als Klopapier in die Toiletten hängen. Ist nämlich meist auch keins da... ;-)

SPD, "Onkel Bräsig" Beck und das Spiel der Macht
Was tut man, wenn man folgendes Problem hat: eine Person befindet sich in einer mächtigen Person, die aber völlig untragbar, nervig, peinlich und im großen und ganzen kontraproduktiv ist? Loswerden, klar. Aber unglücklicherweise ist das Problem dergestalt, dass sich diese Person ein eigenes Netzwerk von schafigen Unterstützern geschaffen hat. Und man selbst ausserdem in allgemeiner demokratischer Handlungsunfähigkeit erstarrt ist.
Hoffnunglos? Nein. Da gibt es traditionell trotzdem Möglichkeiten.
Wenn wir an die deutsche Politik denken, fällt als erstes ein: man kann Leute "wegloben" -- was bedeutet, ihnen einen vermeindlich wichtigen Posten bei der EU zuzuschanzen. In Fachkreisen auch "die Deppendichte in Brüssel erhöhen" genannt. Siehe Stoiber. Klappt leider nicht immer, denn die Anzahl an völlig anspruchslosen Posten in Brüssel ist sicher auch begrenzt.
Man kann solche Personen auch abmurksen lassen. Ui, ja, das kommt nicht so oft vor, klar, und wird in Deutschland immer schick als Selbstmord getarnt. Dafür haben wir die Geheimdienste. Achtung, Verschwörungstheorie: siehe Barschel, Petra Kelly et al. Ein wenig extrem für den politischen Alltag, diese Möglichkeit, aber sicher gut zu wissen das man es kann.
Eine dritte Möglichkeit wurde gerade eben erst am Beispiel Kurt Becks eindrucksvoll demonstriert. Man kann die Pressemaschinerie nutzen, um der Person Dinge in den Mund zu legen, die nie gesagt wurden. Zum Beispiel eine Rücktrittsankündigung. Und wie das eben so ist, wenn man es nur fest genug schreibt, druckt und glaubt, wenn man auch noch in der hinterletzten Nachrichtenklitsche auf Neun Live verkünden lässt, dass Kurt Beck zurücktreten will -- dann glaubt er es am Ende vielleicht selber und tut es? Möglich. Elegant.
Hat aber nicht geklappt. Denn diese Aktion setzt etwas voraus -- ein Mindestmaß an Überzeugungskraft und Fantasie bei der erleidenden Person. Schliesslich muss sie sich etwas vorstellen, dass sie gar nicht will. Aber beides hat Kurt Beck nicht. Er ist der uninspirierteste, langweiligste, bräsigste und profillos-blasseste Politiker seit langem. Und von daher immun gegen solche Presseattacken. Er macht einfach weiter, poltert weiter seine schwer erträglichen Reden, säuft weiter eifrig Wein und ist weiter schlicht und einfach er selbst, Onkel Bräsig. Fall beendet. Muss sich halt was neues ausgedacht werden.

Aufstände stehen bevor
Nun muss ich am Ende doch noch mal auf die EM kommen... mir ist klar geworden, dass dies der letzte "normale Tag" vor einer langen Krise in NRW sein könnte, schwere Aufstände, Plünderungen, Straßenschlachten und Feuersbrünste. Möglicherweise müssen Blauhelmtruppen der UN bald unsere Innenstädte befrieden. Warum? Na, heute spielt Türkei gegen Deutschland im Halbfinale der EM. Nein, das allein hat nicht so ein Konfliktpotential. Aber! Heute ist in NRW letzter Schultag und Zeugnisvergabe. Da weiß man, dass Horden von frustrierten Jugendlichen, angefüllt mit einer explosiven Mischung aus teenage-angst und Alkohol, ohnehin schon durch die Fußgängerzonen marodieren. Nun werden die alle zu Public-Viewings gehen, sich eine extra Portion Frust, Alk und gewaltbereiten Nationalismus (in beiden Lagern!) abholen. Das überschreitet dann die kritische Masse. Eskalation. Massenpanik. Terror.
Viel Spaß dabei.
Wir lesen uns morgen wieder...

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Law and Order und Zero Tolerance auch!

Hab heute morgen im Radio (WDR2, Lokalnachrichten aus dem Studio Aachen um halb acht) gehört, dass hier in Aachen die Straßenverordnung verschärft werden soll... ich zitiere:

"Aachen: Straßenverordnung wird verschärft

Verschärfte Regeln für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auf Straßen und Plätzen in Aachen hat am Mittwochabend der Rat der Stadt beschlossen. Verboten sind künftig aggressives und organisiertes Betteln sowie die Teilnahme an Ansammlungen, von denen Störungen ausgehen. Viele junge Leute haben im Rat protestiert. Sie befürchten behördliche Willkür."

Na, das ist doch mal was. Im Radio sagten sie auch noch, das "Betteln unter Einsatz von Tieren" (also dürfen Obdachlose nun keine Hunde mehr haben?) auch verboten wird. Also, ich muss ja sagen, dass ist mal wieder so ein typischer Fall. Da wo die Leute die meisten Abneigungen gegen Ausländer haben, da gibt es am wenigsten davon (sprich: Ostdeutschland). Und in diesem Kuhkaff hier, wird so eine knallharte Verordnung erlassen. Weil, Aachen direkt in einem Atemzug mit South-Central LA und Pariser Banliö-Dingsbums und Kreuzberg zu nennen! Klar. Schwachsinn.
Kann mich jedenfalls nicht erinnern schon mal "aggressiv" angebettelt worden zu sein -- wär ja auch nicht sonderlich erfolgversprechend. Aber mit Bettlern und so haben es die Kommunalpolitiker nicht so, die kennen die nur ausm Fernsehen, vermutlich. Also, nicht das in NRW nun ein falsches Bild der Stadt entsteht: Aachen hat KEIN Sicherheits- und Ordnungsproblem! Zumindest nicht mit Bettlern und "Ansammlungen". Aber 3 Fahrräder sind mir geklaut worden -- warum steht davon nix in dieser fascho-mässigen Verordnung? Hä? Hä!
Am besten find ich "die Teilnahme an Ansammlungen, von denen Störungen ausgehen"--- ah so, ja klar, da haben die popligen Kommunalfutzis gedacht, sie könnten mal eben das Grundgesetz (Versammlungsfreiheit, jemand?!) ausser Kraft setzen oder was? Und was soll das überhaupt sein, eine "Ansammlung". Ekelhaft diese Formulierung! Klingt so ein bischen noch 1933 für meine Ohren. Und wer entscheidet, ob da Störungen ausgehen? Mich zum Beispiel stören die "Ansammlungen" von saufenden Senioren auf dem Weihnachtsmarkt (aber die sind gut für die Wirtschaft) und die "Ansammlungen" von überdimensionalen Geländewagen (aber die gehören den Lokalpolitikern) ziemlich... könnt man ja auch mal verbieten. Macht aber keiner. Stattdessen erlassen sie eine solche Iran-Sharia-Verordnung, weil ab und an ein paar Punks auf dem Marktplatz abhängen oder am Bahnhof mal jemand sein Bierchen "querfinanziert" kriegt. Demnächst richtet Aachen dann übrigens noch eine Gedankenpolizeiabteilung beim Ordnungsamt ein, und dann dürfen wir nur noch mit der Rot-Grünen-Ratsmehrheit "auf Linie" denken, oder was? Und da sieht man auch mal wieder -- was sich auf Bundesebene damals bestätigte (Rot-Grün... Angriffskriege und Hartz4... wir erinnern uns) zeigt sich auch auf Kommunalebene: was aus SPD und Grünen geworden ist, ist einfahc nicht mehr erträglich. Die sind so weit in die "Mitte der Gesellschaft" gerutscht, dass sie schon in den rechten Rand reinragen. Kann man nur mit dem Kopf schütteln und links von der SPD sein Kreuzchen machen... (aber das ist wieder ein anderes Thema --- welche Betäubungsmittel soll ich denn nehmen, damit ich Oskar Lafontaine ertrage??)
Nee, da packt mich der provinzielle Ekel, da krieg ich Lust mich mit einer "Ansammlung" zusammenzurotten und dem Rathaus mal zu zeigen, wie das aussieht wenn davon "Störungen ausgehen"... zum Beispiel mal ein paar Pflastersteine ausbuddeln und so... hehehe... oder brennenden Barrikaden (die Weihnachtsmarktbuden eignen sich hervorragend dafür!)... ihr wollt Großstadt? Ihr kriegt Großstadt!!
Aber mach ich ja nicht. Stattdessen ärger ich mich leise für mich, blogge brav vor mich hin, während die da draussen die Gesellschaft umbauen. Stück für Stück. Postmoderner Web2.0 Schwachfug! Alles Scheisse! Ausnahmslos alles.

Donnerstag, November 15, 2007

über Solidarität

So langsam ziehen die GdL Lokführer ihre Streikdaumenschrauben enger. Seit heute nacht bestreiken die alle Transportbereiche der Bahn -- und stellen damit die Solidarität der Bevölkerung auf eine harte Probe. Längst weggebrochen sind natürlich die Unterstützer aus Politik und großen Gewerkschaften, aber das war eh zu erwarten. SPD Funktionäre und gelbe Gewerkschaften, die mehr auf das profitable Anbiedern an die Großkonzerne aus sind, hat man ohnehin längst abgeschrieben.
Aber bisher hatte ich das Gefühl, dass die meisten Reisenden mit dem Streik der GdL solidarisch sind. Aus drei Gründen: Zum einen geht es gegen Mehdorn, dessen arrogante bornierte Art nun wirklich niemand mehr ertragen kann. Das der-Feind-meines-Feindes Prinzip. Und das Gehässigkeitsprinzip. Aber warum nicht, wir Pendler sind auch nur Menschen?
Im gleichen Zusammenhang ist die eigentlich breite Ablehnung des hirnrissigen Börsengangs der Bahn AG zu sehen. Der zweite Solidaritätsgrund. Eigentlich ahnen alle, dass der Notverkehr im Streik und das Chaos auf den Straßen dank verminderten Nahverkehrs nur ein Vorgeschmack auf das ist, was uns erwartet, wenn Mehdorn und seine Phalanx aus der SPD-CDU-Konzernchefs-Clique die Bahn "endlich mal so richtig profitabel" machen. Dass die GdLer diesem Privatisierungswahnsinn ein paar Stöcke zwischen die Beine werfen, wird allerorten begrüßt wie ich bemerkt hab.
Zum dritten hab ich das Gefühl, dass die Menschen schon kapieren, dass die GdL da einen unpopulären aber wichtigen Kampf führt, den die breitärschigen gelben Gewerkschaften von IG Metall bis VerDi nicht mehr führen -- den Kampf um die wirtschaftliche Beteiligung der Menschen am Aufschwung und den enormen Gewinnen der Firmen nämlich. Seit Jahren, und das geht noch auf Kohl zurück, predigen uns die Politiker wir mögen die Fressen halten und unsere Gürtel enger schnallen. Nullrunde reiht sich an Nullrunde. Während alle Preise munter steigen, zusätzliche Belastungen wie private Rentenvorsorge und Studiengebühren aufgebrummt werden. Ohne Ausgleich. Bald ist nicht mehr genug Geld da, um sich einen Gürtel zum enger schnallen überhaupt noch leisten zu können. Und das alles, während eine Minderheit[1] Unmengen an Geld scheffelt und die Multis (man möge mir den 80er Jahre Kampfbegriff nachsehen) ihre steuerfreien Konton bis zum platzen füllen! Das ist die Situation in der die GdL, vielleicht (oder ganz sicher sogar) aus anderen Gründen, aber dennoch faktisch mal gehörig auf die Kacke haut. Das kann nur gut sein. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen, solidarisch sein, und überall in allen Bereichen wieder eine Gerechtigkeit fordern, die sozialen Frieden erst ermöglicht. Wenn man dann noch wagt einen Schritt weiter zu gehen als die GdL, zum Beispiel statt reiner Lohnerhöhung auch mal die Schaffung von mehr neuen Stellen (=mehr Kollegen = weniger Druck = bessere Arbeitsbedingungen) erstreikt... ja, vielleicht kriegt unsere Gesellschaft ja dann noch die Kurve, wer weiss?
Trotzdem wird die Solidarität auf eine harte Probe gestellt. Es ist eben für mich sehr ärgerlich, wenn ich nach einer Woche Sehnsucht nicht zu meiner Freundin fahren kann. Weil ich mir im Moment noch kein Auto leisten kann und auf die Bahn angewiesen bin. Das Problem, das dürfen wir nicht vergessen, ist aber nicht der Streik. Das Problem ist, das originäre Aufgaben staatlicher Grundversorgung[2] einfach niemals in privatwirtschaftliche Hände hätten fallen dürfen. Mit welchen Trick auch immer, der Coup ist fast gelungen, die Gesellschaft fast umgebaut, und zwar unbemerkt unter dem Arsch der Menschen weggeklaut. Ausser, wir wachen doch noch auf und lassen das nicht zu! Wenn man das nicht vergisst, und sich nicht von Spiegel und Springer-Presse einreden lässt wie scheisse die GdL doch sei, dann kann man vielleicht die Situation in einem etwas größeren Zusammenhang sehen und sich furchtbar über den Streik ärgern aber gleichzeitig mit dem Anliegen der GdL doch weiter solidarisch sein? Ich versuch das mal...


[1]: darüber muss ich mal irgendwann nachdenken... ist das Problem, dass die reiche Minderheit einfach dann doch zu groß ist, um ein Aufbegehren der ärmeren Mehrheit zu erzeugen? Oder sind es die jahrezehntelang eingeprügelten Versprechen von "du kannst es auch schaffen", die Verlockungen doch selber zur Minderheit zu gehören, die das Aufbegehren verhindern?
[2]: Energieversorgung, Gesundheitssystem und (Pharma)Forschung, Mobilität in jedem Lebensalter, Verteidigung und Sicherheit, Bildung... so viel isses ja gar nicht...

Mittwoch, Oktober 03, 2007

Nationalfeiertag

Heute ist der 3.10., der Tag der deutschen Einheit. Seit 1990 "unser" Nationalfeiertag. Es wird gefeiert, dass... ja was eigentlich? Was macht unser Land? Und warum bin ich als Einzelperson dem irgendwie zugehörig? Was ist das, ein Nationalgefühl? Wann gehört man "dazu"? Ich lebe direkt neben der Grenze zu Belgien und den Niederlanden, wenn das "Nationalgefühl" also etwas geographisches sein sollte, dann wäre ich wohl zu gleichen Teilen diesen Orten zugehörig. Aber das ist nicht so, es handelt sich also um meinen genauen Aufenthaltsort. Wenn ich aber verreise? Fühl ich mich plötzlich als Däne, wenn ich da bin? Nein, es wandert nicht mit, dieses angebliche Nationalgefühl. Vielleicht der Geburtsort entscheidend? Und wenn ich in einem anderen Land geboren worden wäre, z.B. im Urlaub meiner Eltern? Nee, trotzdem. Macht also irgendwie keinen Sinn, das örtlich zuzuordnen. Also politisch? Ist mein Pass entscheidend? Kann ja nicht sein, denn es gibt viele Leute mit deutschem Pass, die nicht mitspielen dürfen, die sich auch nicht als Mitspieler fühlen sollen. Wobei natürlich ohne Pass: alles noch viel schlimmer. Dann ist vermutlich gar kein Zugehörigkeitsgefühl mehr da. Ist also mehr eine Gefühlssache. Aber selber einfach so mal fühlen oder so, das geht nicht. Ah, vielleicht ist es das: man gehört dazu, wenn man dazugehört, weil die "anderen" einen dazugehören lassen. Klingt alles ziemlich hirnlos -- und das ist es auch, wie es mir scheint.
Also, wer sind die anderen? Wer ist der Staat? Ist das gut oder schlecht? Ein Staat schickt Menschen in den Tod. Verweigert ihnen die Einreise. Organisiert Kriege und Gewalt. Klar. Andererseits organisiert (oder, organisierte?) der Staat auch das öffentliche Leben und die sogenannte Ordnung. Er sorgt dafür, dass es Wasser und Strom gibt. Auch klar. Wobei ich natürlich immer wieder betone, dass es dafür keinen Staat sondern nur Mutualismus bräuchte. Egal. Also, dem Staat kann man irgendwie nicht mit diesen Maßstäben kommen. Der ist gut und schlecht zugleich. Und die "anderen Menschen"? Die zünden Asylbewerberheime an, kritzeln antisemitische Parolen auf jüdische Gemeindehäuser. Die saufen zuviel Bier und pöbeln dich im Zug an, weil sie auf dem Weg zu einem Fußballspiel sind. Oder sie streichen ihren Anzug glatt und entlassen 1000 Mitarbeiter. Klar. Andererseits malen die auch bezaubernde Bilder und retten Leben und lächeln einfach mal grundlos im Supermarkt. Oder sind so niedlich wie mein kleiner Neffe. Oder lieben mich so sehr wie meine Familie und meine Freundin. Auch klar. Schwierig, schwierig. Alles ist grau, hellgrau, dunkelgrau, bunt, gestreift, gepunktet. Fast nix ist ganz schwarz oder ganz weiss. Willkommen im 21. Jahrhundert.
Warum hab ich dann trotzdem so ein unterschwelliges Unwohlsein, wenn ich über unseren Staat nachdenke, der ja heute befeiert wird? Die negativen Punkte fallen mr wohl zu sehr ins Gewicht. Ich bin ein Querulant, der nur das Schlechte sieht? Der immer behauptet, die Anlagen und Mechanismen die zur "Endlösung" geführt haben sind in diesm Land immer noch da, immer noch aktiv. Und damit meine ich vielleicht nicht nur die offensichtlichen Pöbelglatzen. Naja, vielleicht mag ich es auch nicht, einfach so qua Geburt ohne meinen erklärten Willen "eingemeindet" worden zu sein. Ich hätte gerne meine Freiheit gehabt zu wählen. Ich bin ein Individualist, wie es scheint. In einem Rollenspielsetting von uns ("Infopunk") gab es GlobalID, eine Art international anerkannte Agentur, die "Pässe" an moderne Staatenlose vergeben hat, Drifter und Manager, Wissenschaftler und Abenteurer. Das würde mir gefallen. Andererseits kann man so nur leben, wenn die Kasse stimmt. Nicht sehr sozial, das ganze.
Jedenfalls: was da heute "alle" feiern, das kann ich nicht uneingeschränkt gut finden. Das Konzept gefällt mir nicht. Die Grundannahmen sind nicht akzeptabel. Menschen sollten nicht gezwungen werden einnander zu helfen -- sie sollten es freiwillig, wohl überlegt und aus freien Stücken tun oder es lieber lassen.
Dennoch will ich sagen, dass wir es (noch?) ziemlich gut haben hier. Noch bekommt man (etwas) soziale Hilfe, wenn man vom Schicksal gebeutelt wird. (Noch) wird man nicht "verschwunden" wenn man etwas regimekritisches loslässt, noch darf man in gewissen (enger werdenden Grenzen) Küssen wenn man will, anziehen was man will, sagen was man will. (Noch) gibt es ein relativ hohes Maß an Bildung, Freiheit, Gleichheit -- mehr zumindest als in Saudi-Arabien oder im Iran oder von mir aus auch in Somalia.
Oh. Das waren nun zufällig (?) drei Staaten, in denen der Islam stark ist. Heute ist übrigens auch Tag der offenen Moschee. Wikipedia sagt, "Seit 1997 veranstalten Moscheegemeinden in Deutschland den Tag der offenen Moschee und nehmen auf diese Weise an der Feier der Deutschen Einheit teil." Auf diese Weise? Naja, so richtig dazugehören wollen die wohl doch nicht. Weil die anderen Gemeinden und Vereine hier, die Dackelzüchter und von mir aus die Schachclubs -- die hängen sich ja auch nicht an den Tag ran, indem sie ihn auch zu ihrem Tag erklären. Da wird stillschweigend davon ausgegangen, dass die gleich subsummiert unter "alle" und "Einheit" mitfeiern. Nicht so die muslimischen Gemeinden. Klar, ich versteh die Idee... wir sind zugänglich, kommt schaut euch die Moschee an. Aber ich weiss nicht, ich hab in den letzten Jahren eine Meinung zum Islam bekommen, die mein Grundverständnis von "jeder soll machen was er will" stark angreift. Ich beginne mich zu fragen, ob ich vielleicht Vorurteile hab? Aber ich weiss nicht, der Islam scheint mir als Religion wie keine andere das Potential von Gewalttätigkeit, Hass und Intoleranz zu haben. Und ausserdem ist der "moderne Islam" weit mehr als eine Religion, es ist eine politische Bewegung. Und die steht, wie ich meine, für einen rollback sondergleichen, für den Inbegriff der politischen Antiemanzipation. Für das Antiindividuelle. Für die Antimoderne. Und diese Art anderen Menschen vorzuschreiben wie sie zu denken, leben, essen, furzen haben, dass sie ihr wunderschönes Haar unter Tüchern verstecken muss... das lehne ich entschieden ab. Klar, die christliche Religion etc macht das auch, oder hat es gemacht. Aber bei denen zeigt der Trend in Richtung Auflockerung, in Richtung Rückzug von der politischen Bühne. Und die Päpste planen nicht (mehr) ihre Schäfchen durch öffentliche Auspeitschung zur Räson zu bringen. Beim Islam nicht so. Da zeigt der Trend volle Möhre in Richtung Radikalisierung und Verschärfung.
Tag der deutschen Einheit. Tag der offenen Moschee. Ich weiss nicht, ihr begeistert mich alle nicht so recht. Ich hab anderes zu tun, glaub ich. Ich hab das Glück, dass ich meinen Halt nicht in einer "großen Gemeinschaft" suchen muss. Ich geh mir mal nen Kaffee machen, und dann ist auch schon fast wieder Donnerstag und der ganze faule Zauber ist vorüber.

Mittwoch, September 19, 2007

Futterpreise, Ebay, Bahn

Heute morgen, als ich mein Müsli in mich reinschaufelte, kam im Radio eine Sendung über die Preiserhöhungen beim Essen. Bekanntlich mit der Begründung, die Energiepreise seien gestiegen, werden viele Produkte teurer. Erstaunlich, in welchen Produkten alles Erdöl enthalten ist. Hehe. Naja, und in den Produkten, die anscheinend wenig Energie kosten bei der Produktion (z.B. Milch), da sind es die bösen Chinesen (die sind es ja immer, neuerdings) die durch ihren Kaufwahn die Preise hochtreiben. Böse Zungen behaupten, aber das würde ich ja nie tun, dass all diese Begründungen Mumpitz sind, und die Nahrungsmittelkonzerne, die großen Discounter etc, nun endlich mal mehr Kohle reinschaufeln wollen -- nachdem sie sich jahrelang wie bescheuert Preiskrieg geliefert haben. Naja, jedenfalls sagte die Interviewpartnerin des Radiomoderators, dass die Verbraucher halt bei gestiegen Preisen "vorsichtiger, umsichtiger" einkaufen sollten. Ha! Das ist ein Tipp. Und wenn das Brot unbezahlbar ist, dann soll das Prekariat halt Kuchen essen...

Ein kleines persönliches Ärgernis war ein EBay-Kauf von letztens. Ich brauchte Entspannung für meinen Lernstress, erwarb also das Golfspiel "Tiger Woods PGA 2004" -- originalverpackt und neu, von einem Privatverkäufer. Ich, brav ersteigert und sofort per Onlinebank bezahlt - nix gehört. Keine Antwort. Keine Mail von wegen, er hat verschickt. Dann traf das Ding ein, und zu meinem Ärger war in der originalverschweissten Verpackung eine CD zu wenig drin!! Geht das? Wusste der Verkäufer das irgendwie? Sollte ich an den Hersteller schreiben, und mir eine CD zusenden lassen? Verknirscht nahm ich eine "Sicherheitskopie" der fehlenden CD 2 von 3 , die ein "Bekannter von mir" aus den Tauschbörsen gesaugt hatte zur Hand um zu installieren. Grmpf. Da das Spiel eingeschweisst war und nun alles ok ist, hab ich den EBay-Verkäufer mal, gutmütig wie ich bin, positiv bewertet. Aber ein fader Beigeschmack bleibt. Und positiv für meine Blitzüberweisung bewertet hat er mich auch noch nich... :-(

Einen hab ich noch! Worüber man sich gerade auch schön ärgern kann, ist die Bahn. Diesmal kommen sie nicht zu spät oder so, oder pinseln hirnlose Raucherzonen (siehe meinen Post von vor ein paar Wochen) auf den Boden -- nein, sie wollen an die Börse. Und das geht so: man zwinge, besteche, nötige und quengel so lange herum, bis sich die Regierung, die das Volk vertritt, dem die Bahn und ihre Schienen EIGENTLICH gehören, weil es das ganze Zeug mit seinen Steuern bezahlt hat, einem krummen Deal zustimmt. Die Bahn AG minus des Schienennetzes geht zu 49% an die Börse, wird also an deppige Kleinanleger oder zackige Fondmanager vertickt. Das Schienennetz bleibt im Besitz des Bundes, wird aber zu 100% und ausschliesslich anderer Anbieter der Bahn AG (nun Kleinanleger+Fondmanager) überlassen. Das heisst: geschenkt. Für das "ausschliesslich anderer" sorgt die Bahn mit tollen exklusiven Verträgen. Ergebnis ist, dass das ganze Konstrukt nicht nur erheblich unter Wert verscherbelt wird (ich hab Zahlen gehört, die sagen Wert >100 Mrd, Aktien aber nur für ca. 5 Mrd). Sondern die Bahn wird auch ein Unternehmen, dass nur noch seinen Aktionären und der Dividende Verpflichtungen gegenüber empfindet. Was das macht, sah man ja in England. Man munkelt, dass man dort die Privatisierung der Bahn wieder rückgängig gemacht hat. Knick knack, nudge, nudge --- fällt da irgendwas auf?
Das alles ist unglaublich empörend. Das ist ungefähr so, als wenn man als Spediteuer einen LKW-Fahrer einstellt, und der dann den LKW, der ihm gar nicht gehört, unter Wert weiterverkauft. Oder man engagiert einen Kurator für ein Museum, und der vertickt die Bilder von Rembrandt dann aufm Flomarkt. Oder bei Ebay, und dann fehlt ein Stück Rahmen. Grrrrrrrrrrr. Ich bin nun wirklich kein staatshöriger Stalinist oä, aber es gibt SCHLÜSSELBEREICHE des öffentlichen Lebens, die gehören nicht in private Hand. Wenn wir uns schon einen Staat leisten. Weil diese Bereiche eben nur schlechter werden in der Ausführung ihrer allgemeinverantwortlichen Aufgaben, wenn sie "marktwirtschaftlich" geführt werden. Ich rede von öffentlichen Verkehr*, aber auch von Energieversorgung, Gesundheitssystem, Herstellung und Erforschung von Pharmazeutika, Sicherheit, Verwaltung. Das sind 6 Bereiche. Das wird man einem Staat doch zumuten können?! Und, ich meine wir haben 2007, das 21. Jhd -- wer glaubt denn heute wirklich noch, dass der ach so mystische freie Markt ach so toll alles besser macht?? Das ist so 1980er, das ist ja schon fast anachronistisch. Was hat uns der freie Wettbewerb der kapitalistischen Systeme denn gebracht? Weltkriege, Klimakatastrophe, polititsche Unruhe überall! So blind kann man doch nicht sein, dass zu übersehen? Ich bin ja gar nicht gegen freien Handel zwischen freien Individuen im Bereich von Waren, Diensleistungen etc. Wir leben nicht mehr nackt im Wald und das Hightech-Utopia ala StarTrek oder Banks' Culture haben wir auch noch nicht. Also, ok, ein wenig Handel lässt sich wohl nicht vermeiden. Aber dieser Murks, der da im Moment abgeht... nein danke...

*: jaja, dann hört man immer das lahme Argument, dass die faulen Beamten etc ja nix tun, wenn sie sich auf Staatskosten ausruhen. Aber, bitte, das muss doch nicht so sein! Das ist ein Argument, dass Fortschritt und Innovation ausklammert, nur weil sie nicht auf freiem Markt beruht. Warum kann nicht auch ein Staatsbetrieb pfiffig und fortschrittlich sein, können die Mitarbeitet durch Mitbestimmung und Verantwortung nicht auch motiviert werden?

Uffz, das war ja alles sehr konsistent und kongruent, jaja, hüstel hüstel... aber das musste raus. Nun kann ich weiterlernen.

Dienstag, August 07, 2007

schon wieder Lukas der Lokomotivführer

Also, es geht in die zweite Runde. Etwas schleppend, aber vermutlich sind Manager, Funktionäre und dergleichen für ein paar Wochen im Urlaub abgetaucht gewesen. Nun haben sie urabgestimmt und sich geweigert und geknöttert was das Zeug hält. Und, ab Donnerstag gibt es Streik im Güterverkehr (aktuelle news, hier vom "Feind" im Arbeitskampf). Irgendwie will sich mir das nicht mit den gerichtlichen Gerüchten zusammengehen ... ich ab aber auch echt keine Lust mir die arsch-langen Artikel über diese nervige Thema durchzulesen. Immerhin hab ich Urlaub. Jedenfalls erstmal kein Streik, wie es scheint. Das ist für mich gut. Derzeit bin ich noch bei meiner Freundin in Wuppertal im Urlaub ... und wollte erst morgen heimfahren. Erste Befürchtungen ich wäre hier gestrandet (gottchen, es gäbe schlimmeres) treten also nicht ein. ABER: ich will doch Donnerstag mit meinen Kumpels auf den alljährlichen Hollandtrip. Da stehen alle Zeichen im wahrsten Sinne des Wortes auf Sturm. Streik am Donnerstag (natürlich streikt nicht der Personenverkehr, aber wenn ein Güterzug im Weg ist??) und Regen und kalt. Wäh!

Dienstag, Juli 17, 2007

FNORD Atomangst FNORD

Also, ich bin ja schon alt. Daher kann ich mich, wenn auch zugegeben dunkel, an die mittleren und ausgehenden 80er Jahre durchaus erinnern. Da gab es noch die sogenannten "atomare Bedrohung". Klar, die Abrüstung war schon in vollem Gange (aber START usw kam erst in den 90ern) und der "neue" im Kreml (der ulkige Gorbi) war sicherlich der vernünftigst post-WWII-Politiker in diesem ganzen Spiel auf beiden Seiten des sogenannten Eisernen Vorhangs.
Naja, jedenfalls, ich mein mich durchaus erinnern zu können, dass das Wort "Atomkrieg" dieses spezielle Klingeln in mir erzeugt, wegen dieser prägenden Eindrücke. Mehr vielleicht als bei "heutigen" Kindern. Also auch "Atom" an sich, es gibt und gab eine klare Angst vor nuklearen Katastrophen. Und dann natürlich Tschernobyl. Das hat was hinterlassen. Kann mich schon noch dunkel erinnern, dass ich mal ne Zeit lang nicht auf den Spielplatz durfte und irgendwie hat sich bei mir "Pilze=Radioaktivität" auch ziemlich eingebrannt.
Und nun? Da gibt es diesen Kapitalismus. Und der ist sehr, sehr dumm, jetzt mal als System gesprochen. Der will nämlich auch da noch sparen und reduzieren und "optimieren" (das bedeutet auch Sparen) wo ein kleiner Fehler mal ganze Landstriche auslöschen kann. So zum Beispiel bei dem Konzern Vattenfall, dem einige nukleare Kraftwerke in Deutschland gehören, welche sagen wir mal, ein etwas spezielles Sicherheitskonzept haben. Es gab eine Reihe von Störfällen, die sagen wir mal ganz boshaft, vertuscht werden sollten. Naaaaaaaaatürlich ist der Konzern (siehe konzerneigene Webseite) total auf Sicherheit bedacht und so. Aber so ist nun mal der Kapitalismus -- wenn so ein Aufsichtsrat zwischen "20 Millionen Euro mehr Gewinn jetzt sofort einstreichen" und "20 Millionen potentiellen Strahlentoten in der Zukunft verhindern" entscheiden sollen, dann wählen die ganz in der Natur ihrer Funktion liegend, natürlich das Geld. Basta. So funktioniert Kapitalismus, da kann man nix dran regulieren oder kontrollieren, der Markt als solches ist dumm und rücksichtslos.
Und wenn dann, mit diesem Wissen im Hinterkopf, auch noch Meldungen reinflattern von wegen in Japan (auch so ein kapitalistisches Land aus der Achse der Blöden) kippen neuerdings Fässer mit radioaktivem Wasser einfach um wenn die Erde bebt... schwupp ist die Atomangst wieder da. Na super.
Glücklicherweise gibt es ja immer noch die Nazis. Die Sorgen für ein angenehm proximales Aufregepotential. Zum Beispiel wenn sie "drüben" am Strand mit Maschinenpistolen rumballern. Wie dumm kann man sein? Ich kann es schon wieder hören: "Ach die jungen Leute, die habens nichts so gemeint. Wir haben hier kein Problem mit Rechtsextremismus, nein nein nein". Muss man dem vernazten Osten fast schon dankbar sein für, lenkt so nett von der nuklearen Apokalypse ab...

Samstag, Juni 09, 2007

Polizeieinsatz in Wuppertal

Mehr Politik. Es nimmt kein Ende. Diesmal sah ich auf einer Shoppingtour in Wuppertal einen Haufen Polizisten in Riot-Outfit und mit Schild und Knüttel in der Hand durch die total vollgestopfte Fußgängerzone rennen. Ein ziemlich unwirkliches Bild. Mir war wohl schon aufgefallen, dass eine höhere Anzahl Punks als sonst in Elberfeld herumhing. Ich dachte es liegt am guten Wetter. Aber die rasche Befragung eines "Passanten" ergab: 25 Jahre Chaos-Tage werden gefeiert! Na, das ist ein Jubiläum. Silberhochzeit, quasi. Und eine kurze Googlung ergab auch die richtige Webseite: hier die Infos.
Der lustige Passant gab auch an, dass die Polizei völlig gestresst weil personell unterbesetzt sei. Alle Hundertschaften seien noch in Heiligendamm. Naja.
Grund für die Hektik der Robo's waren wohl ausgegrabene Pflastersteine, was stimmt, ich hab die Löcher gesehen. Aber die anwesenden Herren und Damen in Bunt wirkten alles andere als gewalttätig, friedlich saß man herum, war den konsumierenden Massen ein klein wenig im Weg (das tut denen gut!) und fröhnte dem Bier und dem Anachronismus des Punk. Die Pflastersteine waren sicher nur als Andenken an einen schönen Tag gedacht. Hey ho! Kein Grund wild zu werden von Seiten der Polizei. Aber die waren vielleicht auch noch unter dem Einfluss der Presse-Propaganda und haben wilde Ausschreitungen wie in Rostock oder so befürchtet...

Freitag, Juni 08, 2007

und nochmal G8

Der Gipfel neigt sich dem Ende. Die Herren und Damen Staatsmänner verhandeln fleissig (hoffentlich) und kommen tatsächlich zu gewissen Ergebnissen. Ob die nun gut oder schlecht sind, dass muss sich zeigen.
Gestern wollte ich ein wenig die internationale Presse im Internet forsten, aber irgendwie muss ich am Montag einen Vortrag halten und ich hab wenig Zeit für ausführlich Recherche. Daher nur ein paar Artikel.
Die meisten internationalen Zeitungen berichten nunmehr über den Gipfel per se, über die politische Inhalte. Das Putin Bush mit einem Vorschlag für einen gemeinsamen Raketenschild überraschte (ob positiv, sei dahingestellt) wird fas überall berichtet. Das interessiert die Amerikaner natürlich am meisten. Aber auch eine Einigung über das Klima wurde geschlossen, wenn auch Bush sich weigert irgendwelche "Konkretismen" (hehe) von sich zu geben und das ganze irgendwie doch nach ersten baby-steps aussieht. With strings attached, findet eine online-Zeitung aus Südafrika.
Die Proteste stehen im In- und Ausland nicht mehr so im Vordergrund. Bei einer wilden Verfolgungsjagd auf dem Wasser ging es ein paar GreenPeace Aktivisten an den Kragen. Naja, leidlich aufregend. Dabei wären es gerade nun die erfolgsmässig spektakulären Nachrichten gewesen -- die "Protestbewegung" hat nämlich den Sicherheitsplan der Polizei mal 100% ausgeknockt, es wurden massenhaft Zufahrtsstraßen besetzt und auch direkt am Zaun, in der Sicherheitszone quasi, war die überforderte Polizei den überlegenen Demonstranten nicht gewachsen. Das war mächtiger Protest! Besser als Commander Stardust in seinem Taktik Kassiber auf jungewelt.org kann man es nicht sagen: "Wenn es eine Botschaft gibt, die aus der G-8-Blockade in alle Teile der besseren Welt getragen gehört, dann ist es Organisation, Organisation, Organisation: die exzellente Organisation freier Menschen! Man mag sagen: Wir waren die letzten Jahre derartig planlos, daß wir alle gezwungen waren, selbständig agierende Menschen mit einem eigenen Plan zu werden. In Heiligendamm hatten wir einen Masterplan aus einer Myriade kleinerer Pläne und haben damit zu jedem Zeitpunkt die taktische Initiative in der Hand behalten.
Der weltweiten Bewegung der Gegenglobalisierung schenken die Bilder aus Heiligendamm eine Erkenntnis wieder, die uns die brutale Zerschlagung der Proteste in Genua und der Sicherheitsterror nach dem 11. September 2001 für Jahre geraubt hatten: We Are Winning, don't you know?"

Mittwoch, Juni 06, 2007

Gipfel Update

Heute beginnt der eigentliche G8 Gipfel in Heiligendamm. Schorsch Busch und die anderen Staatschefs sind eingetroffen. Im Fernsehen sah der US Präsident aus, als hätte er mächtig einen gekippt oder schwere Medikamente eingeworfen, als er aus dem Flieger stieg. Seine Frau hat ihn am Arm auf den richtigen Kurs gebracht. Natürlich weiss ich, dass Georgel eigentlich Abstinenzler geworden ist. Vielleicht war er einfach nur müde.
Medientechnisch bin ich auf lesen von indymedia und anderen Medien (jungewelt online mit ganz guten Artikeln z.B.) umgeschwenkt. Ich konnte einfach die lächerlich auffällige Propaganda und Stimmungsmache auf Spiegel-Online nicht mehr ertragen. All diese immer gleichen Filmchen und armseligen Kommentare (z.B. der unsägliche Artikel, in denen die "Waffen der Demonstranten" vorgestellt werden) war zu nervig. Irgendwie hat der Spiegel online aber auch noch jedes Klischee aufgegriffen, noch jede Sensationsheischerei ausgelebt. Und ausserdem tun sie genau das, was ich vermutet habe -- sie positionieren stets die "Randale" vom 2.6. zu jeder Meldung über Demonstrationen und Kritik. Der Effekt ist klar.
Insgesamt klingt es in unvoreingenommenen Medien, als ob die Proteste friedlicher geworden wären. Das liegt vermutlich zum Teil an einem "hups-was-haben-wir-getan" Gefühl und an der deutlicheren Distanzierung der "gewaltfreien" Demos vom Krawall-Part der Bewegung (Spaltung, jemand?). Aber sicher auch daran, dass die Repression durch die Polizei zu greifen begonnen hat. Nahezu alle Veranstaltungen wurden scheinbar verboten, viele (gezielte und wahrlose) Verhaftungen haben eingeschüchtert und verwirrt. Die Polizei jedenfalls fährt ihren Gewalt-, Desinformations- und Einschüchterungskurs anscheinend volle Möhre weiter. Keine Spur von Distanzierung jedenfalls bei denen.
Ich hab gestern viel über die Rebel Clowns Army gelesen. Die waren sogar kurz im Fernsehen zu sehen und auf indymedia sind sie die Stars. Das ist aber auch cool. Ich hab Bilder gesehen, zum Schlapplachen -- Clowns die Bullen nachäffen und so. Mit Hilfe der Clowns, bei denen die Polizei wohl aus der Kindheit noch eine Schlagehemmung hat, konnte wohl auch Polizeiabsperrungen "durchclownt" werden und so. Das ist Renitenz gepaart mit einer angenehmen nicht-machismo Einstellung, und zudem effektiv. Haben so ein wenig was von der "legion of dynamic discord" oder so. Ein Hoch jedenfalls auf die rebellischen Clowns. Natürlich hat der Spiegel sofort gesehen dass die was können und ist, ganz in seiner Rolle als Desinformationsorgan voll auf die Story abgefahren, dass Clowns angeblich Chemikalien versprüht haben. War wohl Seifenblasenflüssigkeit. Ui, wie das brennt in den Augen, auaua, das ist mir als Kind auch mal passiert... ich kann wie bereits gesagt über den Spiegel nur den Kopf schütteln.
Na, jedenfalls bin ich gespannt wie es weitergeht. Heute Einzelgespräche zwischen Merkel (die ist ja immerhin sowas wie die Gastgeberin) und verschiedenen Staatschefs. Und ausserdem kommt noch Sternmarsch (verboten), Straßenblockaden (natürlich verboten) und alles. Und der Gegengipfel natürlich. Bleibt abzuwarten, ob es so friedlich bleibt wie in den vergangenen Tagen, und ob die Inhalte der (die gibt es, ja!) der Proteste auch mal gesehen werden.
Für morgen/übermorgen plane ich mal eine "internationale Presseschau" hier im Blog, mal sehen was das Ausland so von dem Gipfel und dem Heiopei aussenherum hält...

Montag, Juni 04, 2007

krawall-o-mat

Am Wochenende hat die Protestwoche gegen den G8-Gipfel in Rostock begonnen. Und zwar mit einer wohl ziemlich großen Demonstration und anschliessendem Fest. Bei Demo und Fest zeigte sich, dass es eine ordentliche Mehrheit von Menschen "links der Mitte" gibt, die gegen das sind, was der G8 Gipfel symbolisiert. So diffus das sein mag. Das zumindest der Wille besteht, sich nicht auf dem Aufschwung auszuruhen und mit dem fetten Arsch auf der Couch Geld einzustreichen, während anderswo die Menschen verhungern oder an Banalitäten wie dreckigem Wasser zu Grunde gehen. Das ist schön zu wissen.
Aber das war nicht das, was in den Medien "rechts der Mitte" (angefangen mit Spiegel-Online etc) berichtet wurde. Hier stand im Vordergrund, was ich als Schauspiel bezeichnen würde, vielleicht inszeniert, definitiv irgendwie von allen gewollt. Randale. Straßenschlachten Krawall. Na, man kann sich vermutlich stundenlang in Verschwörungstheorien von V-Mann-artigen Provokateuren und so ergehen, aber ist auch egal wie es letztlich angefangen hat. Ein Polizeiwagen stand blöd und da war er wohl der Anlass für dass, was eh alle wollten. Was sie dem schneidigen Blondschopf am Steuer wohl zahlen mussten, dass er sich genau da mit dem Streifenwagen aufgebaut hat? Ob er die Skatrunde seiner Einheit verloren hat? Oder ne Wette? Was folgte, war jedenfalls gut für spektakuläre und teilweise erschreckende Bildsequenzen. Für deutsche Verhältnisse ging es echt mal richtig zur Sache. Steinhagel. Barrikaden. Feuer. Richtig Dresche für alle und jeden. Für Bullen in Grün und Schwarz, für die Blackblockler, für den einen oder anderen angesäuselten Punk, für Bauer Klaus der mit der evangelischen Friedensgruppe aus Klausthal-Zellerfeld unterwegs war vielleicht auch. Richtig amtliches Chaos, so wurde es jedenfalls dargestellt.
Aber so sicher bin ich da nicht, so unkontrolliert schien das alles nicht. Und an den Videobildern die man so zu sehen kriegt kann man sehen wie viel Angst die Polizei plötzlich hatte angesichts von Menschen, die dem Gewaltmonopol des Staats ihre ganz eigene Interpretation von Kartellverfahren angehängt haben. Robocop Bullen die Fäusten und Füßen und Pfefferspray und Knüppel wie im Blutrausch um sich geschwungen haben -- klarer Ausdruck von Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Ich find die Länge und Intensität der Auseinandersetzungen deutet an, dass die sogenannten Randalierer (aka schwarzer Block aka Autonome) ziemlich in Form waren, sehr tapfer und renitent bis dort hinaus. Das ringt mir, bei allem theoretischen Geplänkel und der berechtigten Kritik, die bei so einer "Aktionsform des Widerstand" auf jeden Fall angebracht ist, eine Menge Respekt und Anerkennung ab. Wer noch einen so hohen Organisationsgrad quasi im Fadenkreuz von Räumpanzer und Wasserwerfer bewahrt, vor dem zieh ich meine Kappe. Sorry Bauer Klaus, bad time wrong place.
Die hohe Zahl der gemeldeten Verletzungen bei den Polizisten zeigt, wie heftig es zur Sache ging. Und wendet man die gleichen Maßstäbe für "Verletzung" an, kann man bestimmt von der 10fachen Menge an verletzten Demonstranten ausgehen, würd ich schätzen. Immerhin sind die Polizisten ziemlich ordentlich gepanzert, und so ein durchschnittlicher blackblockler hat ja nur seine Kapuzenjacke, oder? Und in Polizeivorschrift 102397235 wird bestimmt schon festgelegt, dass ein blauer Fleck ("der war heute morgen unter der Dusche aber noch nicht!") als Verletzung gilt.
Naja. Ich vermute mal dass nun wieder Versuche geben wird die "Bewegung" an der Gewaltfrage zu spalten. Das kann man nur ablehnen, das wär schade. Sicher kann man argumentieren, dass man mit diesem "Aufstand" allein keine Politik machen kann. Klar, in dem Angriff auf das Gewaltmonopol allein ist wenig Politik ausser dem Ausdruck des Mißtrauens gegenüber dem Staat als alleinige Handlungsmacht (oder überhaupt des staatlichen) enthalten. Grade davor haben viele "links der Mitte" Angst. Den Staat an sich per se ablehnen? Näää... Aber wenn man seine Globalisierungskritik (so diffus das nun wieder ist) nur ein paar mutige Schritte weiterdenkt, dann muss man doch gerade zu diesem Schluß kommen. Denn der ganze Schlamassel in dem wir, die Welt und überhaupt alle stecken, den haben Staaten eingebrockt. Lassen wir das mal so im Raum stehen.
Bei der ganzen G8-terei kann man sich allzuschnell auf dünnes Eis begeben. Da wird guter Wille der Meinungsäusserung schnell zu verkürzter, fehlgeleiteter Kritik, könnte man sagen. Andererseits ist es auch eine gute Zeit, einfach mal wieder -pauschal hin oder her- Kapitalismus und Staat so richtig nach herzenslust zu mistrauen. Den Gedanken zu wagen, dass es auch anders gehen kann. Das plötzlich doch ein Haufen Kids mit Steinen und Flaschen dutzende Hundertschaften aufgepumpter Polizisten mit Panzern und Wasserwerfern die Stirn bieten können. Nur so als Denkanstoß. Wieso trauen die sich soviel Widerstand zu, so viel Renitenz? Wo "wir Normalos" schon Angst haben bei Rot über die Ampel zu gehen??! Man muss ja nicht gleich Erna's Eckkneipe entglasen. Aber ein wenig mehr Widerstand und POLITISIERUNG täte der Gesellschaft im Ganzen gut. Dann müssten wir vielleicht auch nicht Merkel, Beck, Pofalla und die ganzen anderen Politzombies ertragen. Dann würden wir es vielleicht nicht hinnehmen, dass sie uns den ganzen Tag jeden Tag jede Woche jeden Monat weissmachen wollen wir sollten nur an uns denken und schön brav Karriere machen. Und den ganzen Quatsch, den die sonst noch so verzapfen. Hey, ho.

Freitag, Juni 01, 2007

Bush und das Klima

George Bush: Geschäftsmann, US-Präsident, Feldherr... und nun auch noch Umwelt-Fuzzie. Naja, zumindest fast. Kürzlich hat der Lieblingsfeind der nahezu ganzen Welt verlauten lassen, dass die USA nun doch (mit einigen anderen Nationen) das Klima retten will. Und zwar wollen die USA da die Führung übernehmen. Also quasi, Klimaschutz ist eigentlich schon immer die Idee der Vereinigten Staaten und ihres Präsidenten gewesen.
Abgesehen von dem Hohn ("ach, auf einmal!") ist das doch Ausdruck eines seit 2005 angelaufenen ziemlichen Politikwechsels. Bushs Administration erkennt damit an, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt und das man etwas tun muss. Durch tolle Energietechnologie (haben sie endlich den Reaktor aus dem UFO im Area51 verstanden?) die keine Treibhausgase ausstößt. Aber auch durch Einsparungen mittels alternativer Treibstoffe und Effizienzerhöhung und so.
Es ist nicht klar ob das vielleicht Verschleppungstaktik als "jaja, wir machen bestimmt was" oder so ist. Und die Art, sich unbedingt auch an die Spitze dieser "Bewegung" setzen zu müssen, ist auch nervig und so typisch Amerika. Wir machen halt nur mit, wenn WIR die Anführer sein dürfen. Ächz. Wie eine ganze Regierung unter einer Profilneurose leiden kann ist schon bemerkenswert.
Der Plan ist ausserdem weniger als das Kyoto-Protokoll, was die Menge der CO2 Reduktion angeht. Tja, es ist halt ein typischer Fall von selber das gerade eben so Erträgliche tun, bevor die anderen eine zwingen etwas zu tun, was man nicht mag. "Vorgegaukelte Offensive" sagt der Spiegel online. Und die taz hebt den Part hervor, in dem Bush konkreten Zielen eine Absage erteilt. Steckt da aber vielleicht auch drin, dass Bush und seine Administration wenigstens langsam anerkennen, dass ein gewisser globaler Druck besteht, das Klima zu retten - dem sich auch die USA nicht entziehen können? Weil sie doch Teil der Welt sind? Oder ist es der Druck der Bundesstaaten und der Demokraten im Inland. Ich hörte, viele Bundesstaaten (wie z.B. Kalifornien) sollen schon weiter sein was den Klimaschutz angeht?
Und natürlich, es ist auch ein PR-Coup, wie Spiegel Online titelt, immerhin steht der G8 Gipfel an, da kann es nicht schaden ein wenig netter zu erscheinen. Aber dass da vielleicht wenigstens das Verlangen besteht besser zu erscheinen, dass ist schon ein Hoffnungsschimmer.
Ich bin gaaanz milde optimistisch. Und hab ja eh keinen sonderlich ausgeprägte Anti-Amerikanismus, im Gegenteil. Wir werden sehen was beim G8 Gipfel herauskommt. Vielleicht nehmen Blair und Merkel den Bush so in die Mangel, dass er fortan nur noch an das Klima denken mag und so. Ähm. Vielleicht auch nicht. Man weiss es nicht.