Mittwoch, Juni 06, 2007

Gipfel Update

Heute beginnt der eigentliche G8 Gipfel in Heiligendamm. Schorsch Busch und die anderen Staatschefs sind eingetroffen. Im Fernsehen sah der US Präsident aus, als hätte er mächtig einen gekippt oder schwere Medikamente eingeworfen, als er aus dem Flieger stieg. Seine Frau hat ihn am Arm auf den richtigen Kurs gebracht. Natürlich weiss ich, dass Georgel eigentlich Abstinenzler geworden ist. Vielleicht war er einfach nur müde.
Medientechnisch bin ich auf lesen von indymedia und anderen Medien (jungewelt online mit ganz guten Artikeln z.B.) umgeschwenkt. Ich konnte einfach die lächerlich auffällige Propaganda und Stimmungsmache auf Spiegel-Online nicht mehr ertragen. All diese immer gleichen Filmchen und armseligen Kommentare (z.B. der unsägliche Artikel, in denen die "Waffen der Demonstranten" vorgestellt werden) war zu nervig. Irgendwie hat der Spiegel online aber auch noch jedes Klischee aufgegriffen, noch jede Sensationsheischerei ausgelebt. Und ausserdem tun sie genau das, was ich vermutet habe -- sie positionieren stets die "Randale" vom 2.6. zu jeder Meldung über Demonstrationen und Kritik. Der Effekt ist klar.
Insgesamt klingt es in unvoreingenommenen Medien, als ob die Proteste friedlicher geworden wären. Das liegt vermutlich zum Teil an einem "hups-was-haben-wir-getan" Gefühl und an der deutlicheren Distanzierung der "gewaltfreien" Demos vom Krawall-Part der Bewegung (Spaltung, jemand?). Aber sicher auch daran, dass die Repression durch die Polizei zu greifen begonnen hat. Nahezu alle Veranstaltungen wurden scheinbar verboten, viele (gezielte und wahrlose) Verhaftungen haben eingeschüchtert und verwirrt. Die Polizei jedenfalls fährt ihren Gewalt-, Desinformations- und Einschüchterungskurs anscheinend volle Möhre weiter. Keine Spur von Distanzierung jedenfalls bei denen.
Ich hab gestern viel über die Rebel Clowns Army gelesen. Die waren sogar kurz im Fernsehen zu sehen und auf indymedia sind sie die Stars. Das ist aber auch cool. Ich hab Bilder gesehen, zum Schlapplachen -- Clowns die Bullen nachäffen und so. Mit Hilfe der Clowns, bei denen die Polizei wohl aus der Kindheit noch eine Schlagehemmung hat, konnte wohl auch Polizeiabsperrungen "durchclownt" werden und so. Das ist Renitenz gepaart mit einer angenehmen nicht-machismo Einstellung, und zudem effektiv. Haben so ein wenig was von der "legion of dynamic discord" oder so. Ein Hoch jedenfalls auf die rebellischen Clowns. Natürlich hat der Spiegel sofort gesehen dass die was können und ist, ganz in seiner Rolle als Desinformationsorgan voll auf die Story abgefahren, dass Clowns angeblich Chemikalien versprüht haben. War wohl Seifenblasenflüssigkeit. Ui, wie das brennt in den Augen, auaua, das ist mir als Kind auch mal passiert... ich kann wie bereits gesagt über den Spiegel nur den Kopf schütteln.
Na, jedenfalls bin ich gespannt wie es weitergeht. Heute Einzelgespräche zwischen Merkel (die ist ja immerhin sowas wie die Gastgeberin) und verschiedenen Staatschefs. Und ausserdem kommt noch Sternmarsch (verboten), Straßenblockaden (natürlich verboten) und alles. Und der Gegengipfel natürlich. Bleibt abzuwarten, ob es so friedlich bleibt wie in den vergangenen Tagen, und ob die Inhalte der (die gibt es, ja!) der Proteste auch mal gesehen werden.
Für morgen/übermorgen plane ich mal eine "internationale Presseschau" hier im Blog, mal sehen was das Ausland so von dem Gipfel und dem Heiopei aussenherum hält...

Montag, Juni 04, 2007

krawall-o-mat

Am Wochenende hat die Protestwoche gegen den G8-Gipfel in Rostock begonnen. Und zwar mit einer wohl ziemlich großen Demonstration und anschliessendem Fest. Bei Demo und Fest zeigte sich, dass es eine ordentliche Mehrheit von Menschen "links der Mitte" gibt, die gegen das sind, was der G8 Gipfel symbolisiert. So diffus das sein mag. Das zumindest der Wille besteht, sich nicht auf dem Aufschwung auszuruhen und mit dem fetten Arsch auf der Couch Geld einzustreichen, während anderswo die Menschen verhungern oder an Banalitäten wie dreckigem Wasser zu Grunde gehen. Das ist schön zu wissen.
Aber das war nicht das, was in den Medien "rechts der Mitte" (angefangen mit Spiegel-Online etc) berichtet wurde. Hier stand im Vordergrund, was ich als Schauspiel bezeichnen würde, vielleicht inszeniert, definitiv irgendwie von allen gewollt. Randale. Straßenschlachten Krawall. Na, man kann sich vermutlich stundenlang in Verschwörungstheorien von V-Mann-artigen Provokateuren und so ergehen, aber ist auch egal wie es letztlich angefangen hat. Ein Polizeiwagen stand blöd und da war er wohl der Anlass für dass, was eh alle wollten. Was sie dem schneidigen Blondschopf am Steuer wohl zahlen mussten, dass er sich genau da mit dem Streifenwagen aufgebaut hat? Ob er die Skatrunde seiner Einheit verloren hat? Oder ne Wette? Was folgte, war jedenfalls gut für spektakuläre und teilweise erschreckende Bildsequenzen. Für deutsche Verhältnisse ging es echt mal richtig zur Sache. Steinhagel. Barrikaden. Feuer. Richtig Dresche für alle und jeden. Für Bullen in Grün und Schwarz, für die Blackblockler, für den einen oder anderen angesäuselten Punk, für Bauer Klaus der mit der evangelischen Friedensgruppe aus Klausthal-Zellerfeld unterwegs war vielleicht auch. Richtig amtliches Chaos, so wurde es jedenfalls dargestellt.
Aber so sicher bin ich da nicht, so unkontrolliert schien das alles nicht. Und an den Videobildern die man so zu sehen kriegt kann man sehen wie viel Angst die Polizei plötzlich hatte angesichts von Menschen, die dem Gewaltmonopol des Staats ihre ganz eigene Interpretation von Kartellverfahren angehängt haben. Robocop Bullen die Fäusten und Füßen und Pfefferspray und Knüppel wie im Blutrausch um sich geschwungen haben -- klarer Ausdruck von Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Ich find die Länge und Intensität der Auseinandersetzungen deutet an, dass die sogenannten Randalierer (aka schwarzer Block aka Autonome) ziemlich in Form waren, sehr tapfer und renitent bis dort hinaus. Das ringt mir, bei allem theoretischen Geplänkel und der berechtigten Kritik, die bei so einer "Aktionsform des Widerstand" auf jeden Fall angebracht ist, eine Menge Respekt und Anerkennung ab. Wer noch einen so hohen Organisationsgrad quasi im Fadenkreuz von Räumpanzer und Wasserwerfer bewahrt, vor dem zieh ich meine Kappe. Sorry Bauer Klaus, bad time wrong place.
Die hohe Zahl der gemeldeten Verletzungen bei den Polizisten zeigt, wie heftig es zur Sache ging. Und wendet man die gleichen Maßstäbe für "Verletzung" an, kann man bestimmt von der 10fachen Menge an verletzten Demonstranten ausgehen, würd ich schätzen. Immerhin sind die Polizisten ziemlich ordentlich gepanzert, und so ein durchschnittlicher blackblockler hat ja nur seine Kapuzenjacke, oder? Und in Polizeivorschrift 102397235 wird bestimmt schon festgelegt, dass ein blauer Fleck ("der war heute morgen unter der Dusche aber noch nicht!") als Verletzung gilt.
Naja. Ich vermute mal dass nun wieder Versuche geben wird die "Bewegung" an der Gewaltfrage zu spalten. Das kann man nur ablehnen, das wär schade. Sicher kann man argumentieren, dass man mit diesem "Aufstand" allein keine Politik machen kann. Klar, in dem Angriff auf das Gewaltmonopol allein ist wenig Politik ausser dem Ausdruck des Mißtrauens gegenüber dem Staat als alleinige Handlungsmacht (oder überhaupt des staatlichen) enthalten. Grade davor haben viele "links der Mitte" Angst. Den Staat an sich per se ablehnen? Näää... Aber wenn man seine Globalisierungskritik (so diffus das nun wieder ist) nur ein paar mutige Schritte weiterdenkt, dann muss man doch gerade zu diesem Schluß kommen. Denn der ganze Schlamassel in dem wir, die Welt und überhaupt alle stecken, den haben Staaten eingebrockt. Lassen wir das mal so im Raum stehen.
Bei der ganzen G8-terei kann man sich allzuschnell auf dünnes Eis begeben. Da wird guter Wille der Meinungsäusserung schnell zu verkürzter, fehlgeleiteter Kritik, könnte man sagen. Andererseits ist es auch eine gute Zeit, einfach mal wieder -pauschal hin oder her- Kapitalismus und Staat so richtig nach herzenslust zu mistrauen. Den Gedanken zu wagen, dass es auch anders gehen kann. Das plötzlich doch ein Haufen Kids mit Steinen und Flaschen dutzende Hundertschaften aufgepumpter Polizisten mit Panzern und Wasserwerfern die Stirn bieten können. Nur so als Denkanstoß. Wieso trauen die sich soviel Widerstand zu, so viel Renitenz? Wo "wir Normalos" schon Angst haben bei Rot über die Ampel zu gehen??! Man muss ja nicht gleich Erna's Eckkneipe entglasen. Aber ein wenig mehr Widerstand und POLITISIERUNG täte der Gesellschaft im Ganzen gut. Dann müssten wir vielleicht auch nicht Merkel, Beck, Pofalla und die ganzen anderen Politzombies ertragen. Dann würden wir es vielleicht nicht hinnehmen, dass sie uns den ganzen Tag jeden Tag jede Woche jeden Monat weissmachen wollen wir sollten nur an uns denken und schön brav Karriere machen. Und den ganzen Quatsch, den die sonst noch so verzapfen. Hey, ho.

Freitag, Juni 01, 2007

Bush und das Klima

George Bush: Geschäftsmann, US-Präsident, Feldherr... und nun auch noch Umwelt-Fuzzie. Naja, zumindest fast. Kürzlich hat der Lieblingsfeind der nahezu ganzen Welt verlauten lassen, dass die USA nun doch (mit einigen anderen Nationen) das Klima retten will. Und zwar wollen die USA da die Führung übernehmen. Also quasi, Klimaschutz ist eigentlich schon immer die Idee der Vereinigten Staaten und ihres Präsidenten gewesen.
Abgesehen von dem Hohn ("ach, auf einmal!") ist das doch Ausdruck eines seit 2005 angelaufenen ziemlichen Politikwechsels. Bushs Administration erkennt damit an, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt und das man etwas tun muss. Durch tolle Energietechnologie (haben sie endlich den Reaktor aus dem UFO im Area51 verstanden?) die keine Treibhausgase ausstößt. Aber auch durch Einsparungen mittels alternativer Treibstoffe und Effizienzerhöhung und so.
Es ist nicht klar ob das vielleicht Verschleppungstaktik als "jaja, wir machen bestimmt was" oder so ist. Und die Art, sich unbedingt auch an die Spitze dieser "Bewegung" setzen zu müssen, ist auch nervig und so typisch Amerika. Wir machen halt nur mit, wenn WIR die Anführer sein dürfen. Ächz. Wie eine ganze Regierung unter einer Profilneurose leiden kann ist schon bemerkenswert.
Der Plan ist ausserdem weniger als das Kyoto-Protokoll, was die Menge der CO2 Reduktion angeht. Tja, es ist halt ein typischer Fall von selber das gerade eben so Erträgliche tun, bevor die anderen eine zwingen etwas zu tun, was man nicht mag. "Vorgegaukelte Offensive" sagt der Spiegel online. Und die taz hebt den Part hervor, in dem Bush konkreten Zielen eine Absage erteilt. Steckt da aber vielleicht auch drin, dass Bush und seine Administration wenigstens langsam anerkennen, dass ein gewisser globaler Druck besteht, das Klima zu retten - dem sich auch die USA nicht entziehen können? Weil sie doch Teil der Welt sind? Oder ist es der Druck der Bundesstaaten und der Demokraten im Inland. Ich hörte, viele Bundesstaaten (wie z.B. Kalifornien) sollen schon weiter sein was den Klimaschutz angeht?
Und natürlich, es ist auch ein PR-Coup, wie Spiegel Online titelt, immerhin steht der G8 Gipfel an, da kann es nicht schaden ein wenig netter zu erscheinen. Aber dass da vielleicht wenigstens das Verlangen besteht besser zu erscheinen, dass ist schon ein Hoffnungsschimmer.
Ich bin gaaanz milde optimistisch. Und hab ja eh keinen sonderlich ausgeprägte Anti-Amerikanismus, im Gegenteil. Wir werden sehen was beim G8 Gipfel herauskommt. Vielleicht nehmen Blair und Merkel den Bush so in die Mangel, dass er fortan nur noch an das Klima denken mag und so. Ähm. Vielleicht auch nicht. Man weiss es nicht.

Dienstag, Mai 29, 2007

Fussball und Unwetter

Es muss so um die 85. Minute gewesen. Da war schon ein ganz ordentliches Fussballspiel zu sehen gewesen, mit überharten Fouls, schönen Toren und einem Foulelfmeter in der 80. Minute, der Nürnberg daran hinderte die Führung über die Zeit zu retten. Pokalfinale. Nürnberg gegen Stuttgart. Und dann kam das Unwetter.
Na klar, es sah den ganzen Abend nach Regen aus. Wir hatten den Grill unter ein Dach gestellt und so trockene Würstchen und Putensteaks ins Puszta-Marinade gemümmelt. Bier ist ja Wasserdicht, daher auch kein Problem. Und irgendwie war die knisternde Atmosphäre von in der Ferne leuchtenden Blitzen und grummelndem Donner genau richtig für das Pokalfinale. Quasi Duell im Regen, Mr. Smith vs Neo. Quasi Frankenstein und all die anderen Hollywood-Klischees. Foulelfmeter, Stuttgart wieder im Spiel. "Es leeeeeeeeeeebt!"
Irgendwie hat sich das Gewitter dann doch näher herangeschlichen und als ich mich gerade auf die Verlängerung einstellen wollte machte es zap! und das Bild war weg. Satelliten-Emfang nüscht mehr. Das ist das Problem mit den Digital-Receivern- erst tun sie so als wär alles bester Ordnung und dann von einem Moment auf den anderen ... ist der Bildschirm schwarz. Panik machte sich breit. Normaler terrestrischer Empfang (anscheinend immer noch ein sehr krisensicheres Medium) gab es nicht. Also hiess es Aushalten und darüber philosophieren, ob Tocotronic an solche Momente gedacht haben, als sie behaupteten, Digital sei besser.
Naja, glücklicherweise kam das Bild ein Sechstelstündchen später wieder und wir konnten genüßlich das Traumtor ansehen, welches Nürnberg schliesslich das 3:2, den Sieg und damit den Pokal einbrachte. Dramatik pur.

Freitag, Mai 25, 2007

Gewitter und Spam

Der DWD sagt: am Morgen abklingende Gewitteraktivität, im Laufe des Tages aber Möglichkeit schwerer Gewitter mit Unwetter, Hagel, Hunden und Katzen. Naja, im Moment ist es nur noch feucht warm und bewölkt. Aber heute Nacht, holla! Da war was los. Ich telefonierte gerade mit meiner Liebsten, als es anfing zu flackern und zu grummeln. Im Laufe unseres Telefonats kam das Gewitter merklich näher. Dann, ein sehr heller Blitz zuckte und füllte mein Fenster, unter dem ich auf dem Bett lag mit blauem Licht. In der Leitung klackte es laut, dann kam ein komisches Tut-Zeichen, dass ich noch nie gehört hab. Und auf dem Display meines Telefons (ISDN) stand das einzelne Wort "STÖRUNG". Einfach so. Hab ich noch nie gesehen. Ein erneuter Wählversuch brachte eine, wenn auch rauschende und knacksige Verbindung zustande, die aber noch zum Gute Nacht sagen ausreichte...
Ich wusste nicht, dass die mir Nachrichten aufs Display zaubern können! Wie wärs wenn sie demnächst "STREIK" oder so da anzeigen, dann wüsste man wenigstens was Sache ist und der Protest der Telekommler würde Massenwirksamkeit erreichen. Oder Werbung -- Spam-Mitteilungen auf meinem ISDN-Display... wobei man sollte die Leute nicht auf dumme Gedanken bringen, ich krieg schliesslich schon genug reale und elektronische Spam-Nachrichten in meine physikalischen und virtuellen Posteingänge, das reicht mir.
Wo ich grad dabei bin. Da gibt es einen neuen Typ von Spam! Ich krieg nun immer obskure Nachrichten, die sich durch folgenden Merkmale auszeichnen: der Absender ist ein real klingender, angelsächsicher Name. Und im Betreff und der Nachricht befinden sich völlig aus dem Zusammenhang gerissene, offensichtlich aus Romanen oder Geschichten entnommene Versatzstücke von Text. Aber der wirklich Inhalt der Spam-Mail ist vor (oder nach) diesem Zufallstext -- und immer eine Empfehlung eine bestimmte Aktie (oder auch: japanische Rindfleisch-Anteile!) schnell zu kaufen, weil die Prognose meist einen 200-300% Kursanstieg angibt. Dabei handel ich doch gar nicht an der Börse! Nein, mal im Ernst: ich vermute mal, folgender verschwörerischer Plan steckt dahinter. Die Spammer (oder ihre Auftraggeber; oder die Illuminaten) haben selber dummerweise große Mengen dieser Aktien gekauft und sehen sich große Verlusten entgegen. Nun versuchen sie sich zu retten, in dem sie gutgläubige Deppen per Spam dazu bringen, wie wild diese bestimmte Aktie zu kaufen. Der Kurs steigt. Und die Spammer bzw ihre Auftraggeber (nennen wir sie: "das Netzwerk") hauen nun ihren (großen) Aktienanteil auf den Markt. Sie machen Gewinn. Der Kurs purzelt in den Keller. Die ge-spammten Opfer haben nicht nur einen vollgemüllten Posteingang sondern auch noch ein leeres Konto. QED!

Donnerstag, Mai 24, 2007

Fussi

Gestern war ganz im Zeichen des rollenden Leders! Erst hab ich bei einem Sportfest hier an unserer Uni die Mannschaft meines Mitbewohners (quasi) ein wenig unterstützt. Ok, ich hab nur insgesamt 4 Minuten gespielt in den 2 Spielen (a 10 Minuten) für die ich Zeit hatte, aber es hat gereicht um mir in der Wartezeit zwischen den beiden Spielen einen ordentlichen Sonnebrand zu holen, der mich die halbe Nacht vom Schlafen abgehalten hat.
Abends, nachdem ich dann nach meinem Kurzeinsatz auf dem Rasen wieder an der Dr.-Arbeit rumgewerkelt hab, gab es dann im Fernsehen das Finale der Champions League zu sehen, aus Athen. Die Begegnung hiess AC Mailand vs FC Liverpool. Beide Teams, wobei Mailand viel mehr als Liverpool, sind gespickt mit Stars von Weltrang. Die Liverpooler pflegen allerdings einen ziemlich wühlenden, zweikampfbetonten Fussball. Die Idee war, die schönspielenden Mailänder in Grund und Boden zu fighten. Dummerweise haben die sich ganz schön wacker geschlagen, und mit Gattuso ja ohnehin einen Experten für den Bodenkampf dabei. Kurz vor der Pause machte dann Inzaghi ein wirklich ansehnliches Freistoßtor. Liverpool fand in der zweiten Halbzeit überhaupt nicht mehr ins Spiel. Schliesslich setzte Kaka mit einem Traumpass auf Inzaghi (schon wieder!) den Schlußpunkt. Selbst als Liverpool mit einem Kopfballtor von Kuyt noch mal auf 2:1 rankam (kurz vor dem Ende) keimte keine Hoffnung mehr auf, die Engländer waren stehend K.O. und wirkten Ideen- und Hilflos.
Alles in allem ein packendes, ansehnliches Spiel. Blöd nur, dass bei AC Mailand genau die selben italienischen Spieler unter Vertrag (und auf dem Feld) stehen, die bei der WM2006 schon ganz unsympathisch waren. Gattuso, Inzaghi, Gilardino. Fehlt eigentlich nur noch Totti und ich wär die Wände hochgegangen... ;-)

Mittwoch, Mai 23, 2007

gaming tuesday

Gestern haben wir uns mal wieder zum gaming tuesday versammelt. Es war warm und alle irgendwie müde, was uns dazu führte nicht unser übliches Illuminati-Spiel zu zocken. Statdessen widmeten wir uns einem anderen Kartenspiel aus dem Hause SJ-Games/Pegasus-Spiele, nämlich dem großartigen und sehr beliebten Munchkin (Spiel; Wort). In der Fantasy-Variante, versteht sich. Ich hatte das Glück für wenig Geld Munchkin 2 und Munchkin 3 bei EBay zu erwerben, weswegen wir mit einem Riesenstapel Karten in ein ausgesprochen vergnügliches Spiel starteten. Sofort fiel auf -- wenn Illuminati von der "Härte" des backstabbing und von der erforderten Konzentration her ein Marathon ist, dann ist Munchkin ein Gang zum Kühlschrank. Das Spiel plätscherte vor sich hin, es gab Zeit zu plaudern und mehr als genug Zeit den einen oder anderen selbsgemixten Cocktail zu schlürfen. Sehr erfrischend, bei diesen Temperaturen. Richtige Rollenspieler (so wie ich) sind die gaming-tuesday-Leute nicht, daher erklärte ich den einen oder anderen in-joke, was aber nur moderates Gelächter auslöste. Sicher, erklärte Witze sind immer nur 50% so lustig, aber ich glaub auch dass man durch Jahre von verschrobenen Kampagnen in noch verschrobeneren settings gegangen sein muss, um den bittersüßen Humor hinter "Monster das der SL sich selber ausgedacht hat" zu verstehen...
Naja, es haben teilgenommen Su.-, Sa.-, Ka.-, Ma.-, La.- und ich. Während Ka.- gar nicht und Ma.- nur mit Verzögerung ins Spiel kamen bastelten wir anderen uns zügig schlagkräftige Charaktere zusammen. Fleissig plätteten wir Monster und zogen geniale Munchkin-Stunts mit Sonderkarten ab. Nach unterhaltsamen 120 Minuten Spiel (zu sechst kann es laaaaaaange dauern!) war La.- diejenige, die mit einem schwachen Monster von ihrer Hand, das wir auch nicht mehr stärker machen konnten weil uns dummerweise die Sonderkarten dazu fehlten, die 10. Stufe erreichte und jubelnd und ganz schön angesäuselt von den Cocktails das Spiel gewann.
Also, Munchkin ist nett für mal so zwischendurch. Aber es kommt vom Sucht-Faktor und Ich-Will-Rache-Feeling nicht an Illuminati ran und eignet sich, so finde ich, nicht so sehr für regelmässiges Spiel. Illuminati haben wir nun schon zig mal gezockt und versuchen immer noch stabile Strategien unter Berücksichtigung aller Regeln zu ersinnen. Bei Munchkin gibt es zwar ALLES was mit dieser oder jener Karte passieren kann, aber die Gewinnstrategie ist recht klar. Mehr und mehr steigt mein Ansehen für Illuminati. Ich hab so einige Rezensionen gelesen, dass das Spiel schlecht designed sei und so, aber ich glaub inzwischen - es ist einfach ziemlich komplex und durch den "menschlichen Faktor" sehr schwer zu kontrollieren. Und das macht, für einen bestimmten Schlag Mensch (wie wir, wissenschaftlicher Hintergrund) vermutlich den Reiz aus. Nämlich das (erfolglose?) Versuchen ein ziemlich komplexes und schwer vorhersagbares System zu durchschauen. Ist es nicht das, was uns auch am Beruf des Wissenschaftlers reizt?

Dienstag, Mai 22, 2007

(verspätete) Bundesliga-Nachlese

erstmal: OMG w00t!!!!!! Der 100. Post!

Ein wenig später als "zeitnah", aber ich will dennoch eine kleine Nachlese zum Ende der Bundesligasaison machen. Und ein Resume ziehen, wenn es dazu nicht zu früh ist... ehm...

Stuttgart ist Meister. Das ist an sich eine ziemlich schöne Sache und eine ganz schöne Überraschung. Stuttgart hatte ich zumindest (aber ich bin ja auch kein Experte) nicht auf der Rechnung. Die haben eine ganz junge Mannschaft ("die jüngste seit den gladbacher Fohlen in den Siebzigern" heisst es... aber was hat Pferdezucht damit zu tun?), mit Hr. Veh einen ungewöhnlich sympathischen Trainer und einen Manager (Horst Heldt) der vor nicht so langer Zeit selber noch ein Spieler war. Und sie haben dieses "glorreiche Sieben" Prinzip von der Mischung aus jungen unerfahrenen und alten abgebrühten Spielern angewendet, um eine schlagkräftrige Mannschaft zusammenzustellen. So hatten die Mexikaner keine Chance, quasi. Alles Zutaten für eine verdiente und neidfreie Meisterschaft. Einziges Manko: Stuttgart ist nicht im Ruhrgebiet und daher abzulehnen. PFUI, KACK-STUTTGART... :-)
Dafür sind aber Schalke, Dortmund* und Bochum im Ruhrgebiet. Schalke hat mal wieder verkackt. Das muss man diesmal aber echt sagen. Es gab keinen fingierten Freistoß bei den Bayern, keine zweifelhaften Elfmeter. Nein die 04er haben ganz allein die Schale aus ihren Händen gleiten lassen. Und zwar im Derby gegen Dortmund am vorletzten Spieltag. Da hätten sie, wenn sie sich angestrengt hätten und den fiesen Schwarz-Gelben einen auf den Scheitel gegeben hätten, aus eigener Kraft den Titel sichern können. Haben sie aber nicht. Daher Gezitter am letzten Spieltag, und wenn bei Schalke Gezitter dann Gehuel und Rotz und Wasser und Scheitern nicht weit. Immerhin Champions League. Aber wieder keine Meisterschaft. Pff, tough luck, get over it.
Ich interessier mich ja bekanntlich nur für den Verein für Leibesübungen aus Bochum. Gottchen, was für eine Saison. Hat mich einige graue Haare gekostet, der wochenlange Abstiegskampf. Am Ende bin ich nach einem furiosen Endspurt aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen - so reisst man sich am Riemen, Schalke. Bochum landet am Ende sicher im oberen Tabellenbereich (#8) und sind sogar noch quasi haarscharf am UI-Cup vorbeigeschrammt. Den Platz hat sich, meine Hochachtung, die zweite Phönix-aus-Asche Mannschaft geholt, Hamburg nämlich. Aber Bochum hat zwei Titel geholt, das reicht mir: 1) hat Fanny Gekas die Torjägerkanone erballert, das gibt 250000 DM Prämie**. Und 2) ist Bochum vor den Dortmundern in der Tabelle gelandet, das ist der inoffizielle Ruhrpott-Vizemeistertitel. Ich bin jedenfalls mit dem Saisonverlauf zufrieden.
Es gibt allerdings ein Ärgernis, über das ich nicht so rasch hinwegkomme. Wieder wird ein, in Bochum entdeckter, guter Spieler weggekauft. Diesmal der frisch gekürte Torschützenkönig Gekas, der geht zu Leverkusen. In diesen Kölner Vorort. Zu diesen *%$§?-Leverkusern. Manno. Ich glaub ich reg mich da schon öfter drüber auf, aber die Liste wird langsam einfach zu lang. Immer werden die Spieler verscherbelt, die in der nächsten Saison Bochum echt mal nach vorn schiessen könnten. Mahdavikia, Hashemian, Bastürk, Edu, Bechmann und nun Gekas. Nicht das die ersten beiden in Bochum besonders gut gewesen wären - aber die anderen schon, und es waren alles sympathische Kerle, die ich gern weiter bei meinem Lieblingsverein gesehen hätte. GRMPF. Naja, Fussball-Bundesliga ist halt auch Kapitalismus, und Spielerverkäufe bringen Geld in die Kasse. Leider.
Wo wir grad beim Tränenvergiessen sind. Absteiger dieses Jahr sind Aachen, Gladbach und Mainz. Ganz ehrlich -- ich trauer keiner dieser Mannschaften hinterher. Für Gladbach war es meiner Meinung mal lange Zeit sich in der zweiten Liga mal zu "konsolidieren" und ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Aachen hat die gleichen Trikotfarben wie Dortmund und ist daher abzulehnen. Und Mainz... naja, die fand ich immer ganz nett, eine von diesen Geschichten vom kleinen frischen Verein und so. Aber Anscheinend können die nicht von Klopp lassen und Klopp kann ich nicht mehr ertragen. Ergo: tschüss Mainz. Viel Spass in der Zweiten.
Ach, apropos zweite Liga -- Duisburg ist in die erste Liga aufgestiegen. Das ist cool. Leider sind die überaus verschroben-sympatischen RW Essen wieder in die Drittklassigkeit abgerutscht. Das einzig gute daran ist nun wieder, dass es wieder Duelle Essen vs Wuppertal geben kann, da brennt immer so schön das Tal, wenn die Essener den Wutalern mal zeigen wo der Hammer hängt... :-)
Tja, ich denk mal das wars. Ich fand es war eine schöne Saison. Die ganzen Widerlinge aus der WM (Schweinie und Poldie und Blödie und wie sie allie heissenie) waren schlecht, die Bayern hatten eine Krise (das ist immer gut) und es war oben wie unten spannend bis zum Schluß. Mehr kann man sich nicht wünschen. Zudem ist glaub ich mal wieder ein Tor des Jahrzehnts gefallen. Dieser 70m Kracher-Torschuss von Diego aus Bremen. So cool! Immerhin ist Klaus Augenthaler mit einem Schuss von der Mittellinie mal Torschütze des Jahrzehnts geworden (in den Achtzigern, glaub ich). Und die Mittellinie war noch ne Ecke weg, als Diego abzog.

Hach, ich freu mich schon auf die Saison 2007/2008. Wird Bochum wieder Abstiegskampf führen mussen, oder spielen "wir" endlich mal wieder oben mit? Wird Gekas reumütig aus Leverkusen zurückkommen und sagen: "ich wusste ja nicht, wie grässlich es da ist!"? Wird Bayern endlich mal wieder in die zweite Liga absteigen? Können die "jungen Hüpfer" aus Stuttgart sich international beweisen, oder geraten sie in das Schweinie/Poldie-Syndrom und denken sie wärn die coolsten, worüber man bekanntlich das Spielen vergisst? Fragen über Fragen, die nur die nächste Saison klären können.

Dicken Gruß nach Bochum!!!


*: wuäh, ich hab den Namen der unaussprechlichen Stadt gesagt... :-)
**: obskure "Bundesliga-Manager Professional" Anspielung

Dienstag, Mai 15, 2007

blöde Autoschilder

Früher hatten ja bestimmte Sorten von Leuten, zumeist in Personalunion mit Besitzern fetter Breitreifen und Subwoofer und fiesen Karren, hinten in der Heckscheibe so bildfüllende Schriftzüge geklebt. Das diente dazu mit tatsächlichem oder aus Komplexen heraus kompensatorisch imaginiertem Reichtum anzugeben -- seht her, ich kann mir eine Stereoanlage von "OMG-WOOT" oder was auch immer leisten, und zwar hier in meinem getunten, perlmuttlackierten Golf 1.
Dann gab es mal einen reichen, verzogenen kleinen Mistkerl. Der dachte sich, er will nicht nicht nur mit dem tollen Auto angeben, dass er mit 19 schon fahren kann (weil Mami/Papi so ne dicke Hose haben), sondern auch mit seinem Schulabschluss. Quasi Arroganz des Bildungsbürgertums und neureiche Allüren in einem. Das war die Geburtstunde der "Abi XXXX" Heckscheibenschilder. Ich kann mich nicht exakt erinnern, aber es muss Ende der 90er gewesen sein, als diese Unsitte aufkam. Seitdem ist der Anteil der Abiturienten, die von Mami und Papi ein schickes Auto zur Verfügung gestellt bekommen, deutlich gestiegen. Und die, zu beginn bloss peinlichen und ein wenig blöden Heckscheibenschilder, haben eine Evolution durchgemacht. Eine adaptive Radiation. Haben sich perfektioniert und verbreitet und jede Nische überhaupt besetzt.
Das Schlimme ist nämlich, dass irgendwann ein weiterer kleiner Mistkerl (ich denk mal, es war nicht der selbe), der nicht nur mit Geld und Bildung protzen wollte, sondern auch noch mit Werbeagentur-tauglicher "Kreativität" sich ausgedacht hat, dass eine Wortspiel mit der Permutation "A-B-I" in dem Heckscheibenschild vorkommen muss. Das war endgültig das Ende. Von nun an sprosste eine Fauna von erzwungenen, unlustigen oder einfach nur peinlichen Wortspielen hervor. Es wurde immer diffiziler, die Schilder sind mittlerweile von professionellen Druckereien erstellt, teilweise mit Glanzeffekten oder Glitzer.
Und manchmal, was wieder ein schöner Beleg dafür ist, dass Abi-Heckscheibenschilder sich wie ein infektiöses Mem verhalten, scheint man sich sicher dass der "stolze" Fahrer keinen blassen Schimmer hat, dass man seinen Schulabschluss auch ohne so einen hirnverbrannten Schriftzug in der Fensterscheibe tragen darf.
Nun kommt aber der Schocker -- das infektiöse Mem hat die Artgrenzen überschritten. Einst biss ein Junkie-Affe irgendwo im zentralafrikanischen Regenwald einen Menschen in die Hand, als der grade sagte "oh schau mal, der süße kleine Affe ist krank"... ZACK war ein besonders hartnäckiges Retro-Virus übergesprungen, ein Klacks Mutation, ein Schüppchen Anpassung: HIV war geboren. Nun, sowas ähnliches ist mit den Autoschildern geschehen-- ich hab ein Auto gesehen, das den Schriftzug "Vordiplom 2004" im Heck trug, heute morgen auf dem Parkstreifen an der Uni.
In der Paläontologie weiss man, dass ein über jahrmillionen erfolgreiches Phylum (wie z.B. die Trilobiten) in der Epoche vor ihrem Aussterben oft eigentümlich, extreme oder überspezialsierte Formen hervorbringen. Übertragen auf das Autoschilder-Problem ist das also ein gutes Zeichen. Forcieren wir es, finde ich! Lasst und eine Schwemme bekloppter Autoschilder erzeugen und benutzen, und dann wird hoffentlich bald diese Unsitte bei einem schönen, sauberen Aussterbe-Event ganz oben auf der Liste sein.
Hier ein paar Vorschläge (man beachte die besonder pfiffigen Wortspiele:
"RENTE-tier 2006" -- hinten auf dicken Benzen anzubringen, wenn man endlich seine Schäfchen ins trockene gebracht hat, oder...
"FREI-bier-GANG 2002" -- anlässlich einer Hafterleichterung oder auch Bewährung, vielleicht auch...
"Auf die BOHR-insel 2007" -- wenn man beim Zahnarzt war und Karies hatte, oder...
"PIMPERnelle 2005" -- kann man mit herumfahren, wenn man zum ersten Mal Sex hatte, auch schön ist...
"Heute morgen erfolgreich aufgewacht 2007" -- das Heckscheibenschild für jeden Tag, und nun der Kracher...
"God BLÄH's you 2005" -- um seiner Freude angesichts der überwundenen Flatülenzen nach Komsum einer Riesenportion Bohnensuppe Ausdruck zu verleihen.

Montag, Mai 14, 2007

Eurovision Song Contest

Ey, Alter ey, mein IQ ist um 20 Punkte gesinkt, sach ich ey. Voll krass Eurovision Song Contest geguckt, ey. Voll krass verdummt dabei, ey... uh, ah...

**SHUTTING DOWN BRAIN**
**REBOOTING BRAIN NOW**
**HARDWARE DETECTED -- BODY(male)**
**BRAIN v1.0-01121977 HAS BEEN SUCCESSFULLY REBOOTED**

Ach, so ist besser. Nun kann ich wieder klar denken. Ja, also, ich hab tatsächlich aus reiner Faulheit und Trägheit am Samstag den Eurovision Song Contest im TV angesehen. War nämlich am Freitag bis in die Puppen (also, irgendwas mit halb vier und 10 Bier... oder war es halb zehn und vier Bier???) auf einer Reggae-Dancehall-Party mit meiner Freundin und einem Kumpel von hier. Samstag also müde und verkatert und Grand Prix angesagt.
Aaaaalso, es war ungefähr wie DSDS und Germany's Next Topmodel auf einmal intra-venös eingespritzt zu bekommen. Ich fand bis auf 3 Beiträge (Ungarn mit einer leidlichen Bluesnummer, Schweden mit The Ark und Frankreich mit ein paar durchgeknallten Ska-Typen) alles ziemlich indiskutabel. Irgendwie war die Teilnehmerschar in zwei Lager geteilt - diejenigen, die den Wettbewerb total verarschen und die, die es noch nicht gemerkt haben. Länder wie Moldawien (gibt es das wirklich?) haben offenbar den Einsatz der Zeitmaschine standardisiert und beamen Künstler aus den mittleren 80er Jahren herbei, aus Mangel an Nachwuchs vermutlich.
Ok, die ganze Verarsche war irgendwie doch ulkig, aber trotzdem musikalisch derart unerträglich, dass ich noch nicht einmal Lust hatte in Richtung Fernseher zu kotzen. Verarsche-Highlight war definitiv die Ukraine, die hatten eine Gruppe von Frontallappenpatienten auf Amphetaminen, die alle einen Lötkolben im Arsch hatten, jedenfalls haben sie so gesungen und rumgezappelt. Auch der russische Beitrag war reine Verarsche, ein paar Vorstadtnutten wurden in Schuluniformen gesteckt und mussten lasziv zur Musik ihre Lippen bewegen. Gaaaaaaaaah, will Umschalten, aber die Fernbedienung hat sich vor Verzweiflung vom Sofa gestürzt.
Der deutsche Beitrag? Gab es einen? Ach ja, wir sind ja auch Europa. Roger Cicero hat versucht als cooler Macker rüberzukommen, wirkte aber eher wie ein Abiturient im Laientheater, inklusive Mafiosi-Outfit ausm Kostümverleih. Peinlich. Aber zurecht auf den 19 Platz abgewatscht.
Und wer hat gewonnen? Eine untersetzte Sängerin (Typ wadenbeissender Kampfdackel) aus Serbien, die in ihrer Zeit als Feldwebel im Kosovo-Krieg gelernt hat lauter und durchdringender als alle anderen zu brüllen. Das hat den ehemaligen Ostblock natürlich beeindruckt, man weiss ja aus zahllosen James Bond- und anderen Agentenfilme, auf welchen Frauentyp der gesamte Ostblock steht. Zugenknöpfte Uniform, verbissener Gesichtsausdruck, Nahkampf- und Politausbildung bis zum Leninorden... man kennt das ja...
Na, davon musste ich mich jedenfalls erstmal das ganze restliche Wochenende erholen. Vielleicht hätte ich das alles besser ertragen, wenn ich mich genauso mit Vodka abgefüllt hätte, wie offenbar das gesamte finnische Publikum und 99% der Teilnehmer. Aber der letzte Rest Vodka war im Eisfach eingefroren. Nicht trinkbar, demnach. Musste meinen Kummer über diese Vergeudung meiner teuren GEZ-Gelder dann halt im Rotwein ersäufen...

Donnerstag, Mai 10, 2007

Fett, Alter!

Jeder zweite Deutsche ist zu dick! Fett, Alter! Aber unsere Regierung tut was dagegen, sie hat einen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit in Angriff genommen. Ziel: vor allem die mopsigen Kinder, die den lieben langen Tag nur vor der Playstation hocken und schmierige Chips essen.
Ich hab früher auch immer viel Computer gezockt und bin nicht (sonderlich) dick gewesen. Warum war das so? Sicher war das Essen nicht besser, man denke nur an die ganzen Light und Öko Produkte, die es früher gar nicht gab. Ok, man könnte sagen - wir hatten ja nichts (bzw weniger). Das stimmt sicher auch irgendwie. Aber ich sag, es lag daran das Computerzocken früher noch harte Arbeit war, ja Sport! Es lag an diesen monströsen Joysticks (KLICK-KLACK), heutzutage machen die Kiddies ja nur einzelne Finger krumm. Und es lag an "Rüttelspielen", also Games wie Track&Field oder WinterGames, bei denen es darum ging wie ein lobotomierter unter Amphetamineinfluss am Stick zu wackeln um den Sprinter schneller über den Bildschirm zuckeln zu lassen. Köhler, hör her: da ist ein Ansatzpunkt.
1) Per EU-Norm festlegen, das Joypads für Konsolen 3kg wiegen müssen und schwergängige, gußeiserne Kontrollen haben
2) kostenlos Rüttelspiele, sponsort by Bundesregierung, verteilen.
Für die kleinsten Fettärsche: Teletubbie-Racer;
für dicke Grundschüler: Schweinie's Fussballgame (man rennt = rüttelt nur hirnlos an der Aussenlinie auf und ab)
für schwammige Abiturienten: Abiturfragentrainer (man muss die Antworten "errütteln");
für dicke Teenie-Mädchen: Germany's Next Topmodel Laufstegtrainer (man "rüttelt" seine magersüchtige Spielfigur über den Catwalk)
für speckige Hartz4er: SexGames 2007
3) Ergebnis, ein ranke und schlanke Gesellschaft mit Unterarmen bis dorthinaus... :-)

Ah,

Mittwoch, Mai 09, 2007

gaming tuesday // erste Seiten

Gestern abend kam mal wieder unsere Illuminati-Runde zusammen. Da zeigte sich mal wieder, dass induviduelle Stärke, Verständnis von Taktik und Ökonomie und eine gehörige Portion Chuzpe nötig sind für dieses Spiel -- aber nichts geht über menschliches Versagen, wenn es um das Entscheiden über den Sieg geht... :-)
Teilnehmer und Gruppen:
Ma.- Shangri-La.
Sa.- Netzwerk (Einzelsieg durch erreichen des Basisziels 10 Gruppen)
Su.- Jünger Cthulhus
La.- Kirche des Subgenius
Ich- Bermuda Dreieck
Wir alle spielten fleissig los und dank eines gut gemischten Stapels (zweier "...darf eine Karte mehr ziehen pro Runden" Gruppen) waren bald viele, nützliche und finanzstarke Gruppen im Umlauf. In der Frühphase des Spieles waren die Highlights eine gewaltige Schlacht um die Zerstörung des vom Netzwerks zum Ärger aller übernommenen Finanzamts und das nur haarscharfe Überleben der subgenialen Kirche (erst in der dritten Runde knapp eine Gruppe übernommen). Dann wurde die Zeit in der Mittelphase genutz um fleissig mächtige Verschwörungen aufzubauen. Geldstapel mit 20ern wurden angehäuft. Schliesslich ging das Spiel in die Endphase über - Netzwerk, Subgenius und Bermuda Dreieck waren nur noch 1 Gruppe vom Basisziel entfernt, die Jünger waren kurz davor ihre 8 Gruppe zu killen. Dann kam es zu einer Reihe von "Versuch-zu-gewinnen-und-kollektives-Verhindern" Aktionen, an deren Ende die Geldvorräte arg minimiert waren. Nun kommt das menschliche Versagen ins Spiel. Ich bildete mir die ganze Zeit ein (und sprach es auch aus, nur der fragende Blick von Sa.- erregte nicht genug Mistrauen in mir) ich könnte in Allianz mit dem Netzwerk gewinnen, indem wir unser Geld zusammenschmeissen, Sa. zwei Gruppen aus der Machtstruktur Shangri-La's löst und mir (für das ganze Geld, quasi) eine abgibt. Ich bereitete die Aktion mit einer (im Nachhinein schlimm hirn- und wirkunglosen) Scheinattacke vor, die den Verteidigern das Geld aus der Tasche ziehen sollte. Mehr fragende Blicke von allen. Dann war Sa.- an der Reihe und zauberte eine Sonderkarte aus dem Ärmel (die hat ich wirklich nicht gesehen)... privilegierte Angriff, übernahme einer blöden pissigen Minigruppe aus dem Pool der unkontrollierten Karten. Aber die zehnte Gruppe. Tusch, Vorhang, Einzelsieg.
Naja, ist schön wenn auch mal Sa.- sich in die Liste der Sieger eintragen kann. Und es war ein echt langes Spiel. Und ich hatte viel Bier... da kann man all die Fehler schon mal verzeihen.

In other news... gestern hab ich die ersten drei Seiten meiner Dissertation geschrieben. Also, nicht die "ersten drei Seiten" (Seitenzahl 1-3) sondern überhaupt mal drei Seiten, hab mit dem Methodenteil angefangen. Macht Spaß. Ausserdem hab ich Computerprobleme behoben (ne abgerauchte Netzwerkkarte... schon wieder dieses "Netzwerk") und mich mit dem \fancyhdr Paket begonnen vertraut zu machen. Sieht einfach schön aus, wenn die Seitenzahlen oben am Rand stehen, ne Linie auf der die Kapitelzahl und so steht. So ganz funzt das noch nicht -- auf den ersten Seiten eines \chapter macht er noch immer das normale Layout. Aber dafür hab ich die Lösung schon gefunden, muss es nur noch einfügen (ich hatte mir vorgenommen nicht mehr als 1h am Layout zu basteln. Ich wollte ja Inhalt produzieren, nicht Äusserlichkeiten tunen). Man muss (anscheinend) dafür sorgen das auf der Seite nicht das Layout auf plain zurückgestellt wird (was wohl ein \chapter Befehl tut) indem man entweder mit \thispagestyle{fancy} sozusagen lokal das schöne layout erzwingt. Oder man definiert den "plain" style mirnixdirinx um indem man ihn quasi auf den "fancy" style symlinked, sozusagen.
Ah, wie auch immer. Mit Layout kann man sich schon Stunden und Aberstunden Zeit verbrennen. Das darf nicht zur Obsession werden, sonst wird die Diss nicht fertig!

Dienstag, Mai 08, 2007

Mensa Nostalgie

Hatte gerade in der Mensa DAS Mensaessen überhaupt, das Ur-Mensaessen, das Uber-Mensaessen... SchniPoSa!(1)
Ein lappenartiges Formfleischschnitzel (angeblich vom Schwein) in Panade ohne Ende, dazu Pommes (schön fettig und salzig) und ein schlaffer Salat. Und das tollste ist - es war lecker!! Es passt gut zum Ambiente der Mensa, der Massenabfertigung von nervigen Studenten und flapsigen Forschern, zu den hirnlosen Gesprächen um einen herum. Da wird man ganz nostalgisch. Ich könnte nie in einer schicken Firmenkantine essen, oder womöglich mittags immer zu nem Imbiß gehen. Ich mag doch die Mensa... **schnüff**

(1): Schnitzel-Pommes-Salat... kommt von meinem Kumpel Holger diese Bezeichnung, der das auch immer in seiner Marburger UniMensa verputzt hat.

Montag, Mai 07, 2007

aber beim nächsten Mal...

Man sagt sich ja oft: "das war das letzte Mal, beim nächsten Mal werd ich stark sein und ablehnen| lass ich mir das nicht mehr bieten| mach ich das nicht mehr" und so weiter und so fort etc pp.
Na klar. Und wenn es dann dazu kommt, wenn plötzlich doch wieder eine offene Zigarettenschachtel da liegt oder wenn dass, was einen so sehr stört doch wieder passiert oder wenn man eigentlich den ganzen Tag was unangenehmes zu tun hat. Dann steckt man sich wieder eine an. Oder schaut doch wieder über den Ärger hinweg und entschuldigt alles. Und surft wieder nur den ganzen Tag im Internet.
Warum?
Vielleicht weil die ständigen "letzten Male" ein Ausdruck dafür sind, dass man, was auch immer es ist, eigentlich nicht ändern kann. Dass einem die Kraft, der Wille oder auch der Mut dazu fehlt. Weil wenn man das alles hätte, dann müsste man sich ja nicht vornehmen "beim nächsten Mal" alles richtig zu machen. Sondern würde es sofort tun.
Man sollte also weniger (innere) Reden schwingen sondern mehr handeln. Bzw sich gut überlegen ob man wirklich an den Dingen etwas ändern will, oder ob diese Vornehmerei nur ein Ausdruck für etwas anderes sind, für Unmut oder Unzufriedenheit auf einem ganz anderen Gebiet, der sich nur "ortsfremd" entlädt. Weil man sich ja kurzfristig so gut und unheimlich stark fühlt, wenn man eine (wenn auch nur imaginäre) harte Grenze gezogen hat.
Lieber offen zu einem selber sein, keine pseudo Grenzen ziehen. Entweder handeln oder es lassen, und genug Mut haben über die wahren Gründe für eine Unzufriedenheit oder ein Problem nachzudenken.
So, oder so ähnlich. Nehm ich mir fest vor... für das nächste Mal... :-)

Freitag, Mai 04, 2007

Alles geht den Bach runter

Vermutlich Materialermüdung. Jedenfalls hab ich gestern nachmittag* auf die Taste von der Klospülung gedrückt und es macht KRACKS und der Knopf blieb innen im Spülkasten hängen, zudem mischte sich das unverkennbare Geräusch von klapperdem Plastikschrott in das sonore Rauschen des Wassers. Aha. Kurzerhand den Deckel abgenommen und was seh ich -- nichts schlimmes, nur der Stift, der den Knopf im Deckel mit dem Wipphebel des "Auslösers" verbindet hat es aus der Verankererung gerissen. Nun kann man entweder einen Draht da anbringen oder, teure Lösung, einen neuen Wasserkasten installieren. Ich hab erstmal den ganzen Knopf ausgebaut und nun musste man mit dem Finger ein wenig in den Wasserkasten stochern (durch das Loch, wo einst der Kopf war) und den Wipphebel per Hand betätigen.
Null Problemo. Ich kann das, meine Freundin (gerade zu besuch) hat auch gesehen wie es geht... nur hab ich nicht bedacht, dass heute unsere Reinigungsfachkraft** kommt. Und was hör ich grad am Telefon... die behauptet, dass man da nun nurnoch mit dem Eimer nachspülen kann! Höä? Meine Freundin wollte der angerückten Vermieterin zeigen wie es geht, aber was ist? Der ganze Mechanismus, der ganze Wipphebel des Auslösers futsch! Die Reinigungsfrau behauptet natürlich, sie wars nicht. Ah ja klar. Weil... ach egal. Nun müssen wir doch den Klempner rufen und mein kleiner DIY trip ist hiermit zuende. Und zahlen muss ICH das dann vermutlich auch wieder... ätzend. Naja, ich schau mir das heute abend mal an, vielleicht ist ja der Wipphebel nur "unsachgemäß" verwendet worden: meier Meinung nach demontiert man den, indem man ihn nach oben abzieht. Vielleicht ist der Reinigungskraft die "geistige Leistung" nicht gelungen die Bewegung des Knopfes (NACH UUUUUUNTEN... gottverdammich) nachzuvollziehen...

*: warum bin ich nachmittags zuhause? Ich hab mir eine kleine Magenverstimmung eingefangen und deshalb einen Tag pausiert.
**: warum haben gerade wir ins unserer WG eine Reinigungsfachkraft?? Also, das ist eine lange Story. Eigentlich ist die bei meiner Vermieterin (die ja im Haus wohnt) angestellt. Und alles geht auf einen fetten Streit um angeblich mangelhaft von uns (bzw von mir, ich bin bei solchen Dingen immer der Böse weil mein Mitbewohner immer auf lieben Schwiegersohn macht) gereinigte Treppenhäuser. Nun, ich find es überflüssig, besonders weil ja nun wieder eine Untermieterin unserer Vermieterin das Klo mit uns teilt. So langsam geht mir die Bruchbude echt auf den Sack und ich fühl mich, trotz der günstigen Miete, ganz schön verarscht...

Freitag, April 27, 2007

Das Wetter (natürlich)

Ah, das gute alte Wetter. Immer für eine gesprächliche Notlage gut, man kann es mit Wildfremden im Bus diskutieren oder bei einem langen Frühstück mit der Lieben, man kann es beschimpfen oder mögen oder umgekehrt oder alles am gleichen Tag. Wetter ist was Feines.
Besonders wenn es so ist wie es derzeit ist. Nämlich schön. Die Sonne scheint, es ist für Ende April erstaunlich warm und schwül (>25°C). Ich kann in kurzen Hosen herumlaufen und es erscheint völlig normal. Nett. Eisessen und ohne Zudecke pennen. Sonnencreme. Und, ja ich geb es zu, Mädels in knappen Sachen in der Fußgängerzone.
Aaaaber da haben wir es ja schon wieder. Die Unkenrufe. Waldbrandgefahr und Ernteausfälle und zu trockene Flüsse. Das ist mal wieder eine Lektion in "alles ist relativ". Während ich mich über meine Shorts freue, fackelt vielleicht gerade eine Fichtenschonung nieder, schrumpelt der Mais auf den staubigen Acker von Bauer Bruno zu einem bankrotthaften Gestrüpp zusammen und fährt ein Flußschiff voller rauchender Schwefelsäure auf eine Untiefe bei der Loreley. So läuft es eben. Des einen Freud ist des anderen Leid.

Donnerstag, April 26, 2007

heraus zum revolutionären/autonomen/hedonistischen 1. Mai?

Ah, bald ist es wieder soweit. Kampftag der Arbeiterbewegung, Tag der Arbeit oder Maifeiertag (wiki). Nun nun, traditionell geht "man" als "Linker" an diesem Tag raus auf eine Demo, demonstriert diffus gegen den gar nicht so diffusen, allumfassenden Kapitalismus und schwelgt ein wenig in kollektiver Träumerei von einer besseren, freieren Welt. Ohne Luxuslimousinen, die Mountain Biker plätten. Oder vielleicht mit Luxuslimousinen für alle, je nach Geschmack. Ich nehm mir das jedes Jahr auch vor. Ein in kleiner Rückblick auf meine Historie der ersten Maie entblößt jedoch meine Zugehörigkeit zum (gar nicht so kleinen) hedonistisch-alkoholikalen Flügel der anti-autoritären Anarchisten... sprich, ich knülz mich jedesmal am Abend vorher auf irgendeinem Tanz in den Mai derbe weg, schmeiss dem Brauerei-Industriellen-Komplex abartig viel fieses Geld in den Rachen und Tanz bis mir die Socken (Kinderarbeit) oder Schuhe (Billiglohnland) rauchen. Ergo: Kater. Schwerer Kater. Maidemos im Westen der Republik neigen zu Anfangszeiten, die vielleicht den linksliberalen Christenflügel mit ihren puritanischen Faltenärschen (stehen mit den Hühnern auf) gut ins Konzept passt. Ich kann mir jedenfalls nicht schon um 10 das "Kommandante Che Guevara" Lied vom Lauti-Wagen der nervtötenden Sozialistischen Alternative anhören. Das macht meine substanzbedingt angefressene Hirnrinde nicht mit. Krieg ich Kopfschmerzen.
In Berlin gibt es eine Demo um 18 Uhr. Das wär eher was für mich.
Andererseits versuchen die Nazis natürlich auch, den 1. Mai für sich zu claimen. Was kapieren die eigentlich an "Kampftag der Arbeiterbewegung" nicht? Vermutlich haben die nach "Kampftag" aufgehört zuzuhören, und dachten "geil, da machn wa mit". Oder vielleicht muss man sich der historischen Frage stellen, ob die Arbeiter per se immer Kommunismus und Solidarität der Völker wollten, oder ob unter den Rechtswählern in Weimarer Republik und BRD und DE nicht doch auch der eine oder andere "Arbeiter" gewesen ist... hüstel hüstel... Wie dem auch sei, die Nazis marschieren am 1. Mai auch, nämlich wie es scheint hier und hier und hier nicht aber hier und hier und hier auch. Oh. Da ist ja richtig was los. Da kriegt man ja schon grad wieder dieses nagende schlechte Gewissen, nicht auf einer (Gegen-)Demo zu sein...
Das ist sowieso mein zentrales Gefühl am 1. Mai seit ich politisch (und versoffen) bin: schlechtes Gewissen, wegen politisch und wegen des hemmungslosen Suffs natürlich auch (obwohl der hier) ja erklärt, dass letzteres zumindest falsch ist.
Seufz. Wir werden sehen, was es dieses Jahr gibt...

Montag, April 23, 2007

noch was vergessen: VfL Bochum

Vorhin hab ich noch was vergessen: der VfL Bochum hat natürlich am Wochenende einen glorreichen Sieg eingefahren, ein monstermässiges 0:3 in der Fremde in Frankfurt. Damit hat man sich, vier Spieltage vor Ablauf der Saison ein wenig freigeschwommen und steht nun auf Platz 11, immerhin mit 36 Punkten ein Minipolster von 3 Punkten auf einen Abstiegsplatz.
In die Freude knallt direkt aber wieder ein negative VfL Nachricht -- Gekas, der coole griechische Stürmer des VfL, wechselt zur neuen Saison zu einem neuen Verein. Ausgerechnet nach Leverkusen! Äh. Grund: angeblich will Gekas trotz finanzieller Verrenkungen des Vereins einen "Karriereschritt" machen.
Na super. Es ist immer so. Eine lange Reihe von guten Spielern (z.B. Bastürk, Mahdavikia, Edu und nun Gekas) ist beim VfL gut und wird bei nächster Gelegenheit verkauft, um in anderen Vereinen die Früchte der Ausbildung in Bochum* zu ernten. Unfair und gemein.
Aber naja, als Fan vom VfL ist man ja einiges gewöhnt. Hauptsache Klassenerhalt diese Saison, sag ich.

*: Parallelen zu meinem Leben sind rein zufällig und was völlig anderes, versteht sich...

versch. Geplauder

Na super. Da kau ich am Wochenende Kaugummi während ich mit meiner Freundin im Bus sitze, auf dem Heimweg vom Shoppen, und was passiert? Zack, klimper, klirr fällt mir eine Krone raus. Ja, so ein teures Ding was man im Mund rumhängen hat. Echt wunderbar, am Samstag. Nun natürlich die Frage -- zahnärztlicher Notdienst oder nicht?! Aber ich hab mich dann nach eingehender Untersuchung und halbstündigem Gejammer (danke an meine Freundin, dass sie DAS ertragen hat!) dazu entschieden, die Zähne zusammenzubeissen... ähm... die Arschbacken zusammenzukneifen und zu warten, bis ich wieder in meiner eigenen Stadt bin. Morgen früh Termin. Bibber schlotter zitter, ich geh nicht soooooooooooo gerne zum Zahnarzt...

Schön war, dass ich letzten Donnerstag endlich mal wieder klettern gegangen bin, nun da ja meine doofe Operation verheilt ist. 5+, 5+, 5+, 5+, 4 und 4 war die Bilanz. Nicht schlecht, fürs erste mal seit langer Zeit. Aber dicke Arme hat ich schon. Heute geht es weiter, ich freu mich schon. Hab mir aber vorgenommen erst mal brav im einfachen Bereich zu bleiben, muss schön in aller Ruhe wieder Kraft und Ausdauer aufbauen. Acht Wochen Pause sind einfach doch zu viel.

Ausserdem hab ich heute morgen (im Zug nach Ac) endlich "Moby Dick" durchgelesen. Ich hatte mir ja so eine schöne englische Studienausgabe für 3,95€ zugelegt, complete and unabridged. Wow, das war klasse, viel dichter und irrer kommt die ganze Ahab-Angelegenheit rüber als in dem alten oder dem sehr guten neueren Film. Aber man muss dem Herman Melville ja auch attestieren - geschwätzig war er ja auch. Einige Teile des Buches waren auch recht langatmig. Letztlich aber ein Klassiker und wirklich, wirklich lesenwert. Avast! Man the top-mast!

Mittwoch, April 18, 2007

gaming tuesday

Gestern abend mal wieder unsere Illuminati-Runde. Es gab mal wieder das eine oder andere Bierchen, viel zu viel Knabberkram und Rückenstecherei par excellence.
Und, ich konnte mich wieder an die Spitze der Tabelle setzen, in dem ich einen grandiosen Einzelsieg errungen hab. Hier die Statistik:
M.- Diskordische Gesellschaft
Su.- UFO's (Siegbedingung: 5 verrückte Gruppen)
L.- Netzwerk
K.- Bayrische Illuminaten
Ich- Kirche des Subgenius (Einzelsieg)

Nach Su. uns beim letzten Mal mit den UFO's so grandios abgezockt hatte, waren wir diesmal auf der Hut und haben sie genau im Auge behalten. Netzwerk und Bayern waren zu Beginn und in der Mitte des Spiels dominierend. Diskordier und meine subgeniale Kirche hatten zu Beginn ziemliche Schwierigkeiten. Während ich, indem ich die Stärke der Gruppe (das Geld) mit weiteren reichen Gruppen (Finanzamt, Yuppies) untermauerte und so nach und nach eine schlagkräftige Struktur errichtete, konnten die Diskordier nie wirklich Einfluss erringen. So arbeitete ich mich nah an meine Siegbedingung (in dem Fall 9 Gruppen) heran. Nun hatte ich das Glück, dass vor mir Bayern-Netzwerk-UFOs am Zug waren, und sowohl die Bayovaren als auch die UFOs (vermuteten wir) recht nah am Sieg waren. Also kloppten die sich um eine Gruppe in der Machtstruktur der UFOs, das Silicon Valley. Ich konnte dies durch geschicktes Anheizen und Unterstützen noch fördern -- und als ich an den Zug kam, waren die Geldreserven der UFOs fast erschöpft. Ich sah meine Zeit gekommen, deklarierte einen privilegierten Angriff auf das Silicon Valley, um diese Gruppe und ihre Marionette in einem Zug zu übernehmen und so zu gewinnen. Zwar mischten sich die Diskordier noch ein (Sonderkarte Einmischung) aber meine, durch zwei Vorbereitungsrunden angeschwollenen Geldspeicher reichten für beide Gegner aus.
Lustig wars. Eine Runde, die von zwei Dingen geprägt war -- Würfelpech in entscheidenden Situationen und geschickter Einsatz privilegierter Angriffe. Wir werden zudem immer besser was das vorraussehen von Plänen und Möglichkeiten angeht.
Zunehmend unterhaltsam, das Ganze.

Desweiteren hab ich eine Gruppe entworfen...
"die Zugverspätungen"
wer hatte noch nicht das Gefühl, dass hinter all diesen Verspätungen und Störungen im Betriebsablauf eine Verschwörung steckt?
Macht: 0/1
Verteidigung: 1
Einkommen: 0
Fähigkeit: der Besitzer der Karte kann einmal pro Zug eine beliebige "friedliche" Gruppe in "gewalttätig" ändern (hält einen Zug lang an)

Dienstag, April 17, 2007

Morde an US-Uni

An einer Universität in den USA hat es einen Amoklauf gegeben, gestern. Krass. Hier ist ein Spiegel-Online Artikel dazu. Dabei sind wirklich viele StudentInnen erschossen worden. Noch ist gar nicht klar, ob der Täter selber Student war (so ein Fall von hat-die-Prüfung-nicht-geschafft und rächt sich??) oder was. Auch ist mir zumindest überhaupt nicht klar, was da passiert ist. In den Nachrichten wurde auch von einer weiteren Schießerei einige Zeit vor dem eigentlichen Blutbad gesprochen.
In Ermangelung an echten Fakten bewegt sich die Berichterstattung auf drei Hauptrichtungen: 1) Erinnern an vergangene Ereignisse dieser Art (z.B. Columbine); 2) Kritik an der Hochschule und der Polizei, weil der Campus nicht evakuiert wurde und 3) Diskussion über das Für und Wider der amerikanischen Waffengesetze.
Also, ich weiß ja nicht ob man einen ganzen Campus evakuieren kann, an dem 25.000 StudentInnen studieren und auch leben. Und natürlich, es ist leicht in Amerika an Waffen zu kommen -- aber in Deutschland gab es auch ein Schulmassaker und wir haben nun wirklich nicht sonderlich liberale Waffengesetze. Andererseits behaupteten sie gestern nacht in den Tagesthemen, dass Erschiessen die zweithäufigste Todesursache für junge Erwachsene in den USA sei. Gottchen, irgendwas stimmt da auf jeden Fall nicht in der Gesellschaft.
Ich bin schockiert darüber, dass es an einer Uni passiert ist. Sollte doch meinen, dass man auf dem langen Weg bis in die Uni schonmal als potentiell gefährlich aufgefallen ist? Das eher "vernünftige" Menschen studieren?? Ok, wenn man sich dann andererseits das Treiben auf Studiparties ansieht (ich erinnere nur an die berühmt-berüchtigte BioParty in Bochum) dann ist das schon wieder in Frage gestellt.
Will nur hoffen, dass sowas hier an meiner Uni (immerhin ja auch eine technische Hochschule) nicht auch passiert. Muss man demnächst womöglich befürchten nach einer Prüfung, bei der man als armer kleiner Doktorand beisitzt, vom aufgebrachten Studi abgeknallt wird?
Naaah, ich find immer man darf solche Katastrophen, so schlimm es ist, nicht als Anlass dafür nehmen in eine permanente Angst zu geraten, womöglich "nur für den Fall" selber eine Waffe einzustecken oder so. Eskalation hat noch nie genützt.
Ist eine echt bittre Sache und ich bin tatsächlich etwas schockiert. Was muss eigentlich passieren, damit eine Gesellschaft den Willen bekommt zur Änderung von althergebrachten Dingen, die sich als schlecht erweisen? Bin mal gespannt ob im Zuge dieser Morde eine Diskussion in den USA startet, die vielleicht einem etwas liberaleren Strom in der Gesellschaft Aufschwung verleiht? Soweit man das aus der Ferne beobachten kann, wird es interessant sein ein Auge darauf zu haben. Weil immer nur Trauerreden und Schweigeminuten von Präsident und Parlament, dass kann es nicht sein, oder? Politik muss doch auch agieren, nicht immer nur reagieren.

Montag, April 16, 2007

Wow, Sommer!

Also, er war ja immer der Prügelknabe der Monate, der getretene Hund der Jahresunterteilungen. Aber nun hat der April bei mir einen Stein im Brett. So cooles Wetter, also, ich bin dankbar. Ein hipp-hipp-hurrah auf die Klimaerwärmung, könnte man sagen. Schon am Anfang des Frühlings in kurzen Sachen draussen herumrennen und so, herrlich. Am Freitag spontanes Picknick im Park bei mir gegenüber. Meine Freundin und ich haben einfach die Teller und die Töpfe mit den Spaghetti und der Soße ins Grüne getragen und auf ner Decke in der Sonne zu Abend gegessen. Kann man sich was schöneres vorstellen? Und am Samstag Grillabend bei meinem Chef, auch das sehr gesellig und sommerlich -- immerhin ohne schwere Jacke oder so bis 22 Uhr drausse gesessen und Chevap- ähm, also, diese Knoblauch-haltigen, länglichen Frikadellchen gegessen. Haben meine Freundin und ich gemacht.

Rezept:
Unaussprechliche Knoblauchige Längliche-Hackfrikadellchen
1 kg Hack (Halb/Halb)
Halbe Knolle Knoblauch (mit der Presse)
1 Packung Tiefkühlgewürze
Salz, Pfeffer
... und das ganze lange, lange Kneten und 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen (ist aber auch eine Aufregung) vor dem Formen. Sehr heiss und knusprig grillen!


Ansonsten hab ich mehr und mehr Splitter von Ideen für ein eigenes Fantasy-Setting im Kopf, dass vor allem die Idee von Fantasy-Raumfahrt und so als Kick hat. Eine Welt, die schon eine magische Hochkultur hervorgebracht hat, welche den Planeten dann "mysteriöserweise" verlassen hat, die Nachfahren (Menschen) die mit all den versprengten Überresten zu tun hat (Artefakte, arcane Magie) und so. Dann gibt es ein Reich/Empire, in dem eine anti-arcane Staaträson vorherrscht. Und irgendwas mit Raumfahrt im Ätherraum, vielleicht gibt es da "Ätherische" (so was wie Hochelben bei Tolkien) und Äther-Drachen und andere Wesen, vielleicht ist die Jagd auf die (magische Rohstoffe?) der Grund für die "Raumfahrt". Andere Fantasywelten, "Raumstationen" (alles auf Magie aufgebaut) der Ur-Zivilisation etc etc. Ich könnt mir vorstellen das mal anzufangen, vielleicht mit einer Übersicht über die Welt (das ist die Heimatwelt der alten Kultur und Startpunkt der Abenteuer) und ein wenig der Besonderheiten des Settings anfangen. Ich hab nämlich auf der ICE homepage spreadsheets für das Erzeugen von races und professions gefunden -- das wär natürlich verlockend, da eine Menge eigenes Zeug einzubauen. Und ausserdem ein wenig epischer und magischer zu spielen, als es in unserem angestammten Mittelerde-Setting angesagt ist. Naja, nur ein paar Ideen. Mehr dazu bestimmt später einmal...

Donnerstag, April 12, 2007

deutsches rolemaster

Ach, ganz unbemerkt von mir (quasi unter meinem Radar hindurch) hat jemand die deutsche Lizenz für das Rolemaster FRP von ICE erworben und schon vor einiger Zeit eine deutsche Version davon zu bauen begonnen. Das ist großartig. Ich erinnere mich nur zu gerne an die wundervollen deutschen RM2 Bücher im protzigen Kunstledereinband, die uns damals den Umstieg von MERS in die große weite Rolemasterwelt mit Ehrfurcht und Stil versüßt haben. Die Leute von sonnenfeste.de wollen zudem die deutsche Version grafisch modernisieren (das find ich gut) und nutzen, wie mir scheint, den Prozess der Übersetzung auch zu einer Fehlerbearbeitung. Auch das find ich gut. Irgendwie hatte man bei den RMFRP (so gerne ich ICE hab) manchmal das Gefühl, dass sie ein wenig "husch-husch" zusammengeballert waren.
Freu mich jedenfalls auf die deutschen Bücher und werd ganz sicher eines in meine Sammlung aufnehmen. Und das Forum auf der Webseite wird vielleicht einmal so was wie ein Portal für die (auf jeden Fall vorhandene) deutsche Rolemaster-"Szene". Sicher noch mehr, wenn mal tatsächlich die Bücher in den Buchläden stehen.
Was cool wäre, wenn die eine Fantasy-Welt dazu vermarkten würden. Manche wünschen sich die Shadow World von ICE, weiß aber nicht ob die deutsche Lizenz das einschliesst. Das schön ausgearbeitete Fantasywelten durchaus ankommen in DE sieht man ja zum Beispiel an der Welt vom "schwarzen Auge", das ja nicht nur ganz nett (auch wenn ich selber nicht darin spiele) sondern anscheinend auch ganz erfolgreich ist.
Ich würd mir was wünschen, was die unglaubliche Flexibilität von RMFRP und die coolen "high-power" Möglichkeiten ausnutzt. Vielleicht was mit verschiedenen Welten (inklusive Fantasy Raumfahrt) oder "Planes" oder so. Vielleicht kann man dann ein "Techlevel" System einführen?
Ach Gottchen, dass sind wirre Ideen und gehören nun gar nicht hierher. Bin jedenfalls mal gespannt, wie "RMFRP-DE" sich macht...

Dienstag, April 10, 2007

Abenteuerschauplätze im Vergleich: Folge 3

Die Stadt

Zunächst einmal zur Abgrenzung: ja, es gibt Städte in deren Einbahnstraßengewirr sich eine gestandene Abenteurergruppe verlaufen würde, mit Vierteln die gefährlicher sind als die siebte Ebene vom Kerker der Verzweiflung. Und genausoviel Müll liegt auch herum. Aber Städte sind keine Dungeons.
Das liegt daran, dass ein Großteil der Bevölkerung einer Stadt friedliebend ist und einen Sinn hat, während im Dungeon alles voller Monster wuselt und Sinn mit der Lupe gesucht wird.
Städte sind Orte voller Möglichkeiten. Hier wird gekauft und verkauft. Es wird gegaukelt und stiebitzt, es wird geredet und gesungen. Abenteuer die in Städten spielen sind meist farbenfroh, kompliziert und unterhaltsam. Nicht seicht, aber locker. Wie Städte und Städter eben so sind.
Städte sind friedliche Orte. Hier schweigen die Waffen, hier regiert die Wache und das Gesetz. Auch in Vierteln, in denen die Stadtwache sich nachts nichts getraut -- denn hier regiert das Gesetz der Unterwelt. Der Diebesgilden und Mafiosi. Weil, Städte sind hochstrukturierte Orte, in denen enggeknüpfte soziale Netzwerke zum Verhandeln, Intrigieren und Kompromisse-schliessen einladen. In Städten schmollt der Barbar, der Zwergenkrieger reibt sich verlegen den Bart (weil er seine Axt am Stadttor abgeben musste). Dafür frohlockt der Barde. Und der subtile Mentalist wetzt seine Beeinflussungs-Zauber, auf dem Weg zum Bankett beim Bürgermeister.
Städte sind also rollenspiellastig. Es wird geredet. Es wird geplant und wenig gewürfelt. Viele Menschen mögen das, anderen fehlen zünftige Kämpfe. Aber auch wenn die Langeweile den Krieger zu Dummheiten treibt - dies sollte vermieden werden. Städte sind Orte der subtilen Vorgehensweise (zumindest nach Maßstäben einer durchschnittlichen Abenteurergruppe). Es gilt die Gilden, die Bürger, den Kanzler und was weiss ich nicht alles für Sitten, Gebräuche und unausgesprochene Tabus zu beachten. Wers mag, wird eine großartige Zeit haben. Nur die Phantasie der Spieler und SLs begrenzt die Komplexität dieses Schauplatzes.
Apropos. Im Grunde genommen gibt es nur zwei Typen von Städten im Fantasy-Rollenspiel. Es gibt "die Stadt" und es gibt "die Stadt + x".
"Die Stadt" ist sich im Grunde überall gleich. Oft existieren wundersamerweise keinerlei Karten von diesen Ortschaften. Es gibt ungewöhnlich stereotype Tavernen, einen Markt, es gibt sogenannte "Ausrüster" (Läden, die nur den Zweck erfüllen, grässlich langweilige Einkaufstouren abzukürzen) und halt alles was man so braucht. Schmied. Diebesgilde. Puff. Im Grunde gilt für "die Stadt", was für die Einkaufspassage der westlichen Welt gilt: kennst du eine, kennst du alle.
"Die Stadt + x" hat nun alles, was "die Stadt" auch hat, plus eine (und meist auch nur genau eine!) Besonderheit. Eine besondere Sitte oder ein spezielles Gesetz. Kanäle anstatt Straßen. Einen hohen Anteil an orkischer Bevölkerung. Eine Schwebebahn. Ein ordentlich ausgebildeter Abenteurer lässt sich von der "Stadt + x" nicht täuschen und steuert zielstrebig die ebenso stereotypen Tavernen und Puffs und Ausrüster an. Weil letztlich... aber wollen wir mal nicht so sein. Es gibt schon ziemlich freakige Städte in dieser Kategorie. Schwebende. Schwimmende. Oder welche, in denen das Standard-Geldsystem der Spielwelt nicht angewendet wird, sondern die Münzen nach dem Hexadezimalsystem funktionieren. Da kann man schon mal ein echtes Abenteuer erleben, wenn es nur darum geht die Brückengebühr zum betreten der Stadt zu entrichten.
Ist man einmal drin spaltet sich das Abenteurerleben in der Stadt recht dichotom. Entweder, man shopped nur kurz und ist nach einem Bad wieder in der Wildnis. Oder man erlebt ein eigenes Abenteuer in der Stadt. Dann geht es aber los. Stadtabenteuer sind, wie oben erwähnt, meist vertrackte Geschichten, bei denen es viele Zwänge und Faktoren zu beachten gilt und die in den allermeisten Fällen durch intensives Rollenspiel (oder sehr, sehr gezielte Schwerthiebe) gelöst werden. Oft geht es kriminalistische Fälle, was interessante Genre-Crossovers zulässt (was trägt ein Kriminalermittler der Stadtwache, wenn es keine Trenchcoats gibt?). Oder es geht um Politik, Intrigen und Verrat. Hier können die Abenteurer meist einiges gewinnen, wenn auch eher ideeller Natur. Gold gibt es, ausser in diesen Riffifi-meets-Rumtifusel-Kampagnen (aka "die andere Seite des Gesetzes") meist nicht so viel zu holen.
Eine dritte Möglichkeit für klassische Abenteuer sind die sogenannten "Katakomben unter der Stadt". Auch Pestlöcher, Kanalisation, Grabgänge. Zumeist die Domäne von schlabbernden Untoten, schmierigen Gangstern oder schelmenhaften Widerstandskämpfern. Da lässt sich dann schnurstraks ein Dungeon-Abenteuer an die Stadt ankoppeln, damit die Spieler maximal ausser Atem kommen und auf dem Rückweg direkt neben dem Ausrüster auftauchen können. "Ah, Venedig!"
Am Ende noch ein Wort der Vorsicht: Städte sind, aufgrund ihrer Komplexität und Vertrautheit im echten Leben, ziemlich schwer zu meistern. Für Spieler wie SLs sind sie anstrengend, denn ein leerer Plan oder Gassen voller namenloser Häuser versauern einem den Spass schon. Man will irgendwie eintauchen, aber es wird einem manchmal nicht leicht gemacht. Hier sind beide Seiten des Sichtschirms gefragt, eine lebhafte, spielerische Umwelt zu schaffen UND gleichzeitig noch das Abenteuer oder so durchzuziehen. Das kann sehr, sehr lohnend sein. Das kann aber auch nach hinten losgehen. Also, lieber erstmal Finger weg von Städten, wenn man noch mit den Regelfeinheiten des Systems oder dem Prinzip des Rollenspiels zu haspeln hat oder man mit einem Haufen pickliger Munchkins am Tisch sitzt, die nur Metzeln wollen...

Sterbepotential: 3/10... Städte sind recht sicher. Ok, es gibt Seuchen. Und Straßenräuber in den miesen Vierteln. Und vielleicht Giftattentate. Oder betrunken Kutschenfahrer, die den Zebrastreifen übersehen. Aber all das kann einen gestandenen, hochstufigen Abenteurer eigentlich nicht wirklich gefährden. Wie in der Taverne droht hier eher Kerker oder derartige Exekutive.
Gewinnpotential: 5/10... meist gibt man Geld aus, die Stadtluft macht zwar frei aber auch arm. Mieten, Unterhaltszahlungen, Schweigegeld. Die Liste ist lang. Gewitzte Abenteurer verscherbeln überzählige Gegenstände, steigen voll in Getreidespekulationsgeschäfte ein oder klauen wie die Raben - daher die mittlere Wertung.
Fun-Factor: 7/10 bzw 3/10... die erste Wertung gilt für rollenspielerisch begeisterte, für die ehrbaren Einbrecher, heißblütigen Händler und blasinstrumentierten Barden. Die werden in der Stadt ihren Spaß haben, ja - sie sind hier zuhause. Mordaxt schwingende Barbaren und introvertiere Waldläufer werden sich etwas deplatziert fühlen.
Grusel-Factor: 2/10... Stadt nicht wirklich grusel-begabt, es sei denn man begibt sich in die Katakomben oder hat mit einer echt unheimlichen Verschwörung auf höchster Ebene zu tun
Gesamtwertung: 6/10... klar, eine Stadtepisode gehört irgendwie in jede Kampagne, und sei es nur Start oder Ende. Dennoch sollte man sich gut überlegen, ob man sich als Gruppe und SL ein ganzes (möglicherweise mehrfache Sitzungen langes) Abenteuer zutraut. Städte können rasch unglaubwürdig und lahm wirken, wenn man sich nicht viel Mühe beim Vorbereiten gibt oder ziemlich gut im Improvisieren ist (Tipp: einmal erfundende Fakten unbedingt mitschreiben!). Und ausserdem haben Städte eine möglichweise immanente Schwäche: man kennt diese engen Straßen und ihre manchmal noch engeren Regularien aus dem echten Leben nur zu gut -- und dem will man schliesslich ja auch irgendwie entfliehen, im Rollenspiel.

Montag, April 09, 2007

Ostern, Zoo und VfL

Bin für ein langes Wochenende bei meiner Freundin in Wuppertal untergetaucht. War dann doch mal nötig so eine Art Kurzurlaub einzulegen nach all dem Stress auf der Tagung. Nun bin ich sehr entspannt und gesonnt und vollgefuttert -- da kann der Rest des Monats maximal fleissig genutzt werden. Will ja diesen (oder Mitte nächsten) Monat im Labor fertig werden.
Aber nun red ich schon wieder über die Arbeit. Gestern waren wir im Wuppertaler Zoo. Am Ostersonntag. Super Idee... ich weiss, aber trotz der Zilliarden von krakeelenden Kleinkindern war es ganz nett. Ich find bei manchen Tieren merkt man leider, trotz der renovierten Gehege, dass sie nicht glücklich sind. Raubkatzen zum Beispiel. Hingegen seh ich mir gerne kleine Tieraffen an, da hat man das Gefühl, die sind recht gut gelaunt. Könnt man stundelang zuschauen, wie die rumhangeln und stressen. Und so ein cooles Wohnzimmer mit Klettermöglichkeiten und Hangelstangen und Liegeplattformen hätte ich auch gerne.
Mir ist allerdings aufgefallen, dass der Wuppertaler Zoo sehr viel Wert darauf legt Tiere zu zeigen, die in anderen Zoos nicht zu sehen sind. Seltene, schwierige Zootiere. Da scheint jemand großen Ehrgeiz zu haben, was die Tierhaltung angeht. Ich hab mich gestern gefragt, ob das nicht manchmal zu Lasten der Tiere geht. Aber ich bin ja nur Zoologe mit Gehirnen, ich will den Herren (und Damen) Kollegen vom Wuppertaler Zoo nicht hereinreden. Aber trotzdem: lieber mehr glückliche Affen oder Erdmännchen oder Otter und lieber weniger sturzunglückliche Leoparden oder so.
Also gemischte Gefühle nach dem Zoobesuch.
Reine Freude hingegen dann am Abend: der VfL Bochum hat auswärts mit einem spektakulären 1:4 gegen Leverkusen ge-ruled! Regiert! Dominiert! Damit nun auf Platz 11 der Tabelle vorgerückt. Ich glaub ich beginne so langsam auf den Klassenerhalt zu hoffen. Aber erstmal vorsichtig bleiben...

Mittwoch, April 04, 2007

Abenteuerschauplätze im Vergleich: Folge 2

Der Dungeon

Sicherlich einer der am meisten geliebten und gehassten Abenteuerorte ist der Dungeon, aka Labyrinth aka Verlies aka Höhlenkomplex. Also, es geht um geschlossene Gangsystem mit Räumen und Türen und Fallen und den zwei wichtigsten Dingen überhaupt, in einem Abenteurerleben: Monster und Schätze. Die einen geben EP, die anderen machen reich. Zumeist haben Dungeons mehrere Ebenen und sind sinnlos. Zumindest klassische, größere Dungeons. Sie sind gebaut worden und werden unterhalten, um von Abenteurergruppen durchsucht zu werden. Punkt. Alle anderen Sichtweisen ("Verliese müssen logisch aufgebaut sein! Wo ist die Küche? Was essen die Monster? Wo gehen sie zum Klo?") sind völliger Humbug und nicht akzeptabel.
Okok, zumindest war dies die klassische Sichtweise. Beim erweiterten Begriff vom Dungeon kann es natürlich schon sein, dass alles irgendwie einen Sinn hat. So kann man große Gebäude wie verwinkelte Burgen durchaus auch als Dungeon auffassen. Dann Sinn natürlich erlaubt.
Dungeons sind nicht nur die altehrwürdigstens sondern auch die verbreitetsten Abenteuerorte. Science Fiction kennt sie als verlassene Raumstationen voller Aliens, cthuluider Horror kennt sie als ägyptische Pyramiden, Wild West kennt sie als alte Goldmine.
Der distillierte Dungeonspaß kann übrigens in dem unterhaltsamen Kartenspiel "Munchkin" hervorragend nachgestellt werden ... hier geht es nurnoch darum Türen einzuwemsen, Monster zu plätten und Schätze zu schleppen. Endlich bringt es mal einer auf den Punkt.
Dungeons können alles. Sie können unglaublich gruselig sein. Oder mysteriös rätselhaft. Und meist findet man sie am Ende eines Handlungsstrangs, wo sich ein wichtiges Item oder der Oberfiesling irgendwo ganz tief da unten verbirgt. Daher stets dieses Gefühl im Nacken, wenn ein Rollenspieler das Wort Dungeon vernimmt, diese Mischung aus Entdeckungslust, Angst und Kampfeslaune. Und was ist schöner, als säckeweise Gold und Gegenstände auf seinem Ausrüstungsblatt zu notieren?
Schön ist, dass Dungeons auch das Zeichentalent der Spieler fördern. So mancher Schlauberger versucht mit der Ausrede "mein Charakter kratzt die Karte auf die Rückseite seines Schildes" einen Detailplan der Höhle zu erstellen, die der schwitzende SL da hinter seinem Schirm gerade frei improvisiert oder im besten Fall per Tabelle erwürfelt. Da sind dann Szene wie die folgende vorprogrammiert:
SL: (würfelt hinter dem Schirm) Nach etwa 100 Schritt erreicht ihr eine unterirdische Wasserader.
Spieler, Schlauberger: (wühlt in seinem Notizzetteln) Fliesst die von rechts nach links oder andersrum?
SL: (schon woanders mit den Gedanken) Andersrum.
Spieler: Aber aber aber dann passt ja mein Plan gar nicht mehr!
SL: hat dein Charakter sich eben vertan
Spieler: Aber Groknor ist ein Zwerg und hat Höhlenkunde +97. Nie nie nie verläuft der sich. Das Wasser muss von rechts nach links fliessen! (grinst überlegen)
SL: (runzelt die Stirn und seufzt dann) Im Wasser badet ein Höhlentroll...
Alle Spieler: (stöhn)
Naja, so oder so ähnlich jedenfalls soll es schon das eine oder andere Mal vorgekommen sein.
Natürlich gibt es auch eine Menge Kritik am Dungeon, das will ich nicht verschweigen. Wieso sind die Gänge so unpraktisch verwinkelt? Was essen die Monster? Wieso funktioniert die filigrane Falle nach 1000 Jahren immer noch? Wer räumt den Müll weg? Aber ich sag immer, die Antwort ist nicht Magie oder andere Hilfskonstruktionen oder schon gar keine echte Begründungen. Die Antwort ist, alles wird angetrieben, gewartet und begründet von einem Faktor: reinem, puren Spaß! Metzel-, Grusel-, Schätzeeinsackspaß!!!

Sterbepotential: 8/10... so ein Dungeon ist mit seinen Fallen, Monstern und goldgeilen Gefährten ein echt, echt unsicherer Ort. Versicherungen erhöhen sofort die Beiträge, wenn sie mitkriegen, dass dein Charakter vorhat in einen Dungeon zu stiefeln.
Gewinnpotential: 10/10... alles, ich wiederhole, alles was wirklich wertvoll ist, befindet sich in einem Dungeon. Der Ring. Das magische Schwert. You name it, I put it in a dungeon.
Fun-Factor: 8/10... wer Fantasy-Rollenspiel liebt, liebt Dungeons. Die wenigen Weichlinge die was gegen einen Hack-and-slay crawl haben, kennen das süße Gefühl eine sinnlose Tür einzutreten um ein sinnloses Monster um seinen sinnlosen Schatz zu berauben einfach nicht.
Grusel-Factor: 7/10... Untote und Dungeons gehen Hand in Hand. Ich sag nur Gruften und Katakomben. Graue Haare und ein enormer Kaffeeverbrauch bei den Spielern sind völlig normal.
Gesamtwertung: 9/10... immer noch der Klassiker des Rollenspiels und Höhepunkt fast jeder guten Kampagne. Daumen hoch für den guten alten Dungeon!

Dienstag, April 03, 2007

Abenteuerschauplätze im Vergleich: Folge 1

Taverne/Gasthaus

Ahh, die Taverne. Start- und Zielpunkt so mancher Abenteurerkarriere. Von simpel ("Hallo, ich will auf Abenteuerfahrt gehen, nehmt ihr mich mit?") bis vertrackt ("SL: Unter dem Bierkrug klebt ein Zettel mit folgender geheimen Botschaft...") hat schon so manche Kampagne in gastronomischen Sphären begonnen. Dies hat vermutlich seine Entsprechung im echten Leben - wenn bis an die Zähne bewaffnete, skrupellose Gesellen in der Fremde so richtig einem im Kahn haben, dann kann es nur zu Verstrickungen führen. Dann wacht man zwei Tage später aus seinem Vollrausch auf und steckt schon tief in der siebten Ebene des Dungeon. Oder im Bett mit der Frau des Fürsten, je nach Geschmack und Bosheit des SL.
Tavernen und Gasthäuser sind aber nicht nur Startpunkt für Kampagnen, sie sind auch ideal Schauplätze von Ereignissen. Insbesondere als leichte Kost "zwischendurch" geeignet. Wenn die Helden auf ihrer epischen Mission dem dritten heiligen Item hinterherjagen oder noch eine weitere Ebene der Verschwörung ("die Kammerzofe der Schwester des Königs ist eine sauronische Agentin??") entdeckt haben, dann kann es manchmal gut tun etwas heiteres dazwischen zu schieben. Ja, ich meine die Kneipenschlägerei. Immer wieder gern gesehen, eignet sie sich hervorragend um die tatsächliche Schlagkraft eines Charakters mal an standardisierten Dorfbewohnern auszutesten. Idealerweise sollte man nach jedem Stufenaufstieg mindestens eine dieser höchst heiteren Kloppereien anzetteln, zu Testzwecken versteht sich. Teilweise hat die örtliche Klientel, die da so an den Theken im "grünen Drachen" oder "zum Königskrug" herumhängt schon diese schwarz-gelben Aufkleber drauf. Crash Test Dummy's, halt. Nur nicht den Fehler begehen und eine Waffe ziehen -- immer hat der Wirt eine abgesägte Repetierarmbrust hinter dem Tresen oder die Stadtwachen kommen mit heulenden Sirenen gleich im Dutzend auf ihren Streifenpferden angefahren... ähm geritten. Und dann heisst es Ortsverlagerung in den Kerker, und Kerker kommt erst in einer späteren Folge dieser Artikelreihe.
Eine weiteres ganz klassisches Thema ist der Gemeinschaftsschlafraum. Dort steigen arme Abenteuer oder fahrende Ritter ab. Schnarchkonzert in Orchesterstärke, muss man annehmen. Und Geruch. Der durchschnittliche Abenteurer (Jupp Blöd, Kämpfer Stufe 2) hat nämlich nur einen Satz Kleidung und Socken. Wenn überhaupt. Und dann vierzehn Tage Wildnis und jeden Tag Kämpfen und so, und das im Sommer. Und dann Dachkammer ohne Fenster. Ich will es mir nicht vorstellen. Das muss auf die traumatischen Jugendherbergserinnerungen der Spieleschreiber zurückgehen.
Jedenfalls. So ein Schlafraum ist eine Sache für sich. Wenn ein müder Abenteurer da mal eine Nacht ohne versuchten Diebstahl, Meuchelmord, amoröse Verwechslung oder Wanzenepidemie ("Stufe 0, die sind Stufe 0?? Gibt das EP wenn ich mich kratze?") überlebt, dann kann er sich glücklich schätzen. Stress ist gar kein Ausdruck.
Ja, da kommen wir zur negativen Seite der Taverne im Rollenspiel. Es ist ein unglaublich gefahrenlastiger Ort. Schnell hat man sich in einer standardisierten Schlägerei die drei großen Freunde des Dummy's oder gar den Zorn des ganzen Dorfes zugezogen, hat im Gemeinschaftsschlafraum eine geheime Agentenbotschaft zugesteckt bekommen oder aus Versehen die reisende Tochter des Kalifen von Haumichweg geschwängert. Und alles nur, weil man ein Bier, ein Stück Braten und seine Ruhe haben wollte. Eigentlich kann man jedem Abenteurer, der noch etwas anderes zu tun hat nur raten -- bleib in der Wildnis, kauf dir ein Zelt wenn es sein muss, aber lieber den nächtlichen Begegnungswurf riskieren als den SL mit einer Einkehr im Gasthaus "Zum stereotypen Handlungsstrang" auf dumme Gedanken bringen...
(Überhaupt, wie machen die das in den Tavernen immer mit der Auswahl an Braten? Ich stell mir mal vor, ein Gasthaus an einer dieser Fantasystraßen, wo die obligatorische Zwergenkaravane in der Woche mal vorbeischaut. Warum haben die den ganzen Tag mehrere Braten in der Röhre? Was geht da vor? Und wieso wird das Fleisch nicht trocken? Eines Tages wird es ein Abenteuer geben, das diese Mysterien aufklärt. Und die Spieler werden leiden, das steht fest.)

Bewertung für "Taverne/Gasthaus":
Sterbepotential: 3/10 ... ja, es gibt durchaus Gefahren, aber über eine gebrochene Nase und ein vollgekotztes Hemd geht es dann meist doch nicht hinaus. Eher stressig als wirklich gefährlich.
Gewinnpotential: 3/10 ... in den allermeisten Fällen, besonders wenn es richtig hoch her geht, ist der Goldbeutel am Ende eines Gasthaus-Events leerer als vorher. Ausser die Taverne ist ein klassischer Rekrutierungsort, ala "Trolltöter gesucht, Lohn 5GS/Troll VB". Für gewitzte Diebe gilt allerdings eher sogar 5/10. Besonders wenn die tumben Krieger gerade am Boden zwischen den Zigarettenkippen ringen, passen sie zumeist nicht auf ihre magischen Items auf...
Fun-Factor: 8/10 ... hier zeigt der Abenteuerort "Taverne" seine Stärke. Einige der ulkigsten Anekdoten eines Abenteurerlebens können hier ablaufen. Ausserdem kann man wunderbar Spiel und Realität verschwimmen lassen. Prost!
Grusel-Factor: 2/10 ... ja, man hat vom Wirtshaus im Spessart gehört, und auch gruselig hässliche Kellnerinnen soll es geben. Aber nein, wirklicher Grusel kommt in einem Gasthaus an sich nicht auf.
Gesamtwertung: 7/10 ... hier fällt der Fun-Factor sehr stark ins Gewicht, mindestens ein Tavernen-Abend sollte jede Kampagne haben. Ein Muss für jeden SL.

Frühling - kleine Pause

Heute ist das Wetter nicht so toll wie in den letzten Tagen. Was ein Segen für die Pollenallergiker ist, ist etwas blöd für mich, denn ich ohne groß nach draußen zu schauen leicht bekleidet (ähem... soooo leicht nun auch wieder nicht) zur Arbeit gedackelt. Und das rächt sich nun, weil kalt und so. Macht die Sonne doch noch einiges aus.
Bin immer noch ein wenig unter dem Einfluß des durchgearbeiteten Wochenendes in Göttingen. Daher hält sich meine Produktivität in Grenzen, hab gestern nur so Gedöns gemacht wie Reisekostenabrechnung und Vorbereitung meiner Doktorarbeit in Latex. Äääääh, das wird nicht so einfach. Klar, ist nicht gerade "das Rad erfinden" oder "rocket science", doch bis ich das schön am Laufen habe. Naja. Ich werd sicher eines Tages mal hier was darüber schreiben. Hab bereits mehr oder weniger alles installiert und benutze Kile unter Kubuntu (6.06) um das alles zu schreiben. Was ich mir für diesen Monat vorgenommen hab ist: a) ein Beispieldokument zu verfassen, mit Titelseite, Gliederung, Layout, mal ein wenig Text, mal ein Bild mit Caption, mal eine Tabelle, mal Bibtex Literaturverweise, mal halt alle Funktionen die man so braucht. Und dann seh ich ja, ob ich mir das wirklich antun will, ein 100 Seiten, abbildungslastiges Projekt damit anzugehen. b) will ich eine detailierte Gliederung der Doktorarbeit schreiben und vielleicht schon den langweiligen "Material und Methoden" Abschnitt angehen. Da ich ja in Englisch schreiben will, kann ich das recht einfach aus meinem Paper übernehmen.

Naja.
Für diesen Blog hab ich eine Idee gehabt --- ich werde eine lose Artikel-Serie über "Abenteuerorte" im (Fantasy-)Rollenspiel schreiben. Werd glaub ich heute mal den ersten Artikel einstellen.

Samstag, März 31, 2007

Korrespondenz von der Tagung

Hier mal ein kleiner Report von der Tagung der deutschen neurowissenschaftlichen Gesellschaft in Göttingen. Live getippt an einem der Internet-Cafe Rechner, während durzende von leicht ermüdeten Wissenschaftlern darauf warten total wichtige Arbeitsmail zu lesen und zu schreiben. Quasi subversiver Akt.
Tag 3 ist angebrochen, ein klein wenig müde bin ich schön, hab eine Menge guter (und ein paar schlechter*) Vorträge gehört. Hab einige Dutzend Poster betrachtet. Und das klassische Buffett genossen... eigentlich nur Schnittchen, aber der Genuß ist auch nicht das Essen. Nein nein, der Genuß ist das Stürmen und das Drängeln und das viel zu viele Schinkenbrote in sich hineinstopfen. Hehehe. Und dann immer die ständigen "Kaffeepausen" zwischen allem und jedem, ab und zu ein total staubiges Teilchen reingeschoben und wieder einen Kaffee. Ist ein Wunder, dass ich abends überhaupt schlafen kann.**
Wissenschaftlich gesehen (laaaaaaaaaangweilig, ich weiß) hab ich durchaus schon einiges mitgenommen, hab einige Anregungen gefunden was ich noch mit meinen Daten machen könnte, eh ich sie für die Doktorarbeit zusammenschmeisse. Und viele Themen und Methoden gesehen, die wirklich interessant sind. Man muss sich immer zurückhalten, wie beim Klettern übrigens, nicht in diese "oh-alle-sind-besser-als-ich" Stimmung zu geraten. Das wäre fatal. Gestern z.B. wurden so Preise vergeben, kompletti mit riesigem Cheque und solchen Scherzen. Das waren zwei Typen, total jung (einer jünger als ich) aber schon voll dabei und Paper und alles und aufstrebend und support bis zum Erbrechen. Naja, da darf man eben nicht den Vergeleich suchen. Selbstbewusst sein und sagen, auf meine (etwas bescheidenere) Art bin ich auch gut. Lektionen fürs Leben.
Heute abend steht dann noch der Höhepunkt der ganzen Schose an -- Neuro-Disco-Night. Also, tanzende Neurobiologen, Freakshow nix dagegen. Wenn du heute einen so wichtigen Wissenschaftszweig vertrittst, dann musst du halt auch für die Gelegenheit zum intra-ständischen Balzverhalten geben. Quasi genetisches Nachkommendesign mit DJ Beppo oder wie er heisst. Ah, aber das war nicht nett. Aber lustig.
Nun, dass soll es auch schon wieder gewesen sein. Bin ja morgen wieder zuhause, da kann ich von einem vernünftigen Rechner aus ne Nachlese posten...

*: in zis zens... oh no, ze germans again!
**: besonders, weil "die Absteige" echt kurze Betten hat, mannomann, aber für unter 40€ pro Nacht wär ich der letzte der es wagen würde zu meckern, echt

Freitag, März 16, 2007

verschiedener Quatsch (Freitag halt)

Ein paar Tage schönes Frühlingswetter waren das nun. Und meine Freundin ist bei mir zu Besuch. Und ich hab vielleicht über meinen Vertrag hinaus eine Möglichkeit wie es weitergehen kann jobmäßig, zumindest bis Ende 2008 (was schonmal beruhigend ist).
Trotzdem bin ich irgendwie müde. Und mir ist warm. Ausserdem hab ich einen riesigen Bogen Papier (ein altes Konferenzposter) an meine Bürofensterscheibe kleben müssen, weil meine Jalousien kaputt sind. Und das ist in der Hochschule so eine sonderbare Sache - irgendwie gehört alles was aussen oder fest ist, nicht zum Aufgabenbereich des (sonst echt guten) Hausmeisters. Der kann das nur an die zentral zuständige Stelle weiterleiten. Naja, und auf die warte ich seit letztem Herbst, dass die mal einen Techniker vorbeischicken und mein blödes Rollo reparieren. Im Winter fällt einem das nicht so auf, aber nun wo die Sonne langsam wieder rauskommt - zapp! Loch in die Netzhaut gebrannt.

Am Ende des Monats fahr ich auf eine Konferenz nach Göttingen. Das ist auch so eine Sache. Irgendwie rauben diese Konferenzen immer unglaublich viel Produktivität, weil man zig Tage braucht um sein blödes Poster zu designen und zu drucken ... um es dann später als Sichtschutz zu verwenden. Aber andererseits - es zwingt mich auch dazu ein paar Daten, die ich schon aufgezeichnet hab aber nicht ausgewertet, endlich mal ordentlich zu analysieren und archivieren. So hat alles sein gutes. Und ausserdem treff ich ein paar "alte" Leute aus meiner Bochumer Zeit da auf der Tagung, das könnte auch ganz nett werden.

Ein einschneidendes Erlebnis hab ich gestern gehabt - ich hab (weil ich vollgefressen und wehrlos war) eine Folge von "Germany's next topmodel" ansehen müssen. Uuuuh. Ein Panoptikum der Magersucht und der Nervigkeit. Total lobotomierte Freaks mit Beinen wie Streichhölzer. Heidi Klum als Moderatorin... ultra nervig. Das ist so eine Art Castingshow, hab ich begriffen. Da müssen nach und nach Kandidatinnen rausfliegen, klaro. Aber dass die da einen zwanzig Minuten Akt draus machen...
Kandidatin: [stakst nach vorn]
Die Heidi: Wir... (unerträglich lange Pause) ...haben beschlossen... (dramatische Pause)
Kandidatin: [kriegt Wasser in den Augen]
Die Heidi: ...dass... (total unerträgliche Pause)
***WERBEBLOCK***
Kandidatin: [kriegt mehr Wasser in den Augen]
Die Heidi: ...du diese Woche nicht so gut warst wie letzte Woche... (alberner strenger Blick, ca 30 Sekunden dramatische Pause)
Kandidatin: [zappelt rum, Hirnschlag steht bevor]
Die Heidi: ...aber... (ein kleines Lächeln, Ewigkeit Pause)
Kandidatin: [kriegt große Augen, Unterlippe zittert]
Die Heidi: ...du bist weiter dabei! Toll! Super! Klasse! Sahnetorte für alle!
Kandidatin: [freu] Danke, aber für mich nur ein kalorienarmes Stück Gurke, ich wieg ja schon über 40 Kilo, ich fette Sau (... usw usw)
ICH KANN GAR NICHT SO VIEL ESSEN WIE ICH KOTZEN WILL!
Das war das schlechteste Stück Fernsehen, dass ich je gesehen hab. Verschwendung von Festplattenplatz, Verschwendung von Satellitenbandbreite, Verschwendung von Elektronen. Lächerlich.
Warum? Warum nur? Da muss man ja doch anfangen an einen Gott glauben, an einen grausamen Gott. Herr, warum strafst du uns? Ist es, weil wir gesündigt haben? Weil wir reife, schön proportionierte Frauen begehren? Schickst du uns deswegen die Furien der Apokalypse in Form von halbverhungerten, kaum volljährigen Gören, die sich für begabte Models halten? In Form von tuckigen Moderatoren die ein Pidgin-German radebrechen, dass einem der Cheeseburger hochkommt? Herr, wenn du die Welt vernichten willst, dann tu es! Lass es raus! Vernichte diese mißglückte Schöpfung mitsamt den Fanatikern und Terroristen und Volksmusikern und Atombombenbauern! Tu dir keinen Zwang an. Aber was ist aus Feuerstürmen geworden? Salzsäulen und so? Göttlicher Zorn? Bitte, kehr zu deinen Wurzeln zurück! Aber erspar uns diese Qualen! Herr, wenn du ein allmächtiger Gott bist, dann sorg dafür das "Germany's Next Topmodel" abgesetzt wird und Die Heidi zurück auf ihre Alm kommt. Bitte. Dann tret ich auch wieder in die Kirche ein.

8-)

Mittwoch, März 14, 2007

gaming tuesday

Mal wieder ne Runde Illuminati! gezockt. So langsam haben wir den Bogen raus, die Duelle werden immer härter und ausgeglichener. Wie folgt war die Verteilung der Spieler und Gruppen:

Su.-: UFO's (gewählte Siegbedingung: wie Kirche des Subgenius)
Sa.-: Bayrische Illuminaten
L.-: Gesellschaft der Assassinen
M.-: Kirche des Subgenius
Ich: Netzwerk

Das Spiel ging munter los und einige harte Kämpfe um wichtige Gruppen wurden ausgetragen. Die UFO's sammelten eifrig Karten, was zu der einhelligen Meinung führte, sie hätten die Siegbedingung des Bermuda Dreiecks (10 verschiedene Gesinnungen) gewählt. Welch Fehlurteil! Jedenfalls kloppte das Spiel hart (so langsam kommen Allianzen und Strategien zum Vorschein) vor sich hin und es sah nach einem Sieg für die Bayern oder für die UFO's aus. Ich, trotteligerweise in Unkenntnis der Regeln, wiederholte immer wieder gebetsmühlenartig, dass zum Erreichen des Basisziels (bei uns 10 bzw 9 Gruppen) die Illuminatenkarte nicht mitzählt. WAS FALSCH IST! Natürlich zählt die Karte mit, wie bei anderen Siegbedingungen (Netzwerk und Bayern) ja auch! Ich Depp. M.-, genüsslich lächelnd, hatte das längst in den Regeln nachgelesen. Daher wunderten wir uns ganz schön, als Su.- nach ihrer neunten Karte ("selbst wenn sie die gleiche Bedingung wie der SubGenius gewählt hat, hat sie noch nicht gewonnen, oder? Oder?!") ihr Zettelchen aufdeckte und ihren glorreichen Einzelsieg ausrief.
Agh. Das zeigt mal wieder, es ist nicht nur Glück und Geschick nötig, um die Welt zu erobern, sondern auch die Dummheit der anderen.
Das war nun übrigens der zweite Sieg des UFO's (einmal ich, einmal Su.-), es scheint diese Gruppe ist auf unserem derzeitigen Spielniveau sehr mächtig. Weitere Erkenntnis: die Bayern setzen zu wenig ihre Fähigkeit des privilegierten Angriffs ein. Und, man sollte die Regeln besser lesen. Neben meinem spielentscheidenden Fauxpas hab ich auch noch gelernt: man muss nicht nur eine Sonderkarte ablegen, um einen privilegierten Angriff aufzuheben, sondern zwei!
Naja, hier, quasi als Mahnung, mal der Link zu den Regeln (bei Pegasus Spiele, PDF!).

Weil es nach Su.-'s frappierendem Sieg noch zu früh war um heimzugehen, haben wir noch eine Runde "Chez Geek" (auch von Steve Jackson Games, link) angespielt. Erkenntnis: ausgesprochen unterhaltsam und im Vergleich zu Illuminati geradezu simpel zu erlernen. Aber lustig. Ich sag nur: nookie bringt immer noch am meisten slack!

In diesem Sinne.

Dienstag, März 13, 2007

kleiner Kommentar

Seit langer Zeit mal wieder was neues von mir. Ich laboriere ja immer noch mit meiner Gesundheit herum. Naja, da kommt man nicht soooooo oft zum gemütlichen Tippen am Rechner.
Aber da war doch eine Nachricht, die ich nicht unkommentiert lassen wollte.
Deutschland, also quasi "wir", sind nicht nur Papst und Oskar und überhaupt Weltmeister der Herzen bzw. tatsächlich Weltmeister (mit Schummeln). Bald sind wir auch Mond. Äh, also auf dem Mond, denn Deutschland plant anscheinend eine Mondmission. Natürlich nur Gerüchteweise, aber unbemannt und für schlappe 500 Mega-Euro wollen "die" ab 2013 eine Sonde auf den Erdtrabanten schiessen, auf der dann der SRG*-Lappen weht. Oder eben nicht weht, weil ohne Atmosphäre weht es sich schlecht. Da kommt ja direkt die Debatte ins Spiel - haben die Amis damals die Mondlandung gefaked oder nicht, also quasi CIA und Stanley Kubrick in einem Aufwasch, ratzfatz Propaganda-Sieg, am Ende bleibt von den Sowjets nüscht mehr übrig als Namen auf Vodkaetiketten. Da gibt es ja drei Meinungen, im Grunde.
(1) die waren da, alles total echt [die ich-glaub-alles-weil-im-Fernsehen-alles-wahr-Variante]
(2) die waren da, aber haben bei der medialen Aufbereitung ein wenig nachgeholfen, vielleicht [die gebildeter-Skeptiker-Variante] oder
(3) alles gefaked, niemals waren die Amis aufm Mond [die Area-51-ist-auch-echt-Variante].
Ich tendiere ja, so lustig es klingt, eher zu (1). Aber egal. Wichtig ist die Frage - sind die Filmstudios in Babelsberg so einem Aufwand gewachsen? Liveschalte zur gefälschten unbemannten Sonde? Moderiert von Joachim Bublath. Frage: "Wie fühlen sie sich, over?" -- Antwort: "Biepbiepblibbbiep, over!" Der Typ der damals die Synchronstimme von R2D2 war, den könnte man als Sprecher für die Sonde einkaufen.
Und warum überhaupt? Was könnte man von 500 Megaeuro nicht alles für Kindergartenplätze und Altenpflegeplätze und so kaufen?! Was haben wir aufm Mond verloren? Warum nicht eine europäische Gemeinschaftmission? Oder eine "Weltraumfahrtsbehörde" -- was angesichts der enormen Kosten aber der allgemein-menschheitlichen Interessenlage (ja, wir wollen "da rauf", ja es ist irgendwie in unseren Genen immer "weiter zu gehen", nein eigentlich kann sich das kein Staat allein leisten).
Na, wie dem auch sei. Ich denk ich arbeite mal lieber weiter... ;-)


*: SRG... schwarz-rot-gold, unsere Landesfarben