Donnerstag, März 13, 2008

ARO Midwinter Meeting 2008, Phoenix, AZ

Phoenix Downtown (E Washington St, Blick nach Norden)

Phoenix bei Nacht, (E Fillmore St, Blick nach Westen)

Einer der Gründe warum ich in den Februarwochen so abgetaucht bin, war ein Aufenthalt in den USA. Genauer: ich hab eine Konferenz in Phoenix, Arizona besucht. Eigentlich hab ich ja darüber noch gar nix gepostet. Also, hier ein kurzer Bericht:
Nach einem schon hart an der Grenze zu unerträglich langen Flug (über Atlanta, der welt-nervigster Flughafen) kommt man in Phoenix an... und sieht schon bei der Landung, dass es eine "komische" Stadt ist. Kaum Hochhäuser, dafür ist das ganze Tal komplett besiedelt, und zwar mit sehr weitläufigen, staubigen Arealen zwischen schnurgerade Straßen. So stellt man sich Amerika vor. Aber eigentlich war es ganz nett da, es hatte 20°C (nicht viel weiter nördlich in der Gegend von Flagstaff, Grand Canyon etc lag noch ordentlich Schnee!) und es gibt Palmen und exotisch (wirkende) Vögel.
Eigentlich war ich nur zum arbeiten da, hab fleissig auf der Konferenz meine Arbeiten vorgestellt und ganz, ganz viel diskutiert. Aber natürlich geht man auch Essen und was trinken und so. Und das geht in Phoenix ganz gut, der "Copper Square" Bereich in Downtown Phoenix (hier gibt es das Conference Center und viele Hotels) bietet viele Restaurants und Bars und so. Und die bauen hier sogar eine Straßenbahn (es gibt sonst nur Busse als ÖPNV). Dort, im "Majerle`s" hab ich denn auch den leckersten Hamburger aller Zeiten gegessen. Solltet ihr mal in Phoenix vorbeischauen: geht da unbedingt mal was essen, der Laden ist cool. Da fand übrigens auch das ARO studen social statt (PostDocs wie ich dürfen da auch hin, hihi), wo man neben ganz annehmbaren Bier (teuer!) auch was snacken konnte. Aber die Burger, die sind wirklich das beste.
Zu diesem kulinarischen Thema möchte ich noch anfügen: der Dollar steht im Moment wirklich günstig. Wenn man nicht gerade (wie wir) Unmengen an Bier trinkt, dann kann man wirklich günstig leben in den USA im Moment. Hab zum Beispiel mittags immer irgendwas gegessen (Pizza; chinesisch etc) und mit 8 Dollar war man dabei, kann man nicht meckern.
Was fällt noch auf? Die Autos. Die sind immer noch echt krass. Ich kam mir vor wie ein Landei, dass zum ersten mal in der großen Stadt ist. Boah ey, also, ich glaub ich hab einmal einen Kleinwagen gesehen, aus der Ferne. Ansonsten nur Pickups, SUVs oder fette Limousinen mit röhrenden Motoren... tststs, ist halt doch der wilde Westen.
Was ich aber für einen Eindruck aus TV und Alltag bekam ist, dass die Amerikaner gerade beginnen so etwas wie eine enviromental awareness zu entwickeln... es gab recycling Mülleimer, bei Delta Air ist alles in Recyclingpapier verpackt, im Fernsehen wird bei der Autowerbung von "sparsam" (naja, 30 mpg = 7,8 l/100km auf der Autobahn sind nicht wirklich sparsam, oder?). Noch ist es nicht so 100% angelaufen -- aber ich glaub in ein paar Jahren sind die Amerikaner die weltbesten Umweltschützer vor dem Herrn. Wenn die was machen, dann halt "richtig" (bzw. penetrant nervig).
Nach nur 5 Tagen hab ich mich dann wieder auf die Heimreise gemacht. Anders als beim Hinflug (also, nach der Ankunft) war der jetlag bei der Rückkehr gar nicht schlimm. Aber in den ersten zwei Tagen in Phoenix, meine Herren, da war ich ziemlich durcheinander was meine Biorythmus anging... :-)
Eine coole Begegnung mit einem echte US-Cop hatten wir auch. Wir warteten artig an einer rot (eigentlich: orange Hand) zeigenden Fußgängerampel. An der Ecke stand auch ein Cop rum, weil da eine Baustelle war und der irgendwie den Verkehr geregelt hat oder so. Jedenfalls raunzte er uns von der Seite an: "Guys, if there`s no car coming, you can cross the street. I don't care."
Wie er das "I don't care" ausgespiehen hat... wir hätten fast vor lachen auf der Straße gelegen. Der hat bestimmt gedacht "gottverdammte, dämliche, Landeier..." :-)
Fazit: es war ganz nett für den Konferenzaufenthalt, aber wenn ich mal Urlaub in den USA machen will, dann nicht da, auch wenn es da leckere Burger gibt. Die Ostküste hat mir 100% besser gefallen.

Montag, März 10, 2008

Bizarr Bahn

Also, so langsam komm ich bei der Bahn und der GdL und überhaupt nicht mehr mit. Nach zähen Verhandlungen und Streiks kam eine Einigung. Dann war Ruhe, dann plötzlich wie aus heiterem Himmel wieder Streit und angedrohte totale Streiks. Und dann, an einem Sonntag, wieder eine Einigung und zwar für immer, wie die älteren Herren versprechen. Irgendwie eine ziemlich abgelutschte Dramaturgie -- so ungefähr wie bei einem Gruselfilm, wo kurz vorm Ende nach dem vermeindlichen Sieg der Bösewicht nochmal aufspringt um dann, als letztem comic relief des Zuschauers, mit einem einfachen letzten Hieb erledigt zu werden. Abspann, Vorhang.
Leider war die Bahn schon auf den großen Streik eingestellt und hatte einen Sonderfahrplan aus dem Hut gezaubert, der nicht mehr so schnell geändert werden könne. Daher heute morgen, auf meiner montäglichen Reise von W nach A, die große Frage -- wie komm ich bei ausfallender Linie RE4 am besten dahin. Mich schon auf nervige Alternativen einstellend (S-Bahn, Umsteigeaktionen etc) trudelte der Zug heute morgen dann sehr pünktlich und angenehm leer ein, fuhr fahrplanmässig weiter und alles war gut. Bis auf das bizarre Erlebnis, in jeden Bahnhof an der Strecke einzufahren, während gerade Durchsagen laufen, die da sagen: "RE4 Richtung Aachen, Abfahrt 8:13 Uhr, fällt heute leider aus!" usw... in jedem Bahnhof! Ich würde sagen, die haben nicht mehr wirklich mit dem Zug gerechnet. Aber irgendjemand muss doch die Weichen stellen und andere Züge anhalten etc. Warum hat diese Person der anderen Person, welche die Durchsagen macht, nicht mal gesteckt, dass der angeblich ausfallende RE4 gerade in den Bahnhof einläuft? Unerklärliche Dinge gehen vor, bei der Bahn. Es wird höchste Zeit für die Privatisierung... damit die ganzen inkompetenten Cretins einfacher entlassen werden können... :-)

Mittwoch, März 05, 2008

relaunch

Hui, ich war so lange hier nicht mehr aktiv, dass irgendwie schon Posts verloren gegangen sind... der Post mit den Vorsätzen 2008 (von Januar) war doch nicht der letzte, oder?
Naja.
Was ist zwischendurch passiert?
Ich war in den USA in Phoenix auf einer Konferenz, hab mit ein paar alten Kumpels eine Play-by-Skype Rollenspielrunde etabliert (immer Mittwochs, quasi), es wird gestreikt mal wieder, ich plane eifrig an meiner zukünftigen beruflichen Lage (ab 1/2009) und ansonsten pendel ich fleissig zwischen der Stadt wo ich wohne und arbeite und der Stadt wo meine Freundin wohnt und arbeitet hin und her.
Eigentlich ist nicht viel passiert.

Vor kurzem ist Gary Gygax gestorben, was sehr traurig ist. Es trifft also auch die Guten, die Interessanten... wenn man pessimistisch ist, dann könnte man sagen es trifft die Besten zuerst. Er hat immerhin ordentlich was hinterlassen und man wird seinen Namen sicher nicht vergessen.

So, wenn dieser Post hier tatsächlich auch gespeichert bleibt, dann hoffe ich mal wieder regelmässig posten zu können... wo es doch so viele Themen gibt (Streiks, Wahlen, etc) über die ich mich aufregen könnte... ;-)

Dienstag, Januar 08, 2008

Vorsätze 2008

Ahhh, endlich mal der erste Blogpost in 2008 hier. Aber ich war so beschäftigt mit dem Jahreswechsel. Und von A wie Auskatern, über G wie Gutscheine einlösen oder M wie MP3-Player einweihen bis hin zu Z wie Zeit mit meiner lieben Freundin verbringen, da blieb wirklich kein freier Moment übrig, um einen Eintrag im Blog zu machen.... ;-)

Also, wie vermutlich 1.2 Heptatrillioquarzilliarden von anderen Bloggern werden hier, auf dass sie in alle Ewigkeit vom allwissenden Müllhaufen Internet protobloggiert sind, meine guten Vorsätze für 2008 dargelegt. In erschreckender Offenheit. Brutalst mögliches Vorsetzen. Mit eisernem Besen einmassiert. Quasi mit Strumpf und Spiel ausgescherzt...
  • Motto:"ich krieg mein Fett weg"... ja, im Internet ist jeder schlank, aber in realiter hat das vergangene Jahr mit meiner gesundheitlichen Pechsträhne und meiner 99,9% sitzenden Promotionstätigkeit (nur unterbrochen durch wutentbranntes Aufspringen bei latex Problemen) doch seine Spuren hinterlassen... also, weniger und weniger fettiges Essen, weniger Bier (vor allem nicht mehr jeden Abend)
  • Motto:"mens sana in corpore sane"... ja, ich weiss, es klingt ein wenig nach preußischen Sekundärtugenden und so. Aber ich muss wieder mehr Sport treiben, am besten 3x die Woche. Hat mich innerlich schon immer aufgeräumter gemacht und man kann abends besser einschlafen
  • Motto:"die Nachbarn verstehen"... weil ich es schon immer wollte und mit einem Seitenblick auf den nächsten Punkt würd ich gerne dieses Jahr einen Sprachkurs Niederländisch machen
  • Motto:"mutig in die Zukunft schauen"... jajaja, nächstes Jahr um die Zeit bin ich woanders, das steht fest? Nur wo? Hab ich nun wirklich lang genug vor mir hergeschoben, da mal wirklich offen drüber nachzudenken. Das muss sich ändern!
  • Motto:"Ideen nicht brach liegen lassen"... im vergangen Jahr sind mir mindestens 3 Ideen in Richtung Roman/Story etc gekommen, die ich teilweise immer noch gut finde. Warum nicht mal statt abends hirnlos vor der Glotze zu hängen oder virtuelle Schurken abzuknallen ein paar Zeilen "zu Monitor" bringen?
So, ekelhaft das ganze, ich weiss.
In meiner abonnierten Wochenzeitung, der überaus unterhaltsamen "Jungle World" wurde im Editorial der letzten Ausgaben auch die Möglichkeit der "schlechten Vorsätze für 2008" erforscht... vielleicht in so einer Art rekursiver Selbsthypnoseversuch. Naja, so Dinge wie mehr Rauchen, die Freundin betrügen, weniger Bewegen, mal den Nachbarn anpöbeln und so. Hehehehe. Ob einen das mehr oder weniger weiterbringt als gute Vorsätze ist fraglich. So oder so, man weiss eh nicht was das neue Jahr bringt. Kommt Zeit, kommt Rat.

Freitag, Dezember 28, 2007

die Feiertage

...waren bisher ganz schön. Nach ruhigem Heiligabend mit Fondue nur zu zweit und anschliessendem Umtrunk mit meinen Freunden bis spät in den Morgen, folgten zwei Familienfeiertage -- erst bei der Familie meiner Freundin und dann am zweiten bei meiner Familie. Da war auch mal wieder mein kleiner Neffe. Weihnachten ist einfach am schönsten wenn man Kinder dabei hat. Dieser Auspack- und Anspielspaß ist einfach nicht zu überbieten.
Nun ist die berühmte Zeit zwischen den Jahren ... ich hab schon extreme-shopping betrieben und die ganzen Gutscheine und Geldgeschenke in neue Klamotten und Schuhe investiert. Ich bin so vernünftig geworden! Die verbliebenen Tage dröppeln so vor sich hin, mit Lesen und Ausgehen und Fernsehen. Ehe dann am 31. mal wieder Party ansteht -- mit Burgergrillen und Bier und Böllern, wie sich das gehört!
Ah, das beste ist, ich hab Urlaub. Kümmer mich mit keinem Gedanken um die Arbeit. Das ist Erholung pur.
In diesem Sinne. Bis nächstes Jahr!

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Law and Order und Zero Tolerance auch!

Hab heute morgen im Radio (WDR2, Lokalnachrichten aus dem Studio Aachen um halb acht) gehört, dass hier in Aachen die Straßenverordnung verschärft werden soll... ich zitiere:

"Aachen: Straßenverordnung wird verschärft

Verschärfte Regeln für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auf Straßen und Plätzen in Aachen hat am Mittwochabend der Rat der Stadt beschlossen. Verboten sind künftig aggressives und organisiertes Betteln sowie die Teilnahme an Ansammlungen, von denen Störungen ausgehen. Viele junge Leute haben im Rat protestiert. Sie befürchten behördliche Willkür."

Na, das ist doch mal was. Im Radio sagten sie auch noch, das "Betteln unter Einsatz von Tieren" (also dürfen Obdachlose nun keine Hunde mehr haben?) auch verboten wird. Also, ich muss ja sagen, dass ist mal wieder so ein typischer Fall. Da wo die Leute die meisten Abneigungen gegen Ausländer haben, da gibt es am wenigsten davon (sprich: Ostdeutschland). Und in diesem Kuhkaff hier, wird so eine knallharte Verordnung erlassen. Weil, Aachen direkt in einem Atemzug mit South-Central LA und Pariser Banliö-Dingsbums und Kreuzberg zu nennen! Klar. Schwachsinn.
Kann mich jedenfalls nicht erinnern schon mal "aggressiv" angebettelt worden zu sein -- wär ja auch nicht sonderlich erfolgversprechend. Aber mit Bettlern und so haben es die Kommunalpolitiker nicht so, die kennen die nur ausm Fernsehen, vermutlich. Also, nicht das in NRW nun ein falsches Bild der Stadt entsteht: Aachen hat KEIN Sicherheits- und Ordnungsproblem! Zumindest nicht mit Bettlern und "Ansammlungen". Aber 3 Fahrräder sind mir geklaut worden -- warum steht davon nix in dieser fascho-mässigen Verordnung? Hä? Hä!
Am besten find ich "die Teilnahme an Ansammlungen, von denen Störungen ausgehen"--- ah so, ja klar, da haben die popligen Kommunalfutzis gedacht, sie könnten mal eben das Grundgesetz (Versammlungsfreiheit, jemand?!) ausser Kraft setzen oder was? Und was soll das überhaupt sein, eine "Ansammlung". Ekelhaft diese Formulierung! Klingt so ein bischen noch 1933 für meine Ohren. Und wer entscheidet, ob da Störungen ausgehen? Mich zum Beispiel stören die "Ansammlungen" von saufenden Senioren auf dem Weihnachtsmarkt (aber die sind gut für die Wirtschaft) und die "Ansammlungen" von überdimensionalen Geländewagen (aber die gehören den Lokalpolitikern) ziemlich... könnt man ja auch mal verbieten. Macht aber keiner. Stattdessen erlassen sie eine solche Iran-Sharia-Verordnung, weil ab und an ein paar Punks auf dem Marktplatz abhängen oder am Bahnhof mal jemand sein Bierchen "querfinanziert" kriegt. Demnächst richtet Aachen dann übrigens noch eine Gedankenpolizeiabteilung beim Ordnungsamt ein, und dann dürfen wir nur noch mit der Rot-Grünen-Ratsmehrheit "auf Linie" denken, oder was? Und da sieht man auch mal wieder -- was sich auf Bundesebene damals bestätigte (Rot-Grün... Angriffskriege und Hartz4... wir erinnern uns) zeigt sich auch auf Kommunalebene: was aus SPD und Grünen geworden ist, ist einfahc nicht mehr erträglich. Die sind so weit in die "Mitte der Gesellschaft" gerutscht, dass sie schon in den rechten Rand reinragen. Kann man nur mit dem Kopf schütteln und links von der SPD sein Kreuzchen machen... (aber das ist wieder ein anderes Thema --- welche Betäubungsmittel soll ich denn nehmen, damit ich Oskar Lafontaine ertrage??)
Nee, da packt mich der provinzielle Ekel, da krieg ich Lust mich mit einer "Ansammlung" zusammenzurotten und dem Rathaus mal zu zeigen, wie das aussieht wenn davon "Störungen ausgehen"... zum Beispiel mal ein paar Pflastersteine ausbuddeln und so... hehehe... oder brennenden Barrikaden (die Weihnachtsmarktbuden eignen sich hervorragend dafür!)... ihr wollt Großstadt? Ihr kriegt Großstadt!!
Aber mach ich ja nicht. Stattdessen ärger ich mich leise für mich, blogge brav vor mich hin, während die da draussen die Gesellschaft umbauen. Stück für Stück. Postmoderner Web2.0 Schwachfug! Alles Scheisse! Ausnahmslos alles.

Freitag, Dezember 07, 2007

Sirenen

Die Sirenen heulen, während die letzten Ausläufer des nächtlichen Sturms Wolkenfetzen über den Himmel treiben. Vielleicht fallen gleich die Bomben. Wär nicht schade drum. Aber nein, im Radio sagen sie es ist nur ein Test. Alles wird gut.
Kaum geschlafen heute Nacht, der Sturm hat einen Bauzaun in meiner Straße umgeschmissen, und Mülltonnen und Müllsäcke, die man bei uns einfach auf die Straße stellt. Sah auch schon aus wie Ausnahmzustand, als ich aus dem Fenster sah. Und das Nachbarhaus hat eine Baugerüst mit Plastikplane derzeit -- die ganze Nacht flatterte und rappelte und schepperte das. Ich krieg meine Augen kaum auf, aber ich muss was tun.
Die Sirenen geben Entwarnung. War nur ein Test. Für den Ernstfall, vermutlich. Wenn sich doch alle alles wieder anders überlegen, ihre Atomraketen und Armeen ausschicken... nein... soweit es ersichtlich ist, wird das so bald nicht geschehen... aber man weiss ja nie, lieber mal Zwieback, Konservendosen und Wasserkanister im Keller bunkern...

Dienstag, Dezember 04, 2007

[ubuntu] man wird alt

Nicht nur ich werde alt, sondern auch mein System. Ich benutze "immer noch" die sehr schön stabile Version 6.06.1 LTS von (K)Ubuntu. Hier auf meinem Rechner in der Uni benutze ich zudem OpenOffice zusammen mit der Literaturverwaltung Bibus (für die kleinen schnellen Entfwürfe... größere Projekte werden mit Latex und Bibtex angegangen; jabref ist hier ein schönes Frontend für Bibtex). Nun gibt es heute eine automatische Aktualisierung über die Paketverwaltung von Bibus 1.3. auf Bibus 1.4... aber das klappt nicht. Denn? Dummerweise findet man das denn nicht so gut über die graphische Paketverwaltung Adept heraus. Die Kommandozeile ist mal wieder dein Freund -- sudo apt-get install bibus sagt, dass eine Abhängigkeit (das Paket python-central > 0.5.8) nicht aufgelöst werden kann. Das ist auch kein Wunder, denn das Paket python-central existiert nicht für Ubuntu 6.06 und kann auf "normalem Wege" (also über die Paketquellen von 6.06) auch nicht installiert werden. Naja, so langsam merkt man, dass man alt wird, könnte man meinen. Allerdings: wi haben Ende 2007, (K)Ubuntu 6.06 ist erst 1,5 Jahre da... hmm... ich kann aber nicht schimpfen, denn der Support für Ubuntu 6.06 kann ja nicht alle Paketquellen mitverwalten, und die Quellen von denen ich bibus bezogen hab, die haben halt nicht bedacht, dass es "oldies" wie mich gibt, die onch 6.06 benutzen.
Aber ich brauch das update auch nicht, bibus funktioniert prima.
Nur wurde da ein fehlendes Feature offenbar -- der Adept update Manager von Kubuntu rafft nicht, dass ich das Paket nicht aktualisieren will (held back), es wird immer eine Erinnerung angezeigt dass ein update verfügbar ist. Als Lösung blieb nur, die Paketquellen von denen ich bibus bezogen hab, aus der sources.list zu entfernen... es wäre aber doch viel schöner gewesen, in dem tollen graphischen Paketmanager Adept auf "zurückhalten" oder "einfrieren" zu klicken, und dann liesse er mich in Ruhe mit dem Paket. Vielleicht kommt das ja noch...

Montag, Dezember 03, 2007

alter Sack

Oha. Nun ist es passiert. Der grässlichste aller Geburtstage ist gelaufen. Es gab eine Party mit Cocktailbar und Buffet und ziemlich vielen Leuten. Ich hatte 34 Leute eingeladen, und es haben 21 abgesagt... aber glücklicherweise hat mein Mitbewohner auch gefeiert (der hat 4 Tage und 5 jahre vor mir das Licht der Welt erblinzelt) und einen ganzen Haufen saufender Chaoten und -innen eingeladen. So wurde es ziemlich unterhaltsam... ... bis es dann Mitternacht wurde, und der 2.12. dämmerte. Da wurde ich von meinen "sogenannten" Freunden von früher aufs brutalste genötigt an einem Spiel teilzunehmen, was vermutlich in einem Fiebertraum ihrer kranken Hirne entsprungen ist. Motto: der alte Sack. Nachdem ich einen halben Liter Bier exen musste, zwängten sie mich in Stützstrümpfe und Seniorenunterwäsche, liessen mich in diesem Outfit Limbo tanzen und bewarfen mich mit Pillen (also Smarties)... gottchen, hab ich gelacht... war so eine Mischung aus Selbstzerstörung und Junggesellenabschied-- obwohl soooooooo weit bin ich ja noch nicht.
Naja, schöne Geschenke hab ich auch bekommen, Gutscheine und Geld und skurile Fotobücher und Munchkin-Cthulhu und Zigarren und ein Lebkuchenhaus (ja, ich hab nun ein Haus!) und Badelatschen (für ausgiebigen bislang nur in Planung befindliche Saunagänge) und eine super DVD (The Fountain).... ein rundum gelungener Abend. Um 5 bin ich dann ins Bett gekrochen und, mit kurzen Unterbrechungen, den ganzen 2.12. da geblieben. Ein kleiner Vorgeschmack auf die sicher bevorstehende Bettlägrigkeit... :-)

Dienstag, November 27, 2007

Die Bahn... erzeugt Kopfschütteln

Vermutlich liegt es an dem Stress denn die Bahner wegen des Streiks und der Querelen mit der GdL und/oder Hr. Schell haben. Oder es liegt am Winter. Oder an der allgemeinen Inkompetenz. Jedenfalls war gestern abend und heute der Bahnverkehr rund um den Aachener Hauptbahnhof fast komplett gestört -- Grund sind Probleme mit den neu installierten elektronischen Stellwerken hier in der Region. Wobei diese Probleme scheinbar alles was irgendwie mit Computern zu tun hat mit heruntergerissen hat. Quasi Core Dump. Quasi Blue Screen of Death. Denn die Anzeigetafeln und Lautsprecherdurchsagen (!) taten es auch nicht mehr. Bei der Bahn (www.bahn.de) klingt das dann so:

"Im Großraum Aachen kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen des Zugverkehrs infolge der Inbetriebnahme eines neuen Stellwerks
(...)
Leider ist auch ein Großteil der Informationswege betroffen, sodass die Auskunfssysteme am Bahnsteig und im Internet den aktuellen Betriebsstand nur unzureichend darstellen. Auch die Informationen am Bahnsteig sind nur bedingt möglich.
Zur Zeit können wir noch keine Angabe zur ungefähren Dauer der Störung machen.
Wir bitten Sie herzlich um Entschuldigung."

Und wir bitten sie herzlich das Problem in den Griff zu kriegen!
Wir zahlen uns nämlich dusselig für unsere Fahrkarten, und sie ziehen da so einen Bockmist ab. Ist ja voll peinlich. An die Börse und so. Jaja. Vielleicht erstmal lernen wie man einen Computer installiert oder die Kabel verlegt, bevor man sich in den Dschungel des "freien Wettbewerbs" begibt. Erstmal das Handbuch lesen, bevor man sich "international kompetitiv aufstellt". Weil sonst bald Bahn pleite und wir nur noch zu Fuß.
Ach gottchen, ich muss mich dringend beeilen mit dem Gebrauchtwagenkauf...

Freitag, November 23, 2007

Platz schaffen

Musste mal ein wenig Platz schaffen in meinem Leben... dies bezieht sich vor allem auf Dinge, bei denen ich das Gefühl hab dass ich viel Energie einsetze, aber wenig "zurückkommt". Hab das online-Rollenspiel in meinem Forum geschlossen, weil es nur noch aus Warten und Lippenbekenntnissen der Mitspieler ("jaja, bald spiel ich wieder mit") bestand. Hab in meiner "echten" Rollenspielrunde angekündigt, dass ich nicht mehr den Spielleiter und Terminorganisator mimen will. Hab in meiner WG mal mehr oder weniger klare Worte gefunden dafür, was mich nervt und was ich erwarte (weil hier in den vergangenen Monaten eine deutliche und/oder gefühlte Schieflage des Einsatzes eingetreten ist). Irgendwie sind das so Sachen, die ich mal machen musste. Weil mich viele im Moment stresst und ich offensichtlich nicht mehr so ganz auf der Höhe bin was die mentale Belastbarkeit angeht. Könnte echt mal Urlaub gebrauchen, um die Akkus wieder aufzuladen. Nach meiner Promotion ist irgendwie alles ordentlich stressig geworden. Und mehr Verantwortung. Da muss ich erst mit klar kommen. Naja, so wie es aussieht werd ich Weihnachten bis Silvester mal ordentlich Pause machen. Da freu ich mich drauf.

Donnerstag, November 15, 2007

über Solidarität

So langsam ziehen die GdL Lokführer ihre Streikdaumenschrauben enger. Seit heute nacht bestreiken die alle Transportbereiche der Bahn -- und stellen damit die Solidarität der Bevölkerung auf eine harte Probe. Längst weggebrochen sind natürlich die Unterstützer aus Politik und großen Gewerkschaften, aber das war eh zu erwarten. SPD Funktionäre und gelbe Gewerkschaften, die mehr auf das profitable Anbiedern an die Großkonzerne aus sind, hat man ohnehin längst abgeschrieben.
Aber bisher hatte ich das Gefühl, dass die meisten Reisenden mit dem Streik der GdL solidarisch sind. Aus drei Gründen: Zum einen geht es gegen Mehdorn, dessen arrogante bornierte Art nun wirklich niemand mehr ertragen kann. Das der-Feind-meines-Feindes Prinzip. Und das Gehässigkeitsprinzip. Aber warum nicht, wir Pendler sind auch nur Menschen?
Im gleichen Zusammenhang ist die eigentlich breite Ablehnung des hirnrissigen Börsengangs der Bahn AG zu sehen. Der zweite Solidaritätsgrund. Eigentlich ahnen alle, dass der Notverkehr im Streik und das Chaos auf den Straßen dank verminderten Nahverkehrs nur ein Vorgeschmack auf das ist, was uns erwartet, wenn Mehdorn und seine Phalanx aus der SPD-CDU-Konzernchefs-Clique die Bahn "endlich mal so richtig profitabel" machen. Dass die GdLer diesem Privatisierungswahnsinn ein paar Stöcke zwischen die Beine werfen, wird allerorten begrüßt wie ich bemerkt hab.
Zum dritten hab ich das Gefühl, dass die Menschen schon kapieren, dass die GdL da einen unpopulären aber wichtigen Kampf führt, den die breitärschigen gelben Gewerkschaften von IG Metall bis VerDi nicht mehr führen -- den Kampf um die wirtschaftliche Beteiligung der Menschen am Aufschwung und den enormen Gewinnen der Firmen nämlich. Seit Jahren, und das geht noch auf Kohl zurück, predigen uns die Politiker wir mögen die Fressen halten und unsere Gürtel enger schnallen. Nullrunde reiht sich an Nullrunde. Während alle Preise munter steigen, zusätzliche Belastungen wie private Rentenvorsorge und Studiengebühren aufgebrummt werden. Ohne Ausgleich. Bald ist nicht mehr genug Geld da, um sich einen Gürtel zum enger schnallen überhaupt noch leisten zu können. Und das alles, während eine Minderheit[1] Unmengen an Geld scheffelt und die Multis (man möge mir den 80er Jahre Kampfbegriff nachsehen) ihre steuerfreien Konton bis zum platzen füllen! Das ist die Situation in der die GdL, vielleicht (oder ganz sicher sogar) aus anderen Gründen, aber dennoch faktisch mal gehörig auf die Kacke haut. Das kann nur gut sein. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen, solidarisch sein, und überall in allen Bereichen wieder eine Gerechtigkeit fordern, die sozialen Frieden erst ermöglicht. Wenn man dann noch wagt einen Schritt weiter zu gehen als die GdL, zum Beispiel statt reiner Lohnerhöhung auch mal die Schaffung von mehr neuen Stellen (=mehr Kollegen = weniger Druck = bessere Arbeitsbedingungen) erstreikt... ja, vielleicht kriegt unsere Gesellschaft ja dann noch die Kurve, wer weiss?
Trotzdem wird die Solidarität auf eine harte Probe gestellt. Es ist eben für mich sehr ärgerlich, wenn ich nach einer Woche Sehnsucht nicht zu meiner Freundin fahren kann. Weil ich mir im Moment noch kein Auto leisten kann und auf die Bahn angewiesen bin. Das Problem, das dürfen wir nicht vergessen, ist aber nicht der Streik. Das Problem ist, das originäre Aufgaben staatlicher Grundversorgung[2] einfach niemals in privatwirtschaftliche Hände hätten fallen dürfen. Mit welchen Trick auch immer, der Coup ist fast gelungen, die Gesellschaft fast umgebaut, und zwar unbemerkt unter dem Arsch der Menschen weggeklaut. Ausser, wir wachen doch noch auf und lassen das nicht zu! Wenn man das nicht vergisst, und sich nicht von Spiegel und Springer-Presse einreden lässt wie scheisse die GdL doch sei, dann kann man vielleicht die Situation in einem etwas größeren Zusammenhang sehen und sich furchtbar über den Streik ärgern aber gleichzeitig mit dem Anliegen der GdL doch weiter solidarisch sein? Ich versuch das mal...


[1]: darüber muss ich mal irgendwann nachdenken... ist das Problem, dass die reiche Minderheit einfach dann doch zu groß ist, um ein Aufbegehren der ärmeren Mehrheit zu erzeugen? Oder sind es die jahrezehntelang eingeprügelten Versprechen von "du kannst es auch schaffen", die Verlockungen doch selber zur Minderheit zu gehören, die das Aufbegehren verhindern?
[2]: Energieversorgung, Gesundheitssystem und (Pharma)Forschung, Mobilität in jedem Lebensalter, Verteidigung und Sicherheit, Bildung... so viel isses ja gar nicht...

Montag, November 12, 2007

Bahn und GdL endlich einig!

Bahn und GdL sind sich endlich einmal einig! Am Ende letzter Woche und ins Wochenende hinein Streik im Güterverkehr, im Westen des Landes zwei Drittel und im Osten über 90% der Güterzüge ausgefallen -- sagen sowohl Bahn als auch GdL. Na sehen sie, es geht doch. Man kann sich einig sein, auch als Gegner im Arbeitskampf...
Derweil bröckelt die Unterstützung der GdL dahin: IG Metall, SPD (in Form von Onkel Bräsig Beck) und der Bundes-(Geschlechts?)Verkehrsminister, alle bashen sie auf Lukas und seine streikenden Kollegas ein. Einzig und allein der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund Monty Montgomery, der am Wochenende auch abgelöst wurde, hat in einer Rede Solidarität bekundet. Klar. Ist ja auch eine ganz ähnliche Situation, bei den Lokkies und den Klinikärzten... "...wegen Störungen im Betriebsablauf verzögert sich ihre Herzoperation um wenige Minuten, wir bitten um ihr Verständnis..."

Ansonsten gibt es noch zu erzählen, dass hier "auffe Maloche" für die jährliche Weihnachtsfeier geplant wird. Gräh! Diesmal muss ich, als nun richtig angestellter Assistent, einen beträchtlichen Obulus für Getränke dazuzahlen! Da bleibt vom höheren Gehalt nix mehr übrig, quasi. Aus Trotz hab ich dann auf der Essens-Mitbringliste (ja, die gibt es auch noch!) auch gleich einen Scherz platziert. Ich behaupte da, ich würde "schlechte Laune", "vergiftete Frikadellen" und "Jakobsmuschelragout in der frisch ausgepulten Hirnschale noch zuckender Mangusten" mitbringe... hehehhe, es geht doch nix über einen pubertierenden Scherz, oder?

Dienstag, Oktober 30, 2007

touch of evil

Das schlimme an der heutigen Welt ist: es gibt ja schon alles. Und wenn es nicht exakt das gleiche schon gibt, dann so etwas Ähnliches, so dass selbst eine originelle Idee in den Verdacht gerät, bloß Plagiat zu sein. Ah, was für ein grässliches Wort. Kopie. Klau. Ripoff.
Warum erzähl ich das? Hab gestern, weil ich nach einem eecht nervigen typischen Montag einen Absacker zur Beruhigung brauchte, ein Cocktailrezept erfunden. Naja, "erfunden", auch das ist schon etwas hochgegriffen. Ich hatte folgenden Geistesblitz:

Name: touch of evil
4cl Vodka in mittelgr. Glas über Eiswürfel giessen,
mit Sprite auffüllen (ein wenig Platz lassen) und
einen Esslöffel voll Cointreau reinlaufen lassen.

Das isses schon. Natürlich ergab eine flüchtige Suche auf einschlägigen Webseiten, dass es solche Getränke schon in einigen Variationen gibt. Naja. C'est la internet. Mir hatter jedenfalls geschmeckt, ist angenehm süß und fizzig und haut auch ordentlich genug rein, um die Montagsgenervtheit wegzuspülen... :-)

Montag, Oktober 29, 2007

Jubiläum und Bahnreiseschnipsel

Huch, vorab erst einmal ein kleines Jubiläum... der letzte Post war der 150. seit ich den Blog hab. Das sind in den 15 Monaten seit Juli 2006 also im Durchschnitt 10 Posts pro Monat, also etwas weniger als einer alle drei Tage. Naja. Naja, es gibt aktivere Blogs... :-)
--
Nun zu einem Erlebnisschnipsel von meiner (mittlerweile ja fast üblichen) montagmorgigen Pendelreise zwischen dem Valley (Wuppertal) und Aachen. Da fährt der RE4, der ist zwischen Wuppertal und Düsseldorf immer ein Albtraum, was den Platz angeht, aber ansonsten ganz entspannt. Heute war aber glaub ich der Lokführer besoffen. Nein, nein, er ist nicht Schlangenlinien gefahren (hehe), aber die Ansagen, also, die waren etwas eigentümlich. Ich fand, der hat gelallt. Kein Problem, ich mein, manche Leute reden vielleicht so komisch. Auch wenn ständig für alkoholisiert gehalten werden, sicher nicht einfach ist. Man bedenke nur: "Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!" - "Gudn naben, Hörr Wachmeisser.." Da landet man schneller in der Zelle als man verdient hat. Also, was ich sagen will, ich hab nicht sofort gedacht der Lokkie ist besoffen. Aber dann hatte er gerade angesagt, dass "nächsser Halt... Rheydt Haubbannof, Aus-stieg in Fahrrischung linss" oder so ähnlich, da rülpst er doch tatsächlich in Mikro! Er RÜLPST durch die Anlage! Volle Lautstärke! Also, ich weiss ja nicht, wir als Bahnbenutzer werden ja schon genug gedemütigt. Gedrängel und Gestank und Gewackel und Streik und keine Gepäcknetze und pöbelnde Fussballfans und so... aber nun wird man auch noch angerülpst!! Ich find, er hätte wenigstens eine Entschuldigung hinterhernuscheln können...

Montag, Oktober 22, 2007

Gedicht der Woche

Blöd

Es liegt alles vor uns
das ganze Wissen
Erkenntnisse und
Millionen Gedanken
von Hunderttausend Menschen
gib nur mal "development" und "brain" in pubmed ein
wenn du den Wahnwitz sehen willst
101606 mal
in handliche Happen gehackt
zerstückelt und in Lösung gebracht
aufgedröselt und vermessen
ordentlich sortiert
in dutzendfacher Ausführung
wie OP Besteck
polierter Stahl auf sterilem Tuch
alles vorbereitet Herr Doktor
und erwartungsvolle Blicke
doch Antworten haben wir noch nicht
verstehen tun wir fast noch nichts
und so ganz sicher wie die Frage eigentlich lautet
sind wir uns auch nicht
vielleicht
fehlt uns noch ein entscheidender Hinweis
um das Rätsel zu lösen
oder die Sichtweise ist falsch.
Oder wir sind
einfach nur
zu blöd.

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Semesteranfang (ohne mich!)

Also, es kann sein dass es immer so ist, dann muss ich es in den vergangenen 3 Jahren wohl irgendwie verpasst haben. Es war Semesteranfang hier in Aachen. Da war anscheinend Party angesagt, und zwar in der ganzen Stadt. Gruppen, ja man möchte sich zu dem Wort "Zusammenrottungen" hinreissen lassen, von neu eingeschriebenen Studierenden (sogenannte "Gefährder") zogen marodierend und erheblich alkoholisiert durch die Straßen. Dabei wurde nicht nur großer Sachschaden angerichtet, auch die gesundheitlichen Folgen für diese, nun ja auch nicht mehr ganz jungen (kaum einer ist noch 18, die meisten gehen doch stark auf die 20 und damit auf den biologischen Zenit zu!), Menschen ist kaum abzuschätzen. Stimmbänder wurden durch anhaltendes Gegröle vermutlich dauerhaft geschädigt, Lebern und Bauchspeicheldrüsen zu dutzenden mit hochprozentigen Alkoholika verkrebst und, dabei sollte ihnen gerade der eingeschlagene Lebensweg da Vorsicht gebieten, Gehirnzellen in Kohortenstärke über den Jordan geschickt. Erschreckend.
Dabei muss man sich als ehemals Betroffener fragen: was haben die eigentlich zu feiern? Sie wurden verdonnert, und zwar ohne quantitativ nennenswerte Gegenwehr, zur Zahlung von Studiengebühren ab dem ersten Semester. Und, wie zum Hohn, werden diese Gelder vor ihren Nasen nun eifrig für die Verbesserung der Forschung und eben nicht der Lehre ausgegeben. Ausserdem sind die späteren Arbeitsmarktchancen für die jungen und fälschlicherweise optimistischen cand. dipl. ing.'s, cand.med.'s und cand.rer.nat.'s alles andere als gut! Nicht nur wird für jeden Job in einem beliebigen aufstrebenden Ex-Entwicklungsland ein günstiger zu entlohnender Ingenieur/Arzt/Physiker zu finden sein, nein, die anderen werden dank hier in Deutschland hingestümperter Reformen am Bildungssystem auch jünger und besser ausgebildet sein. Zudem, das nur als Bemerkung am Rande, sind die armen Gesellen und Gesellinnen in einer Stadt gelandet, die einem ganz ordentlich den Nerv rauben kann, mit militanten SUV-Fahrern, arroganten Blondinen, abruchreifen Wohnungen ("400€ sind doch billig") und immer viel zu vollen Kneipen. "Da an der Theke ist noch Platz... gewöhn dich schon mal dran."
Nein, mir ist schleierhaft was sie so eifrig feiern, in diesen Tagen. Aber vielleicht ist es die Demontage, die sie feiern. Die totale Entpolitisierung und Disqualifizierung der Hochschule. Vielleicht feiern sie, dass nun endlich freies Denken und Selbstentfaltung nicht mehr gefordert sind. Rasch, rasch, den Bachelor runterrattern und ab in die Verwertungsmaschine "freier Arbeitsmarkt". Und dann selber SUV fahren und blöde Mountainbiker fraggen. Ja, vielleicht ist es das...

Mittwoch, Oktober 10, 2007

Aufruhr

Aufruhr im "hier-wird-doch-nie-gestreikt"-Land... die Bahngewerkschaft macht langsam ernst. Ab morgen soll es Streiks geben, und zwar ganztätig. Und nun hat die Bahn AG wohl auch keinen Notfallplan mehr zur Hand (bzw, rechnet sich einen Imageschaden für die GdL aus, wenn sie, pun intended, mal so eine richtige Entgleisung inszeniert). Das bedeutet -- Komplettausfall des Nahverkehrs. Weil die verbliebenen Lokkis dann wohl den Fernverkehr schmeissen.
Naja, jedenfalls geht eine solche Angst im Land um, dass nun auch schon Enten aller Coleur in die Meldungen geraten. So hat, angeblich (wie WDR2 heute morgen im Radio berichtete) die Gewerkschaft heute Nacht einen Abschluss erzielt (12% und 700€)... aber auf Nachfrage behauptete die GdL, dass Hacker die Seite manipuliert hätte, der Abschluss sei nicht echt. Ach herrje, da muss eine solche Angst herrschen, dass man solche Sachen macht. Ohgottohgottohgott, ich könnte meinen Zug nicht kriegen, ich knack die Webseite! Was für Knallköppe es doch gibt da draussen. Kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Andererseits -- ich bin Freitag zum Essen in Wuppertal eingeladen... wie um alles in der Welt soll ich da hinkommen? Mit dem Thalys nach Köln, von da aus mit dem ICE? Preis vermutlich nur, moment ich überprüfe, 17,50€ nur! Das ist doch ein Angebot, da lässt man gern mal das Auto stehen... das ich nicht hab... grrrrrrrrrrrrr, ich verspüre einen unstillbaren Drang in mir, die Webseite der GdL zu hacken....
:-)

Freitag, Oktober 05, 2007

Go Lukas, go!

Streik bei der Bahn. Pünktlich zum Bahnstreik heute (nur von 8-11 Uhr!) ist es mir aber egal. Ich bin kein Promotionsstudent mehr, folglich nicht mehr eingeschrieben -- also ist mir das Bahnfahren ohne Semesterticket auch zu teuer zur Arbeit. Geh nun immer die 20min oder so zu Fuß statt die eine Station mit der Bahn zu fahren.
Also, der Bahnstreik. Nennen wir es doch lieber ein "Streiklein". Statt dass Lukas und seine Kollegas dem bösen Onkel Mehdorn und seiner "an-die-Börse-aber-zack-zack" Clique mal so richtig einzuheizen, streiken sie nur im Nahverkehr. Und das auch nur 3h lang. Ok, ein Gerichtsurteil ist schuld an ersterem. Das ist mal wieder so typisch deutsch, verbietet ein Gericht doch glatt... nein, gibt ein Gericht doch glatt vor, wie der Arbeitskampf auszusehen hat! Nur Nahverkehr bitte, und benehmt euch, sonst fliegt ihr raus! Nur jeder zweite eine Trillerpfeife! Und keine Luftballons vonner Gewerkschaft im Bahnhofgebäude, wegen der Sicherheit, klar oder?
Mann ey, Streik, hallo STREIK! das heisst nicht ohne Grund ArbeitsKAMPF! Das Gericht hilft ja auch nicht bei Stellenstreichungen und Börsenwahnsinn. Ach mensch, soviel also zum Todesurteil für die Gewerkschaftsbewegung, soviel zu "alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will". Nix starker Arm. Weich und kleinlaut. Wie wollen die so die hardcore-Einsparer um Mehdorn, die nur noch an die Aktionäre denken im Moment, zu einer ordentlichen Erhöhung bringen? Und ich finde, die Lokkis hätten das zusätzliche Geld verdient. Ich hab letztens gelesen, die realen Löhne (also quasi die Kaufkraft, die man im Tausch gegen die Arbeitskraft minus Wertschöpfung des Kapitalisten erhält) sind so niedrig wie nie in Deutschland. Ich merk das doch auch, teures Essen und so. Wollen wir wirklich einen überarbeiteten UND HUNGRIGEN Lokführer am Steuer von einem Gefahrgutgüterzug haben? Nein, ich denke nicht. Warum sollten nicht die Lokführer einen Modellstreit für andere Berufsgruppen führen, ala "Löhne rauf wie bei der Bahn für alle!"? Aber nein, stattdessen wird fleissig von allen Seiten entsolidarisiert was das Zeug hält. Scheissgewerkschaften, arbeiten doch auch nur noch den Konzernen zu...
Also, Lukas, hör zu: Streik ma so richtig, wah! Die Fahrgäste können schon damit leben für ein paar Tage. Und der Notfallfahrplan (nur noch 50% der Nahverkehrszüge etc) ist gut um sich schon mal an die Zustände bei der Bahn nach der Privatisierung zu gewöhnen, die bald eh auf uns zukommen... ;-)

Mittwoch, Oktober 03, 2007

Nationalfeiertag

Heute ist der 3.10., der Tag der deutschen Einheit. Seit 1990 "unser" Nationalfeiertag. Es wird gefeiert, dass... ja was eigentlich? Was macht unser Land? Und warum bin ich als Einzelperson dem irgendwie zugehörig? Was ist das, ein Nationalgefühl? Wann gehört man "dazu"? Ich lebe direkt neben der Grenze zu Belgien und den Niederlanden, wenn das "Nationalgefühl" also etwas geographisches sein sollte, dann wäre ich wohl zu gleichen Teilen diesen Orten zugehörig. Aber das ist nicht so, es handelt sich also um meinen genauen Aufenthaltsort. Wenn ich aber verreise? Fühl ich mich plötzlich als Däne, wenn ich da bin? Nein, es wandert nicht mit, dieses angebliche Nationalgefühl. Vielleicht der Geburtsort entscheidend? Und wenn ich in einem anderen Land geboren worden wäre, z.B. im Urlaub meiner Eltern? Nee, trotzdem. Macht also irgendwie keinen Sinn, das örtlich zuzuordnen. Also politisch? Ist mein Pass entscheidend? Kann ja nicht sein, denn es gibt viele Leute mit deutschem Pass, die nicht mitspielen dürfen, die sich auch nicht als Mitspieler fühlen sollen. Wobei natürlich ohne Pass: alles noch viel schlimmer. Dann ist vermutlich gar kein Zugehörigkeitsgefühl mehr da. Ist also mehr eine Gefühlssache. Aber selber einfach so mal fühlen oder so, das geht nicht. Ah, vielleicht ist es das: man gehört dazu, wenn man dazugehört, weil die "anderen" einen dazugehören lassen. Klingt alles ziemlich hirnlos -- und das ist es auch, wie es mir scheint.
Also, wer sind die anderen? Wer ist der Staat? Ist das gut oder schlecht? Ein Staat schickt Menschen in den Tod. Verweigert ihnen die Einreise. Organisiert Kriege und Gewalt. Klar. Andererseits organisiert (oder, organisierte?) der Staat auch das öffentliche Leben und die sogenannte Ordnung. Er sorgt dafür, dass es Wasser und Strom gibt. Auch klar. Wobei ich natürlich immer wieder betone, dass es dafür keinen Staat sondern nur Mutualismus bräuchte. Egal. Also, dem Staat kann man irgendwie nicht mit diesen Maßstäben kommen. Der ist gut und schlecht zugleich. Und die "anderen Menschen"? Die zünden Asylbewerberheime an, kritzeln antisemitische Parolen auf jüdische Gemeindehäuser. Die saufen zuviel Bier und pöbeln dich im Zug an, weil sie auf dem Weg zu einem Fußballspiel sind. Oder sie streichen ihren Anzug glatt und entlassen 1000 Mitarbeiter. Klar. Andererseits malen die auch bezaubernde Bilder und retten Leben und lächeln einfach mal grundlos im Supermarkt. Oder sind so niedlich wie mein kleiner Neffe. Oder lieben mich so sehr wie meine Familie und meine Freundin. Auch klar. Schwierig, schwierig. Alles ist grau, hellgrau, dunkelgrau, bunt, gestreift, gepunktet. Fast nix ist ganz schwarz oder ganz weiss. Willkommen im 21. Jahrhundert.
Warum hab ich dann trotzdem so ein unterschwelliges Unwohlsein, wenn ich über unseren Staat nachdenke, der ja heute befeiert wird? Die negativen Punkte fallen mr wohl zu sehr ins Gewicht. Ich bin ein Querulant, der nur das Schlechte sieht? Der immer behauptet, die Anlagen und Mechanismen die zur "Endlösung" geführt haben sind in diesm Land immer noch da, immer noch aktiv. Und damit meine ich vielleicht nicht nur die offensichtlichen Pöbelglatzen. Naja, vielleicht mag ich es auch nicht, einfach so qua Geburt ohne meinen erklärten Willen "eingemeindet" worden zu sein. Ich hätte gerne meine Freiheit gehabt zu wählen. Ich bin ein Individualist, wie es scheint. In einem Rollenspielsetting von uns ("Infopunk") gab es GlobalID, eine Art international anerkannte Agentur, die "Pässe" an moderne Staatenlose vergeben hat, Drifter und Manager, Wissenschaftler und Abenteurer. Das würde mir gefallen. Andererseits kann man so nur leben, wenn die Kasse stimmt. Nicht sehr sozial, das ganze.
Jedenfalls: was da heute "alle" feiern, das kann ich nicht uneingeschränkt gut finden. Das Konzept gefällt mir nicht. Die Grundannahmen sind nicht akzeptabel. Menschen sollten nicht gezwungen werden einnander zu helfen -- sie sollten es freiwillig, wohl überlegt und aus freien Stücken tun oder es lieber lassen.
Dennoch will ich sagen, dass wir es (noch?) ziemlich gut haben hier. Noch bekommt man (etwas) soziale Hilfe, wenn man vom Schicksal gebeutelt wird. (Noch) wird man nicht "verschwunden" wenn man etwas regimekritisches loslässt, noch darf man in gewissen (enger werdenden Grenzen) Küssen wenn man will, anziehen was man will, sagen was man will. (Noch) gibt es ein relativ hohes Maß an Bildung, Freiheit, Gleichheit -- mehr zumindest als in Saudi-Arabien oder im Iran oder von mir aus auch in Somalia.
Oh. Das waren nun zufällig (?) drei Staaten, in denen der Islam stark ist. Heute ist übrigens auch Tag der offenen Moschee. Wikipedia sagt, "Seit 1997 veranstalten Moscheegemeinden in Deutschland den Tag der offenen Moschee und nehmen auf diese Weise an der Feier der Deutschen Einheit teil." Auf diese Weise? Naja, so richtig dazugehören wollen die wohl doch nicht. Weil die anderen Gemeinden und Vereine hier, die Dackelzüchter und von mir aus die Schachclubs -- die hängen sich ja auch nicht an den Tag ran, indem sie ihn auch zu ihrem Tag erklären. Da wird stillschweigend davon ausgegangen, dass die gleich subsummiert unter "alle" und "Einheit" mitfeiern. Nicht so die muslimischen Gemeinden. Klar, ich versteh die Idee... wir sind zugänglich, kommt schaut euch die Moschee an. Aber ich weiss nicht, ich hab in den letzten Jahren eine Meinung zum Islam bekommen, die mein Grundverständnis von "jeder soll machen was er will" stark angreift. Ich beginne mich zu fragen, ob ich vielleicht Vorurteile hab? Aber ich weiss nicht, der Islam scheint mir als Religion wie keine andere das Potential von Gewalttätigkeit, Hass und Intoleranz zu haben. Und ausserdem ist der "moderne Islam" weit mehr als eine Religion, es ist eine politische Bewegung. Und die steht, wie ich meine, für einen rollback sondergleichen, für den Inbegriff der politischen Antiemanzipation. Für das Antiindividuelle. Für die Antimoderne. Und diese Art anderen Menschen vorzuschreiben wie sie zu denken, leben, essen, furzen haben, dass sie ihr wunderschönes Haar unter Tüchern verstecken muss... das lehne ich entschieden ab. Klar, die christliche Religion etc macht das auch, oder hat es gemacht. Aber bei denen zeigt der Trend in Richtung Auflockerung, in Richtung Rückzug von der politischen Bühne. Und die Päpste planen nicht (mehr) ihre Schäfchen durch öffentliche Auspeitschung zur Räson zu bringen. Beim Islam nicht so. Da zeigt der Trend volle Möhre in Richtung Radikalisierung und Verschärfung.
Tag der deutschen Einheit. Tag der offenen Moschee. Ich weiss nicht, ihr begeistert mich alle nicht so recht. Ich hab anderes zu tun, glaub ich. Ich hab das Glück, dass ich meinen Halt nicht in einer "großen Gemeinschaft" suchen muss. Ich geh mir mal nen Kaffee machen, und dann ist auch schon fast wieder Donnerstag und der ganze faule Zauber ist vorüber.